Autoritäre Erziehung: Was verbirgt sich hinter diesem Erziehungsstil?

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Autoritäre Erziehung beschreibt einen Umgangsstil, bei dem ausschließlich die Bedürfnisse des Erwachsenen zählen. Das Kind hat keine Chance, in seinem Tempo und in seiner eigenen Art und Weise zu wachsen. Es muss sich unterordnen und wird versuchen, möglichst unauffällig zu leben, damit es der Dominanz der Erwachsenen aus dem Weg gehen kann.

Alles rund um das Thema des autoritären Erziehungsstils findest Du hier.

Liebe oder autoritäre Erziehung?

Ist das Kind geboren, sollte sich der Tagesablauf um die Bedürfnisse des Babys drehen. Das Neugeborene ist in jeder Hinsicht völlig von seinen Eltern abhängig und kann sich nicht alleine helfen. Es kennt keine Zeit und wenn die Mutter aus dem Raum geht, scheint sie verschwunden.

Die Koordination der Gliedmaßen ist noch nicht entwickelt, was bedeutet, dass sich das Baby nicht helfen kann. Es hört Mutter und Vater sprechen, aber es kann den Worten noch keine Erfahrung zuordnen. Es kennt den Inhalt der Worte nicht. Das Einzige, was es versteht, ist die liebevolle Anwesenheit einer Bezugsperson.

Eine entspannte Mutter liebt ihr Kind in dieser Zeit bedingungslos. Noch gibt es nichts zu lenken. Regeln und Vorschriften können noch gar nicht verstanden werden, sodass die Erziehung nur durch Liebe und Fürsorge geschieht, nicht durch autoritäre Erziehung.

Ist das Baby zum Kleinkind herangewachsen, das seine Umgebung erkundet, nimmt Erziehung eine weitere Ausdrucksform an. Die Eltern müssen Grenzen setzen. Nicht nur, um ihr Hab und Gut vor den neugierigen Kinderhänden zu schützen. Da das Kind die Konsequenzen seines Handels noch nicht abschätzen kann, muss die kindliche Erfahrungswelt durch die Eltern begrenzt werden.

Der Herd ist tabu, ebenso die Katzentoilette. Mamas und Papas Sachen bleiben an ihrem Platz und sind kein Spielzeug. Das Kind wird in die Welt der Eltern eingeführt und bekommt Anweisungen, was getan werden darf und was nicht.

An dieser Stelle werden unterschiedliche Erziehungsstile sichtbar, da Eltern ihre natürliche Autorität in unterschiedlicher Weise ausleben. Während eine Mutter ihren Nachwuchs geduldig und liebevoll unzählige Male von gefährlichen Orten wegträgt, gibt es bei anderen Eltern einen Klapps und ein lautes Wort.

Die autoritäre Erziehung zeigt sich immer mit Forderungen und Anweisungen, die in einem barschen Ton ausgesprochen werden. Das Kind wird kommandiert und hat den Anweisungen zu folgen, sonst gibt es Ärger.

Woher kommt autoritäre Erziehung?

Autoritäre Erziehung hat nichts mit wirklicher Erziehung zu tun. Jedes Kind sollte die Möglichkeit haben, die Welt in Ruhe begreifen zu dürfen, ohne ständig mit Forderungen konfrontiert zu werden. Kinder sind keine Erwachsenen, die funktionieren können. Ein Kind braucht:

  • Liebevolle Geborgenheit
  • Verständnis
  • Geduld
  • Aufmerksamkeit
  • Zeit

Eltern, die ihrem Nachwuchs das nicht geben können, haben in ihrer eigenen Kindheit wenig Liebe erfahren. In ihrem Leben ging es ebenfalls vorrangig um Leistung und um das Funktionieren. Auch sie erlebten eine autoritäre Erziehung, denn ihre Bedürfnisse wurden von den Eltern nicht gesehen oder verstanden.

