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Entwicklung und Förderung des Kleinkinds



Entwicklung und Förderung des Kleinkinds

"Nein Mama, ich will das alleine machen!" Diesen Satz hört man ab einem Alter von drei Jahren immer öfter von seinen Kindern. Schließlich sind sie ja jetzt schon groß: Sie brauchen keinen Schnuller mehr und können auf eigenen Füßen durch die Welt spazieren.

Diese Entwicklungsphase nennt man das Kleinkindalter. Von drei bis sechs Jahren bezeichnet man ein Kind als Kleinkind. Die Entwicklungsstufe endet also mit dem Besuch der Grundschule. Bis es so weit ist, haben die Kleinen aber noch viel zu lernen und zu entdecken.

Entwicklung und Förderung des Kleinkinds: Eigenständiges Handeln

Die Kleinkindphase ist davon geprägt, dass Kinder alles auf eigene Faust entdecken und erleben wollen. Sie möchten keine Hilfe mehr von ihren Eltern, sondern lernen, es selbst zu schaffen. Im Alter von drei bis sechs Jahren vollziehen die Kleinkinder den Weg zur Eigenständigkeit. Dies enthält viele erste Male: Das erste Mal alleine essen. Das erste Mal den Schuh binden. Das erste Mal lesen. Und noch viel mehr...Für die Kleinkinder scheint es unendlich viel zum Entdecken zu geben.

In dieser Phase handeln die Kinder meist nach dem Ursache-Wirkungs-Prinzip. Sie ziehen an der Tischdecke und schauen was passiert. Bei dieser Entwicklung solltet ihr als Eltern geduldig sein und die Kinder alles entdecken lassen, solange es keine allzu große Gefahr birgt. Man sagt ja auch: Das Kind muss erstmal auf die heiße Herdplatte fassen, um zu verstehen, dass das brennt.

Diese Entwicklung und Entdeckerlust hängt von verschiedenen Faktoren ab, die das Kleinkindalter von der Zeit als Baby unterscheiden.

Motorik Kontrolle

Als Kleinkind lernen die Kinder langsam ihre Motorik zu kontrollieren. Dadurch gewinnen sie ein Stück Selbstständigkeit gegenüber ihren Eltern. Zur Motorik gehören Ausdauer, Kraft, Beweglichkeit, Koordination, Reaktionsfähigkeit und Gleichgewicht. Natürlich sind viele dieser Bereiche noch nicht vollkommen ausgeprägt und entwickelt, doch durch das sich selbst Ausprobieren entwickeln und erlernen die Kleinkinder neue Fähigkeiten.

Nachdem die Kleinen als Babys erst Krabbeln und dann Laufen gelernt haben, üben die Kinder nun schwierigere Bewegungsabläufe, wie die Balance auf einem Bein halten, Treppensteigen, Bälle werfen und fangen und noch viel mehr.

Hilfe: Die Entwicklung der Motorik meines Kindes ist noch nicht so weit wie bei anderen Kindern

Das ist nicht schlimm, alle Kinder entwickeln sich in ihrem Tempo. Die Entwicklung der Motorik kannst du fördern, indem du deinem Kind Bewegungsraum einräumst und seinen Forscherdrang nicht einschränkst. Das Entscheidende ist nämlich, dass die Kleinkinder die motorischen Fähigkeiten selbst erlernen und entdecken.

Dieses eigenständige Erlernen hilft dem Kind Selbstliebe und ein postives Selbstbild zu entwickeln. Jeder gebundene Schuh und jede bestiegene Treppe ist mit einem Glücksereignis verbunden.

Kleinkind entwickelt eigene Beziehungen

Dein Kind hat nun die Fähigkeit klar zwischen Ich und Du differenzieren zu können. Entscheidend dabei ist der Moment, in dem sich das Kleinkind das erste Mal im Spiegel erkennt. Dabei versteht das Kleinkind, dass es ein eigenständiger Mensch ist. Das Kleinkind kann jetzt also zwischen Ich und Du unterscheiden und versteht, dass es und seine Eltern unterschiedliche Menschen sind. Dies ist die Voraussetzung für das Kleinkind, um eigene Beziehungen aufbauen zu können. Neben der innigen Verbindung zu den Eltern kann das Kind nun durch den Besuch des Kindergartens eigenständige Beziehungen aufbauen.

Entwicklung und Förderung des Kleinkinds: Sexuelle Identität

Eine weitere Entwicklung des Kleinkinds ist die Erkenntnis der eigenen sexuellen Identität. Das Kleinkind versteht, dass es ein Mädchen oder ein Junge ist. Mit der Entwicklung der motorischen Fähigkeiten beginnen Kinder auch ihren Körper zu erforschen, insbesondere ihre Geschlechtsteile. Eltern sollten verstehen, dass das ein ganz natürlicher Schritt der Entwicklung des Kleinkinds ist. Oft sind die Eltern des Kleinkinds peinlich berührt, wenn sie das Kind bei den sogenannten Doktorspielen erwischen. Scham oder Wut sind hier aber die falsche Reaktion und ein Verbot hält die Kinder nicht auf, ihrem Entdeckungsdrang nachzugehen.

