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Nach der Schwangerschaft



Nach der Schwangerschaft

Die ersten Stunden nach der Geburt sind besonders durch überwältigende Emotionen geprägt. Die frischgebackene Mutter kann ihr Baby endlich in Empfang nehmen. Den ersten Kontakt haben sie meist noch im Kreißsaal. Dann steht für die Mutter eine kurze Ruhephase an, während ihr Nachwuchs den Gesundheitscheck, das Bad und Anziehen noch abhaken muss.

 

Der Gesundheitscheck nach der Geburt

Die Hebamme prüft das Baby zunächst im APGAR-Test insgesamt dreimal: In der ersten, fünften und zehnten Lebensminute. Atmung, Herzschlag, Muskel- und Bewegungsfunktionen, Reflexe und gesunde Hautfarbe werden kontrolliert.

Nun kann sich die kleine Familie erstmal etwas kennenlernen. Dann aber steht für das Baby der nächste Check an. IN der als U1 bekannten Früherkennungs-Untersuchung werden Gesichtsmerkmale und Körperproportionen gesichtet, sowie die Schädelnähte am Kopf überprüft. Brust, Bauch und Wirbelsäule werden abgetastet und Finger und Zehen gezählt. Nun folgt noch ein Check der Geschlechtsorgane und des Darmausgangs, bevor die Messungen von Kopfumfang die Untersuchung abschließen. In den Babypass werden noch Gewicht und Größe vermerkt. Beim Baden und Anziehen hilft der Vater gerne und schon kann es zurück zur Mutter gehen. Noch schnell ein Namensschildchen ums Handgelenk, damit es nicht verwechselt werden kann.

 

Das erste Stillen

Die Hebamme zeigt der Mutter noch die besten Stillpositionen und wie das Baby am besten dabei liegen kann. Nun hat die Familie ein bisschen Zeit für sich.

 

Wochenbett

Mit dem Begriff Wochenbett ist die erste Zeit nach der Geburt gemeint. Hier stellen sich für die junge Mama einige körperliche und seelische Umstellungen ein.

Zunächst wird es extrem ungewohnt sein, kein Baby mehr im Bauch zu tragen. Nach der Geburt beginnen die natürlichen Rückbildungsprozesse. Die Gebärmutter zieht sich wieder zusammen und hat nach bereits sechs bis acht Wochen ihre ursprüngliche Form erreicht.

Nachwehen entstehen häufig, wenn das Baby an der Brust trinkt. Durch das Saugen werden zwei Hormone im Frauenkörper ausgeschüttet. Prolaktin ist dabei für die Milchbildung zuständig. Oxytocin lässt die Milch fließen, löste aber wie bei der Geburt Wehen aus.

Der Effekt der Nachwehen wird bald deutlich bemerkbar: die Gebärmutter wird wie ein nasser Schwamm zusammengedrückt und fördert den Wochenfluss. Dieser besteht meist aus Schleimhautresten und Blut. Meist ist er nach vier bis sechs Wochen vorüber.

Die Muskulatur, besonders die Bauchmuskulatur, ist während der Schwangerschaft enorm strapaziert worden. Diese sollten mindestens 6 Wochen nach der Geburt nicht bewusst belastet werden. Der Rückbildungsprozess wird einige Zeit in Anspruch nehmen. Hier kann eine elastische Bauchbinde ein gutes Gefühl geben. Eine vollständige Schließung der Muskeln ist etwa erst nach einem halben Jahr passiert.

Um den Beckenboden zu trainieren sollten spezielle Übungen angewandt werden. Die meisten Frauen kennen diese bereits von Geburtsvorbereitungskurse.  Diese Übungen sind wichtig, um mögliche Inkontinenz zu verhindern und auch das sexuelle Erleben wird dadurch enorm beeinflusst.

 

Zeit lassen

Gönne Dir und Deiner neuen Familie Zeit, um das Geburtserlebnis zu verarbeiten. Plant euch alle zusammen ein bis zwei Wochen Zeit ein, um richtig zu Hause anzukommen. So könnt ihr euch langsam in den Babyalltag einfinden und entspannt kennenlernen. Bei anfänglichen Problemen kann die Hebamme eine sehr wertvolle Hilfe sein. Frage sie, wenn du Fragen hast, Tipps brauchst oder ein Stimmungstief erlebst. Habe keine Angst darüber zu reden: So wie es dir geht, ging es schon vielen Frauen. Mutter und Baby können sich innerhalb von acht Wochen wunderbar aneinander gewöhnen – so lang ist die Wochenbettzeit gesetzlich geregelt.