Ein Kind begegnet uns anfangs immer mit offenem Herzen. Lebt es allerdings in einer emotional kalten Umgebung, wird es sich dieser Ausstrahlung unterordnen und alle Freude und jedes Lachen aus seinem Herzen verbannen. Es wird zum Symptomträger der Familie und kann im späteren Leben keine Liebe geben oder empfangen.

Autoritäre Erziehungsstile sind den Eltern meist nicht bewusst. Das eigene Verhalten erscheint normal, weil sie sich nicht anders kennen. Sie haben sich nie als warmherzig, geduldig und mitfühlend erlebt. Deswegen können sie auf diese Eigenschaften ihres Kindes nicht eingehen. Kinder spüren sofort, was ihnen die Eltern an emotionaler Ausstrahlung entgegenbringen.

Wenn wir uns Neugeborene ansehen, fallen ihre klaren Augen und der tiefe Blick auf. Treffen wir das Kind ein halbes Jahr später, ist diese Ausstrahlung in den meisten Fällen verschwunden, weil die Eltern nicht darauf eingehen konnten.

Was wir in unseren Kindern nicht berühren, also ihnen gegenüber nicht ausdrücken, werden sie innerlich verdrängen müssen. Erst im Erwachsenenalter bekommen sie eine erneute Möglichkeit, sich bewusst den unerwiderten Gefühlen zu stellen.

Das müsste nicht sein, wenn Mütter sich mit ihrer eigenen Vergangenheit auseinandergesetzt hätten, die psychischen Wunden der Kindheit verheilt wären und autoritäre Erziehung keinen Grund mehr hätte.

Dein Verhalten wirkt sich auf die Erziehung aus

Erziehung beinhaltet viel mehr, als wir denken. Es geht nicht nur um (positive) Grenzsetzungen, um das Kind vor sich selbst zu schützen. Für Kinder sind Eltern die natürliche Autorität. Sie glauben ihnen bedingungslos und übernehmen ihre Wertevorstellungen.

Die autoritäre Erziehung vermittelt einem Kind leider das Gefühl, nicht viel wert zu sein. Die Eltern werden den Nachwuchs nur für entsprechende Leistungen loben und auch das kommt nicht von Herzen. Es geht dabei nicht um das Kind, sondern um die Erwachsenen und ihren Erfolg. Sie haben etwas angeordnet und es wurde ausgeführt. Der Stolz bezieht sich auf sie selbst und hat mit dem Kind nichts zu tun.

Für sensible Kinder ist eine autoritäre Erziehung sehr schmerzhaft und verletzend. Kinder brauchen es, in den Arm genommen oder ohne Grund angelächelt zu werden. Sie sehnen sich nach einem Menschen, der sie tröstet, wenn es weh tut. Aber sie bekommen es nicht. Ihre Eltern können ihnen keine Erziehung geben, die von Herzen kommt.

Es schwingt keine emotionale Wärme mit, auf die ein Kind angewiesen ist, weil es komplett im Fühlen lebt. Die Eltern haben ihre liebevollen Gefühle verdrängt. Alles, was noch übrig ist, ist Leistungsdenken, unterdrückte Frustration und Wut.

Viele Eltern haben Probleme mit ihren Kindern, wenn sie autoritäre Erziehungsstile leben, ihr Kind sie aber ständig emotional herausfordert. Es kommt angelaufen und wirft sich in die Arme der Mutter. Oder es weint und möchte gehalten werden. Mütter, die sich ihren Gefühlen verschließen mussten, haben mit solchen Situationen große Probleme.

Sie reagieren auf der rationalen Ebene und lassen den Nachwuchs wissen, dass es schon nicht so schlimm sei oder umarmen das Kind ohne innere Beteiligung. Es entsteht keine wirkliche Nähe. Selbst wenn die Familie viel unternimmt, wird sich das Kind alleine und einsam fühlen.

Können Erziehungsstile ein gesundes Heranwachsen ermöglichen?

Demgegenüber wartet die antiautoritäre Erziehung mit einer völligen Regelfreiheit auf. Während für die autoritäre Erziehung das Funktionieren des Kindes wichtig ist, lässt die antiautoritäre Erziehung dem Kind freien Lauf.