Stattdessen solltet ihr offen mit euren Kindern über das Thema Sexualität sprechen. Die Sexualität von Kindern ist für die Eltern häufig schwer zu verstehen, da sie vor Augen ihre "Erwachsenen-Definition" von Sexualität haben. Meist ist den Eltern deshalb nicht bewusst, dass Selbstbefriedigung und das Erkunden der Geschlechtsmerkmale des anderen Geschlechtes für Kleinkinder interessant sind, nur eben auf eine andere Art und Weise. Mach dir also keine Sorgen, wenn du dein Kind bei Doktorspielen oder Ähnlichem erwischt. Sprich mit ihm offen darüber und achte darauf, dass nichts in Körperöffnungen eingeführt wird und kein Kind dazu gezwungen wird oder sogar mit Gewalt dazu gebracht wird.

Entwicklung und Förderung des Kleinkinds: Alltag der Erwachsenen nachahmen

Ob Puppenhaus, Polizist oder Mutter-Vater-Kind: Bei beinahe allen Spielen ahmen die Kleinkinder den Alltag der Erwachsenen nach. Dies liegt zum einen daran, dass die Eltern ein Vorbild für die Kinder sind und die Kinder sein möchten wie sie. Vor allem aber üben die Kleinen für später: In den Spielen lernen sie, wie man kocht, wie der Straßenverkehr funktioniert oder warum man einen Job braucht und wie das funktioniert. Spielerisch lernen die Kinder die Welt und ihr System zu verstehen.

Spiele sind also eine gute Möglichkeit deinen Kindern etwas näherzubringen. Möchtest du zum Beispiel erklären, wieso man für alles Geld bezahlen muss, mach dies doch einfach anhand der Playmobilefiguren.

Entwicklung des Kleinkinds wird bestimmt von Eltern-Kind-Beziehung

Obwohl das Kind in der Kleinkindphase neue soziale Kontakte knüpft, ist die Beziehung zu den Eltern immer noch die wichtigste und innigste. Durch die Beziehung zu den Eltern lernt das Kleinkind erstmals den sozialen Umgang mit Menschen. Das Kind ist insofern abhängig von den Eltern, da sie die ersten und einzigen Bezugspersonen sind, die dem Kind zur Verfügung stehen. Sein Selbstwertgefühl und das Gefühl wertgeschätzt zu werden bestehen anfangs nur aus der Aufmerksamkeit, die das Kleinkind durch Vater und Mutter bekommt. Die emotionale Bindung zwischen Eltern und Kind als Baby und in der frühkindlichen Phase prägt das Kind sein ganzes Leben lang. Ob es später gut über seine Gefühle sprechen kann und mit sich selbst im Reinen ist, hängt stark von der Liebe und Aufmerksamkeit ab, die die Eltern dem Kleinkind und Baby widmen.

Die Eltern-Kind-Beziehung ist aber nicht nur von einer sozialen und psychischen Abhängigkeit geprägt, sondern wird auch von einer körperlichen Abhängigkeit bestimmt. Babys sind abhängig von ihren Eltern, da diese ihre Ernährung und generell ihr physisches Überleben gewährleisten. Diese Abhängigkeit stärkt die Bindung zwischen Kind und Mutter und Vater.

Eltern als Vorbild

Außerdem nehmen Mutter und Vater eine Vorbildfunktion für das Kleinkind an. Durch die starke emotionale Verbindung zu seinen Eltern ist das Kleinkind davon überzeugt, dass "Mama und Papa immer Recht haben". Hinzu kommt, dass das Kind beginnt ein Bewusstsein für Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu entwickeln. Dann steht für das Kleinkind fest: Später möchte es auch einmal so sein wie Mama oder Papa. Sei dir also bewusst, dass dein Kind sich an allem was du tust ein Beispiel nimmt und versucht deine Handlungen nachzuahmen.

Entwicklung des Kleinkindes: Die Fragen des Lebens

Warum gibt es Oma nicht mehr? Woher kommen die Babys? Hat jemand die Welt erschaffen? Diese oder ähnliche Fragen spucken durch den Kopf eines Kleinkinds. Mit der fortgeschrittenen geistigen und körperlichen Entwicklung beginnt das Kind sich über tiefgreifende Fragen Gedanken zu machen. Hier spielen vor allem die Themen Tod, Sexualität, Liebe und Glaube eine Rolle. Das Kind möchte verstehen, wie das Leben beginnt und endet und warum das alles so ist.

Nimm diese Fragen deines Kindes ruhig ernst, es ist schon bereit die ersten Antworten zu erhalten und muss nicht mit "der Storch bringt das Kind" abgewimmelt werden. Informiere dich stattdessen, wie du die Informationen kindgerecht vermitteln kannst. Da die Nachfrage so groß ist, gibt es viele Bücher und Filme über die Fragen des Lebens für Kinder im Kleinkindalter.