Die meisten Frauen erleben um den dritten Wochenbetttag den „Baby-Blues“. Im Normalfall pendelt sich der Hormonhaushalt und damit die Stimmung wieder ein. Setze dich also nicht unter Druck. Der Baby-Blues wird meist von ständigem Weinen begleitet und die Gedanken drehen sich um Elternsein. Plötzlich ist man ängstlich, gereizt, konzentrationslos oder erschöpft. Und egal was man tut, schlafen kann man auch nicht. Oft hauen diese Gefühle einfach ohne Vorwarnung rein. Und das obwohl man gestern noch vor Stolz und Glück platzen konnte.

Der Baby-Blues ist aber nur eine Phase und verschwindet, sobald die Hormone ihren Platz wiedergefunden haben. Fast jede zweite Frau leidet nach der Geburt früher oder später unter einer depressiven Verstimmung. Dies hat aber nichts damit zu tun, sein Kind nicht zu lieben oder gar eine Rabenmutter zu sein. Es ist ganz natürlich und der Körper erlebt die Umstellung auf die neue Lebenssituation. Mache dir bewusst, welche enormen Leistungen dein Körper gerade vollbracht hat.

Was man gegen den Baby-Blues alles tun kann, erfahrt ihr in diesen 6 hilfreichen Tipps.

 

Die Abschlussuntersuchung

Nach etwa sechs bis acht Wochen nach der Schwangerschaft steht der erste Frauenarzt-Termin an. Hier fragt die Ärztin oder der Arzt ausführlich nach Beschwerden während des Wochenbetts. Stillprobleme, Stimmungsschwankungen oder Überlastung können hier Themen werden. Auch da Frauen hier bereits wieder schwanger werden können, wird Verhütung eine Rolle spielen.

Blutdruck, Gewicht, Hämoglobin- und alle Blutwerte werden überprüft. Zucker und Eiweiß werden durch eine Urinprobe ermittelt. Die vaginale Untersuchung ist auf Scheide, Gebärmutter und Dammbereich ausgelegt. Hier muss sichergestellt werden, dass alle Narben gut verwachsen. Falls nötig, kann der Frauenarzt eine Salbe zur Heilung verschreiben. Für die regelmäßige Krebsvorsorge wird ein Abstrich des Muttermunds genommen.

Sind Muttermund, Gebärmuttergröße und Eierstöcke unauffällig und gut zurückgebildet, vermerkt der Gynäkologe dies im Mutterpass. Der Mutterpass wird dann bis zur nächsten Geburt nicht mehr gebraucht.

 

Unangenehme Veränderungen

Neben der wundervollen Zeit, die Du mit deinem Baby verbringen wirst, stellen sich auch ein paar unangenehme Veränderungen ein. Oft leiden Mütter noch unter Rückenschmerzen, Hämorrhoiden und geschwollenen Knöcheln. Auch Haarausfall und Hautprobleme können auftreten. Sobald sich der Hormonhaushalt normalisiert, sollten die meisten Beschwerden aber wieder zurückgehen.

In der Zeit direkt nach der Geburt verlierst du vermutlich recht schnell Gewicht. Der Körper scheidet überflüssige Wassereinlagerungen aus und die Blutmenge wird reduziert. Danach aber, schwinden die zusätzlichen Fett-Kilos nur langsam. Der Körper nutzt diese Depots als Energie-Vorrat beim Stillen.

Falls Du noch andere Probleme haben solltest, wie zum Beispiel Schmerzen an der Naht oder eine Verletzung der Geburt nicht verheilt oder sich der Sex unangenehm anfühlt, sprich mit dem Frauenarzt oder der Hebamme. Du musst nicht still leiden. Meist gibt es umfangreiche Therapiemöglichkeiten und eine schnelle Hilfe.

Nach der Schwangerschaft wieder fit werden

Ungerechterweise kämpfen Mütter nach der Schwangerschaft nicht nur mit dem Babyalltag und schlaflosen Nächten, sondern auch mit Gewichtsproblemen. Um den Nährstoffhaushalt ausreichend zu versorgen, ist eine gesunde und abwechslungsreiche Ernährung Pflicht. Folsäure, Omega-3-Fettsäuren, Jod und Co. sollten dabei nicht zu kurz kommen. Um wieder in Schwung zu kommen brauchst du viel Obst, Gemüse und eine kalorienarme Ernährung. Vermeide also fettige Speisen.

