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Politik und Gesellschaft

Die Mülltaucher und ihr Protest gegen Konsum

Hast du schon einmal von den sogenannten Mülltauchern oder „Dumpster Divers“ gehört? Das sind Menschen, die sich die Lebensmittel für […]

Die Mülltaucher und ihr Protest gegen Konsum

Hast du schon einmal von den sogenannten Mülltauchern oder „Dumpster Divers“ gehört? Das sind Menschen, die sich die Lebensmittel für ihre tägliche Ernährung aus Müllcontainern holen. Sie essen also Dinge, die andere weggeworfen haben. Das klingt erst mal ekelig und unlogisch. Warum sollte man das tun? Wenn du weiter liest, wirst du überrascht sein, wie einleuchtend die Gründe für das Verhalten der Mülltaucher sind.

Was ist Dumpster-Diving?

Jeden Tag werden Unmengen Lebensmittel entsorgt. Große Supermärkte werfen jene Waren weg, die das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten haben. Aber auch Brot vom Vortag, das eigentlich noch genießbar wäre, wird massenweise weg geworfen. Ein großer Teil dieser Lebensmittel ist völlig unbeschädigt und könnte ohne Bedenken verzehrt werden. Warum tut man das?

Die Supermarktketten meinen dazu, dass die Konsumenten jene Lebensmittel nicht mehr kaufen möchten. Dass sich viele Menschen über reduzierte Ware mit kleinen Schönheitsfehlern freuen würden, darüber spricht keiner.

Während viele Menschen hungern müssen und kein Geld haben, um einkaufen zu gehen, werden andernorts einwandfreie Produkte einfach weg geworfen.

Weil das eine unglaubliche Verschwendung darstellt, gibt es mittlerweile Gruppen, die eine Art stillen Protest dagegen Betreiben: die Mülltaucher. Sie plündern die großen Abfallcontainer der Supermarktketten und nehmen alles mit, was unversehrt und genießbar ist. Einen Teil davon behalten sie für sich selbst. Der Rest wird an Menschen gespendet, die zu wenig Geld haben. So hat jeder was davon und die Lebensmittel verfaulen nicht ungenutzt in den Müllcontainern.

Verschiedene Gründe für Mülltauchen

Mülltaucher gehen dieser Tätigkeit aus den verschiedensten Gründen nach. Während manche selbst sehr wenig Geld zur Verfügung haben und damit den eigenen Geldbeutel ein wenig schonen wollen, tun es andere aus Idealismus. Idealismus bedeutet, dass man eine bestimmte Haltung (Ideal) verfolgt und eine Vorstellung in die Tat umsetzen möchte.

Viele Mülltaucher sind erbost darüber, dass man den weltweiten Hunger nach wie vor noch nicht beseitigen kann, obwohl wir hier in Europa so sehr im Überfluss leben, dass wir einen großen Teil unserer Nahrungsmittel einfach wegwerfen können.

Andere finden es gegenüber der Umwelt nicht fair, dass man Lebensmittel, für die bereits viel Wasser und Energie aufgewendet werden musste, ungenutzt wegwirft. Sie finden, dass man die Ressourcen der Natur bestmöglich nutzen sollte, sodass es niemandem an etwas fehlt. Damit haben sie natürlich recht. Denn einerseits wollen wir immer mehr produzieren, indem wir unsere Felder mit Gift gegen Schädlinge bespritzen und viel zu viele Tiere auf engstem Raum zusammen pferchen. Andererseits haben wir ohnehin schon so viel, dass wir sehr vieles davon eigentlich gar nicht brauchen.

Es gibt mittlerweile sogar Mülltaucher, die versuchen, völlig ohne Geld auszukommen. Sie ernähren sich ausschließlich von dem, was andere wegwerfen würden und helfen zusammen, wenn jemand etwas braucht.

Die meisten Mülltaucher ernähren sich übrigens vegan. Das ist nicht nur gesund, sondern auch notwendig. Denn es wäre zu gefährlich weggeworfene tierische Produkte zu essen. Obst, Gemüse und Co. sind da viel unbedenklicher.

Auf diese Probleme stoßen Mülltaucher

Streng genommen sind die Container und somit auch ihr Inhalt Besitz des Ladenbetreibers. Deshalb darf man laut Gesetz keine Lebensmittel aus den Containern „klauen“. Darum gehen Mülltaucher dann auf die Suche nach Essen, wenn möglichst keiner auf den Straßen unterwegs ist. Denn wenn man erwischt wird, kann’s ganz schön unangenehm werden. Stehen die Container auf dem Gelände des Supermarkts, dann macht man sich nicht nur des Diebstahls strafbar, sondern kann sogar eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch bekommen.