Wachsen sie völlig ungebremst auf, hat das nichts mit Selbstverwirklichung zu tun, sondern entwickelt sich im späteren Leben zu Grenzüberschreitungen anderen Menschen gegenüber. Wer keine eigenen Grenzen erfährt, wird auch nie nach den Grenzen anderer Menschen fragen.

Kinder antiautoritärer Erziehungsstile kommen innerlich nicht zur Ruhe. Sie haben nie wirkliche Geborgenheit erlebt, denn ein Leben, in dem keine Grenzen definiert werden, lässt sich nur schwer handhaben. Menschen leben nach Regeln und Grenzen. Dazu zählen auch die Werte, andere Menschen zu respektieren, niemandem Leid zuzufügen oder für jemanden da zu sein.

Gute Regeln geben das Gefühl von Sicherheit. Sie beschreiben einen Raum, in dem man sich sicher bewegen kann und auskennt. Wer das nicht bekommt, sucht in der Welt danach, ohne jemals anzukommen.

Viele Kinder, die durch eine antiautoritäre Erziehung geprägt sind, sind nicht selbstbewusst. Ihre Eltern bestanden schon früh auf der Selbstständigkeit hinsichtlich eigener Entscheidungen.

Was als kindliche Freiheit bezeichnet wurde, ist in Wahrheit Haltlosigkeit. Die Eltern sind ihrer natürlichen Vorbildpflicht in diesem Fall nicht nachgekommen, weil sie den Nachwuchs nicht einengen wollten. Aber auch das funktioniert ebensowenig wie autoritäre Erziehung.

Die natürliche Autorität der Eltern

Eltern sind die Personen, die das Kind mit den Regeln in dieser Welt vertraut machen sollen. Durch sie erfährt ein Kind, was getan oder gelassen werden sollte. In der Kindheit übernehmen die Eltern den anleitenden Part, den das Kind im Erwachsenenalter in sich selbst finden muss.

Was Eltern anordnen, sollte einem jungen Erwachsenen möglich sein, sich selbst zu sagen. Eltern sind sozusagen die innere Stimme und das Gewissen des Kindes. Bis der Heranwachsende in der Lage ist, sich selbst zu sagen, was richtig und was falsch ist.

Sind sich Eltern dieser Aufgabe nicht bewusst, werden alle Erziehungsstile das Kind nur verwirren und ihm das Gefühl geben, nicht richtig zu sein. Die autoritäre Erziehung bringt Kinder hervor, die ständig an sich selbst zweifeln, die Schuld immer bei sich suchen und sich in Beziehungen unterordnen, bis sie explodieren.

Sie nehmen ihre kindlichen Erfahrungen im Umgang mit den Eltern mit in ihr erwachsenes Dasein und suchen sich meist dominante Partner, die emotional unterkühlt sind. Damit setzt sich die Familiengeschichte fort, bis ein Beteiligter aussteigt und sich und sein Verhalten hinterfragt.

Antiautoritäre Erziehung entwickelte sich dagegen aus dem Versuch, die dominierende Autorität der Eltern in ein gleichberechtigtes Miteinander zu verwandeln. Grenzenlosigkeit hat jedoch nichts mit Gleichberechtigung zu tun.

Das kindliche Ich wird einfach losgelassen und soll sich alleine ausprobieren, ohne begrenzt zu werden. Der Ansatz ist gut, aber die Umsetzung bringt Egoisten hervor, die verzweifelt nach Richtlinien suchen.

Die Realität herrschender Eltern sollte aufgebrochen werden und der Gedanke war richtig. Autoritäre Erziehung gibt einem Kind nicht, was es braucht. Das Wegfallen aller Grenzen und eine gewisse Zügellosigkeit sind jedoch nicht die Lösung des Problems, sondern nur das gegenteilige Extrem.

Wenn beide Erziehungsstile nicht funktionieren, was ist dann die Lösung?

Das Problem ist die Theorie. Das Denken, das versucht herauszufinden, was die richtige Handlung ist. Es mag etwas platt klingen, aber die Lösung ist einfach die Liebe in ihrer unzähligen Ausdrucksweise.