In der Stillzeit sollte keine Hungerkur durchgeführt werden. Wenn Du die Kalorienzufuhr zu stark einschränkst, werden nötige Nährstoffe zur Bildung der Muttermilch aus mütterlichen Reserven herausgezogen. So bleibt zwar die Milchqualität konstant, aber der Frauenkörper leidet dann schnell unter einem Mangel. Vermeide Light-Produkte und führe Proteine und vollwertige Lebensmittel zu.

Nach der Schwangerschaft werden Fettreserven an Po und Hüfte meist erst nach einer Stillperiode von 4 Monaten mobilisiert. Lass dir also Zeit, um deinen Körper wieder völlig in Schwung zu bringen, sonst besteht die Gefahr der Überlastung.

Noch schwieriger als die Ernährungsumstellung ist die Sportmotivation. Die sanfte Rückbildungsgymnastik bietet den idealen Einstieg ins neue Sportprogramm. Weiterhin hat sie den Vorteil, den Beckenboden und die Bauchmuskulatur, die bei der Geburt extrem gefordert waren, zu trainieren. Eine erfahrene Hebamme oder ein Physiotherapeut zeigt dir die passenden Übungen.

Um die Rückbildungskurse zu unterstützen kannst Du dir zu Hause Videos anschauen und die Übungen zu Hause durchführen. Lange Spaziergänge mit Kinderwagen bieten sich sowohl für das Ausdauertraining als auch für eine ruhige Zeit mit deinem Nachwuchs an.

Auch Fitnessstudios haben sich bereits auf die Mutter-Bedürfnisse eingestellt. Bei Mutter-Kind-Kursen kannst du Sport machen, ohne einen Babysitter zu brauchen. Außerdem wird dein Kind dabei auch Spaß haben, wenn es die unterhaltsamen Verrenkungen der Mutter mit ansieht. Die Mutter-Kind-Kurse haben aber noch einen weiteren Vorteil: Du triffst andere frischgebackene Mütter. Durch einen Austausch kannst Du viel lernen und niemand wird Dich besser verstehen als die, die in der gleichen Situation sind.

Möchtest du lieber allein Sport machen bieten viele Studios inzwischen sogar Kinderbetreuung während den Kursen oder während Deinem Gerätetraining an. Wird Dein Baby unruhig, bist Du ja trotzdem in der Nähe.

 

Wichtige Aspekte nach der Schwangerschaft

Niemals darfst Du vergessen, dass Du erst etwas unglaublich Großes geleistet hast. Setze dich also nicht unter Druck, direkt nach der Geburt wieder in Form zu kommen. Nimm dir lieber etwas Zeit dafür und ziehe es langsam durch.

Neben der richtigen Ernährung und Bewegung ist ausreichend Schlaf ebenso wichtig. Selten sind Babys über zwei Stunden am Stück wach. Jedoch brauchen sie rund um die Uhr regelmäßige Betreuung. Damit die Mutter auch genug Schlaf bekommt, ist die väterliche Unterstützung notwendig. Ab dem sechsten Monat schaffen es bereits viele Babys in der Nacht sechs bis acht Stunden durchzuschlafen. Dann wird die Zeit für Mütter auch wieder etwas entspannter.

Während der Schwangerschaft haben Frauen oft ein klares Hautbild und volles Haar. Nach der Schwangerschaft kann das allerdings schlagartig verschwinden. Haarausfall und Hautunreinheiten können oft durch die veränderte Hormonlage auftreten. Der stressige Babyalltag begünstigt dann noch Augenringe und Blässe. Damit Du dich wieder wohler fühlst, gönne Dir eine Sitzung bei der Kosmetikerin oder beim Friseur. Es hört sich nach wenig an, aber Du wirst dich entspannter fühlen und Dich mehr wohlfühlen.

Setze dich besonders wegen deines Bauchs nicht unter Druck. Es ist völlig normal, dass der Bauch noch aussieht als wärest Du immer noch im 6. Monat schwanger. Durch soziale Medien wird oft ein falsches Bild von Müttern vermittelt, die zwei Wochen nach der Geburt bereits wieder einen flacheren Bauch als vorher haben. Dies ist übrigens überhaupt nicht gesund! Rückbildungsgymnastik und Ausschwemmen von Wasser sind absolut empfehlenswertere Alternativen.

 

 

Quellen

www.faz.net/aktuell/gesellschaft/gesundheit/nach-der-schwangerschaft-einmal-babybauch-und-nicht-ganz-zurueck-1462836.html

www.familie.de/schwangerschaft/abnehmen-nach-schwangerschaft-512661.html