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Schütteltrauma: Das Schütteln des Babys ist lebensgefährlich

Ein Schrei tönt durch die Nacht. Ihr wälzt euch im Bett. „Ich bin vorhin schon aufgestanden“, tönt es von der […]

Schütteltrauma:Gefahr für Gesundheit des Babys

Empfindliches Köpfchen: Gerade in den ersten Monaten sollte der Kopf des Babys gut gestützt sein.

Ein Schrei tönt durch die Nacht. Ihr wälzt euch im Bett. „Ich bin vorhin schon aufgestanden“, tönt es von der Seite. Das Schreien wird immer lauter. Das ist schon das dritte Mal heute Nacht, dass das Brüllkonzert losgeht und zudem die vierte schlaflose Nacht in Folge. Die Nerven liegen blank. Jetzt bloß nicht die Kontrolle verlieren.

Augenringe, Anspannung und Aufwachen in der Nacht – Davon kann jede Mutter und jeder Vater ein Lied singen. Situationen, wie die beschriebene, gehören für frischgebackene Eltern zum Alltag. Kein Wunder, dass einem da mal der Kragen platzt. Trotzdem sollte man Frust und Stress niemals am Baby herauslassen – schon das Schütteln des Babys kann zur Lebensgefahr werden.

Viele Eltern unterschätzen, wie gefährlich es ist, ein Baby zu schütteln. Das zeigen die Zahlen. Jedes Jahr werden zwischen 100 und 200 Neugeborene und Kleinkinder mit einem Schütteltrauma ins Krankenhaus gebracht. Weil ihre Eltern für einige Sekunden die Kontrolle über sich verloren haben, tragen sie einen lebenslangen Schaden davon.

Warum ist ein Schütteltrauma so gefährlich?

Säuglinge können ihren Kopf noch nicht mit eigener Kraft halten. Schütteln die Eltern ihr Baby, fliegt der Kopf nach vorne und hinten. Schon bei leichtem, kurzen Schütteln kann es bei den Kleinen deshalb zu schweren Verletzungen im Gehirn kommen. Auch dieses ist bei einem Baby noch sehr zart und empfindlich.

Ärzte sprechen dann von einem Schütteltrauma. Jedes dritte Baby stirbt an solch einem Schütteltrauma. Nur 10 bis 20 Prozent der betroffenen Neugeborenen tragen keine bleibenden Schäden davon. Neben der Lebensgefahr droht ein kurzes Aussetzen der Atmung und das Reißen der Blutgefäße und Nervenbahnen. Viele Kleinkinder, die ein Schütteltrauma erleiden, sind danach ihr Leben lang schwer behindert.

Unwissenheit gefährdet Kinder

Welche Gefahr das Schütteln des Babys mit sich bringt, ist den meisten gar nicht bewusst. Bei einer Umfrage des Nationalen Zentrums Frühe Hilfen im Jahr 2017 glaubten 24 Prozent der Befragten, dass Schütteln dem Baby nicht schade. Das klingt nach einer kleinen Zahl. Wenn man sich jedoch vor Augen ruft, dass es um Leben und Tod geht, ist das eine erschreckend hohe Ziffer.

Informiere deshalb auch Babysitter, Großeltern, Nachbarn und Bekannte über die Folgen eines Schütteltraumas. Sollten du oder andere trotz allen Warnung die Beherrschung verlieren, musst du mit deinem Kind auf jeden Fall sofort ins Krankenhaus fahren! Wenige Minuten können das Leben deines Babys retten.

Folgen eines Schütteltraumas

Säuglinge können ihren Kopf kaum kontrollieren. Das lieht daran, dass sie eine sehr schwache Nackenmuskulatur haben. 50 bis 70 Prozent der Babys, die nicht an dem Schütteltrauma sterben, tragen deshalb schwere Verletzungen mit sich. Besonders empfindlich sind dabei das Gehirn, die Augen, die Schädeldecke, das Atemzentrum und der Subdualraum zwischen den Hirnhäuten. Schlägt das Kind gegen etwas, ist meist die Schädeldecke verletzt. Die Symptome für ein Schütteltrauma sind nicht eindeutig. Es kann zu Müdigkeit und Atemnot kommen.

Im Inneren des Kopfes sind die Schäden dafür umso größer. Das reicht von verletzten Nervenzellen bis hin zu Blutungen im Auge. Meist nehmen zahlreiche Stellen und Strukturen im Kopf Schaden. Bei diesem Verletzungsmuster spricht man auch von dem „Shaken baby“-Syndrom. Am stärksten betroffen davon sind Säuglinge. Das bedeutet jedoch nicht, dass Kleinkinder vom Schütteln keinen schwerwiegenden Schaden davon tragen können.