Gedanken über die Zukunft als Kleinkind

Die Kinder beginnen aber nicht nur sich über das Leben generell Gedanken zu machen, sie beschäftigen sich auch viel mit ihrem eigenen Leben und ihrer Zukunft. Solche Gedanken können für die Kleinen aufregend und beängstigend zugleich sein. Gerade vor der Schule machen sich viele Kleinkinder Gedanken darüber, wie das "groß werden" wohl wird.

Ihre Zukunftspläne reichen aber meist noch viel weiter. Mit vier Jahren wissen die Kleinen schon "ich möchte später einmal Feuermann werden". Nimm deinen Kindern diese, teilweise unrealistischen, Pläne nicht. Stattdessen kannst du sie weiter über diesen Beruf informieren und ihnen erklären wie die Ausbildung oder der Arbeitsalltag aussieht. Nimm doch den kleinen Feuerwehrmann mal mit zum Feuerwehrfest in der Nähe oder lass den zukünftigen Popstar für Oma und Opa im Wohnzimmer auftreten.

Sprachentwicklung und Sprachförderung des Kleinkinds

Eine wichtige Rolle im Kleinkindalter spielt auch die Sprache. Durch den Kindergarten lernen die Kleinen etliche neue Wörter. Trotzdem haben viele Eltern Angst, dass ihr Kind in der Sprachentwicklung zurückbleibt und machen sich Sorgen, weil das Kleinkind noch nicht so lange Sätze wie die anderen bildet oder manche Wörter falsch ausspricht.

So fördern Eltern die Sprachentwicklung des Kleinkinds

Zwar lässt sich die sprachliche Entwicklung des Kindes nicht erzwingen, aber sehr wohl doch fördern. Sprich mit deinem Kleinkind in ganzen Sätzen. Schließlich orientiert sich das Kind an dir und versucht deine Sprachweise nachzuahmen. Die Babysprache, die Erwachsene gerne sprechen, ist zwar ganz süß, vermittelt dem Kleinkind jedoch eine falsche Satzstruktur und hindert seine Sprachentwicklung. Sprachfehler des Kindes sollten also nicht nachgeahmt, sondern liebevoll verbessert werden.

Setze dein Kind aber auf keinen Fall unter Leistungsdruck und vermittle ihm, dass seine Aussprache schlecht wäre. Das schwächt nur das Selbstwertgefühl deines Kindes und führt möglicherweise dazu, dass es sich gar nicht mehr traut zu sprechen.

Stattdessen kannst du die Sprache deines Kindes spielerisch fördern. Kinderlieder oder die tägliche Vorlesestunde fördern die Sprachentwicklung und das Sprachvermögen deines Kindes.

Schnuller frei als Kleinkind

Außerdem solltest du im Kleinkindalter dein Kind vom Schnuller befreien. Mit Schnuller im Mund können die Kinder nicht richtig deutlich sprechen und gewöhnen sich so möglicherweise diese falsche Aussprache an. Oft sind Sprachstörungen, wie Lispeln, auf den Schnuller zurückzuführen. Einen Logopäden kann man sich deshalb meist durch die frühe Entwöhnung vom Schnuller sparen.

Zweisprachige Erziehung

In Zeiten der Globalisierung setzen viele Eltern auf die frühzeitige Förderung einer zweiten Sprache. Überfordert dieser Anspruch ein kleines Kind nicht? Im Gegenteil. Studien zeigen, dass die Frühförderung von Kindern ihre Gehirnfähigkeit stärkt und ihre Intelligenz fördert. Hinzu kommt, dass Kinder die zweisprachig erzogen werden, es später leichter haben, neue Sprachen zu erlernen. Solange die Eltern ihr Kind nicht mit Vokabelkärtchen foltern, wirken sich zwei gesprochene Sprachen im Elternhaus positiv auf die Entwicklung des Kindes aus.

Kleinkindern fällt es sogar leichter neue Sprachen zu lernen, da sie es geübt sind viele neue Informationen aufzunehmen und zu verarbeiten. Schon ab dem 7. Lebensjahr wird es schwieriger einen neue Sprache zu lernen.

Viele Eltern befürchten, dass die Kinder das Vokabular beider Sprachen durcheinander bringen und letzendlich gar keine Sprache richtig sprechen können. Das stellt aber kein Problem dar, denn Kinder verstehen schon sehr früh, dass es verschiedene Sprachen auf der Welt gibt. Sie sind fähig die Grammatik- und Vokabelsysteme auseinanderzuhalten und der jeweiligen Sprache zuzuordnen. Die Förderung der zweisprachigen Erziehung eines Kleinkinds ist also durchaus sinnvoll.

 

Quellen:

www.zahnaerzte-nymphenburg.de

www.9monate.de

www.windeln.de