Außerdem übernimmt der Supermarkt natürlich keine Haftung dafür, dass die Lebensmittel in den Containern tatsächlich genießbar sind. Jeder trägt selbst die Verantwortung dafür, was er sich aus dem Container mit nach Hause nimmt und was er lieber liegen lässt. Denn nicht alle Lebensmittel im Container sind völlig unverdorben.

Warum werfen wir so vieles weg?

Auch in Privathaushalten landet meistens mehr in der Tonne, als nötig wäre. Obwohl wir immer versuchen, beim Einkauf zu sparen, werfen wir andererseits ständig Lebensmittel weg. Warum?

Die meisten Menschen sind vom Überangebot in den Supermärkten so überrumpelt, dass sie zu viel einkaufen. Im Einkaufswagen landen dann unter anderem Lebensmittel, die man eigentlich nicht brauchen kann. Damit geht es recht schnell, dass man Zuhause die Übersicht über den Bestand an Nahrungsmitteln verliert. Die Packung Käse im hintersten Winkel des Kühlschranks wird schließlich vergessen, bis sie sich aufgrund unangenehmer Gerüche bemerkbar macht und entsorgt werden muss. In der Zwischenzeit hat ihr Besitzer möglicherweise sogar mehrmals eine neue Packung gekauft, ohne den älteren Käse vorher aufzubrauchen. Situationen wie die eben beschriebene stehen in europäischen Haushalten an der Tagesordnung.

Gibt es Sonderangebote und Rabatte, so neigen wir dazu, lieber ein bisschen mehr mitzunehmen. Kaum einer kann nein sagen, wenn es eine 2+1 gratis Aktion auf einen Artikel gibt. Immerhin ist es gerade so günstig und man weiß ja nie, ob man dieses und jenes nicht doch einmal gebrauchen könnte. Handelt es sich um Drogerieartikel oder andere Nicht-Lebensmittel, dann ist das halb so schlimm. Bei Nahrungsmitteln sollte man sich aber immer fragen: „Werde ich das verbrauchen oder ist es wahrscheinlich, dass es letzten Endes doch in der Tonne landet?“.

Um übermäßiges Einkaufen zu vermeiden, sollte man nie ohne Einkaufsliste in den Supermarkt gehen. Dann hält man sich am besten ganz genau an das, was man sich aufgeschrieben hat. Denn diese Dinge braucht man tatsächlich, während Spontankäufe selten umsonst, jedoch meistens für die Katz‘ sind.

Es fällt leichter, weniger weg zu werfen, wenn man ein paar Kochtricks auf Lager hat. Mama und Oma wissen: Der allseits unbeliebte Reste-Auflauf, ein herzhafter Grenadier-Marsch oder ähnliches schmecken eigentlich sehr gut und helfen, die Ausgaben für Lebensmittel niedriger zu halten.

Mittlerweile gibt es eigene Reste-Kochbücher, in denen man viele dieser Tricks findet. Grundsätzlich ist es hilfreich, ein gewisses Bewusstsein dafür zu entwickeln, dass man die Lebensmittel möglichst rasch verbrauchen sollte, ehe man neuerlich Unmengen davon einkauft und der Rest derweil verschimmelt. Frag‘ dich bei schnell verderblichen Lebensmitteln immer: „Wielange liegt das schon herum? Was könnte ich noch daraus machen?“.

Arbeitsblatt zum Text

1) Erkläre die schwierigen Wörter aus dem Text.

Was bedeutet…

  • Mülltaucher
  • Idealismus

2) Warum werfen wir so viel weg? Erkläre, wie es dazu kommen kann, dass so viele Lebensmittel im Müll landen.

3) Worauf müssen Mülltaucher achten? Welchen Problemen begegnen sie?

Foto: Hill520 / bigstockphoto.com

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Über Luise Veltmann

Luise wohnt mit ihrem Mann, ihrem zweijährigen Sohn Max und bald auch mit Kind Nr. 2 in Lübeck. Wenn Sie neben der Arbeit als Autorin für den Elternkompass die Zeit findet, dann geht Luise ins Fitnessstudio oder zeichnet. Die Zeit ist aber knapp, denn der kleine Max liebt es mit seiner Mama zum Kinderturnen zu gehen und Oma und Opa zu besuchen.

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