Diese langfristigen Verletzungen erleiden Babys mit einem Schütteltrauma:

  • schwere körperliche und geistige Beeinträchtigungen
  • teilweise oder völlige Erblindung
  • Entwicklungsstörungen und -verzögerungen
  • Krampfanfälle
  • Sprachstörungen
  • Lernschwierigkeiten

 

Achtung empfindlicher Kopf! Jährlich werden zwischen 100 und 200 Babys mit einem Schütteltrauma ins Krankenhaus gebracht.

Achtung empfindlicher Kopf! Jährlich werden zwischen 100 und 200 Babys mit einem Schütteltrauma ins Krankenhaus gebracht.

So behältst du die Kontrolle bei Schreiattacken – Prävention des Schütteltraumas

Kleine Babys sind ihren Eltern völlig schutzlos ausgeliefert. Sei dir deiner Verantwortung bewusst und verliere niemals die Kontrolle über dich. Jeder hat Verständnis dafür, dass Mütter und Väter schnell genervt, gestresst und angespannt sind. Kein Wunder, wenig Schlaf und der hohe Lautstärkepegel des Schreiens können sehr anstrengend sein. Trotzdem gibt es Möglichkeiten, mit Anspannung und Frust verantwortungsbewusst umzugehen.

Das A und O dabei ist: Lass deinen Ärger nicht vor oder an deinem Baby heraus. Zum einen kann es nichts für das Schreien und seine Schutzlosigkeit. Es ist angewiesen auf deine Hilfe, wie jedes Neugeborene. Zum anderen ist dein Baby sehr empfindlich und leicht verletzbar. Trotz allem kannst du deinem Ärger natürlich Luft machen. Nur eben auf eine andere Weise. So verhältst du dich am besten bei einem nervtötenden Schreikonzert mitten in der Nacht:

Das Baby schreit, die Nerven liegen blank – Und jetzt?

  1. Lass dein Baby für einen Moment Schreihals sein und nehme dir Zeit für dich. Wenn du das Kind bereits auf dem Arm hast und merkst, dass du kurz davor bist die Beherrschung zu verlieren, lege es an einen sicheren Ort. Bring dein Baby beispielsweise zurück in sein Gitterbettchen oder in seine Wiege.
  2. Entkomme dem Schreien und verlasse den Raum.
  3. Nun kannst du deine Wut und Anspannung frei lassen. Brülle, stampfe, lass deine Tränen fließen und mache deinem ganzen Ärger Platz.
  4. Atme jetzt dreimal tief durch. Versichere dir, dass du dein Kind liebst und warum du für es sorgen musst.
  5. Nun kannst du entspannt nach dem Kind schauen.

Hol dir Unterstützung

Lässt sich die Anspannung nicht so schnell vertreiben? Dann kannst du Prozedur mehrfach wiederholen. Verlasse den Raum und schau alle paar Minuten nach deinem Baby. Wenn du merkst, dass gar nichts mehr geht, hol dir auf jeden Fall Unterstützung. Großeltern, Freunde oder auch Babysitter können auch mal nach deinem Kind schauen.

Du musst dich nicht als unfähiges Elternteil fühlen, wenn du dir Unterstützung holst. Eine Woche ohne Schlaf kann niemand gut verkraften. Trau dich ruhig zuzugeben, wenn es dir zu viel ist und du an deine eigenen Grenzen kommst. Ehrlichkeit macht es deinem Umfeld leichter, dir zu helfen. Schließlich wollen gute Freunde und geliebte Familienmitglieder auch nur das Beste für dich und dein Baby.

Wechsle dich mit deinem Partner ab

Sinnvoll ist auch, wenn die Babyschreie zwischen dir und deinem Partner nicht zum Streitthema werden. Schaut, dass ihr euch regelmäßig abwechselt und entlastet. So könnt ihr verhindern, dass einer von euch an seine Grenzen kommt und die Kontrolle verliert. Um dies zu gewährleisten, hilft es, wenn ihr offen und ehrlich über eure Gefühle und Anspannungen sprecht – selbstverständlich ohne dem Anderen dabei einen Vorwurf zu machen.

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Über Wolfang Steinbrecher

Wolfgang wohnt mit seiner Familie seit 7 Jahren in Stuttgart. Der Autor hat bereits viele Erfahrungen im Vatersein gesammelt. Seine Tochter Sarah ist 22 Jahre alt und die Zwillinge Felix und Sophie sind 15. Wenn er nicht gerade Artikel für den Elternkompass schreibt, unternimmt er Fahrradtouren mit seinen Kindern, versucht sie im Monopoly zu schlagen oder liest in seinem blauen Ohrensessel.

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