Anders gesagt: Wenn Du Dich auf Dein Kind einlässt, musst Du nicht die Frage stellen, welche Erziehungsstile die besten sind. Das sind Theorien. Beschreibungen, die andere Menschen hinsichtlich ihrer Erfahrungen aufgestellt haben. Du kannst diese Theorien nicht bei Dir und Deinem Kind anlegen.

Du hattest eine Kindheit mit ganz individuellen Prägungen. Daraus resultiert ein bestimmter Umgang mit deinem Kind, den Du nicht in ein Schema packen oder mal eben ablegen kannst. Du hast die Möglichkeit, Dich selbst zu hinterfragen. Du kannst Dich beobachten, wie Du mit Menschen umgehst. Du gibst Deine eigene Erziehung so lange weiter, bis Du Dir folgende Fragen stellst:

  • Was braucht mein Kind von mir?
  • Kann ich ihm das geben?
  • Was kann ich tun, um ihm das zu geben, was es braucht?
  • Bin ich mit meinem Kind geduldig?
  • Lasse ich ihm Raum für eigene Erfahrungen?
  • Zwinge ich ihm meinen Willen auf? Wenn ja, warum?

Ein Kind bringt Dich immer an Deine Grenzen. Es wird ohne sein Wissen von Dir Dinge fordern, die Du verdrängt hast. Wenn das geschieht, gehst Du zuerst auf Abwehr. Du ärgerst Dich über Deinen Nachwuchs und möchtest ihn am liebsten in die Schranken weisen. Manchmal fühlst Du Dich regelrecht ausgesaugt, weil von Deinem Kind eine Energie in Deine Richtung geht, die fordert.

Erziehungsstile sind nur Konzepte

Auch wenn wir es gerne so hätten, Erziehung lässt sich nicht in ein Konzept pressen. Viele Menschen entwickeln Richtlinien, wie man mit dem Kind umgehen sollte. Dabei meinen sie nur die materielle Ebene und vergessen, dass ein Mensch trotz aller Vorgaben nie tun kann, was er in seinem Herzen nicht ist.

Das bedeutet: Man kann einem Menschen mit Depressionen immer wieder sagen, dass er mit seinem Kind fröhlich sein soll – er wird es nicht tun können. Man kann einer emotional unterkühlten Mutter sagen, dass sie sich mit ihrem Kind freuen soll – auch sie wird das nicht tun können, wenn autoritäre Erziehung ihr Herz verschlossen hat.

Erziehung für Dein Kind ist:

  • Was Du über andere Menschen in Gegenwart Deines Kindes sagst.
  • Wie Du Dich anderen Menschen gegenüber verhältst.
  • Was Du in Deiner Wohnung tust.
  • Wie Deine Einstellung zu Arbeit und Geld ist.
  • Wie Du mit Deinem Körper umgehst.
  • Was Dir an dir selbst wichtig ist.
  • Was Du gut findest.
  • Was Du ablehnst.
  • Wie Deine Lebenseinstellungen sind.

Mit allem, was Dich ausmacht, erziehst Du Dein Kind. Es gibt keine Erziehung, die losgelöst von Dir existiert und die Du „machen“ könntest.

Du bist die Erziehung. Deine Art zu leben, prägt Dein Kind. Wer Du bist, ist lange Zeit von Deinen charakterlichen Prägungen abhängig. Bis du spürst, dass Du mehr sein könntest. Warmherziger. Ehrlicher. Friedvoller. Geduldiger. Herzlicher. Wenn Du das verstanden hast, geht es nicht mehr um autoritäre Erziehung oder Erziehungsstile.

Dann brauchst Du kein Konzept mehr. Du wirst aus dem Bauchgefühl heraus die richtigen Dinge zur richtigen Zeit sagen. Du wirst Dein Herz öffnen und Deinem Kind vertrauen. Du wirst die Kontrolle abgeben, weil diese nicht mit Liebe vereinbar ist. Dann lebst Du Dein volles Potential und gibst Deinem Kind die beste Erziehung, die möglich ist.

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