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Gewalt und Missbrauch

Gewaltgefahr für Kinder in Computerspielen

Schießen, schreddern, rauben und morden: Viele Kids leben ihre Aggressionen in Computerspielen aus. Grundsätzlich ist nichts verkehrt daran, ab und […]

Gewaltgefahr für Kinder in Computerspielen

Gewaltgefahr für Kinder in Computerspielen

Schießen, schreddern, rauben und morden: Viele Kids leben ihre Aggressionen in Computerspielen aus. Grundsätzlich ist nichts verkehrt daran, ab und zu vor dem PC zu sitzen. Wenn man alt genug dafür ist, darf man laut Gesetz auch gewalttätige Spiele „zocken“. Die meisten Kids spielen aber PC-Spiele, für die sie eigentlich viel zu jung sind. Wenn sie nicht gerade selbst am zocken sind, sehen sie anderen Kids beim Spielen zu, die vielleicht sogar schon etwas älter sind und brutalere Spiele zuhause haben.

Bestimmt hast du den einen oder anderen Erwachsenen schon etwas sagen hören wie „So etwas ist nicht gut für dich. Du darfst keine Kriegsspiele und Ego-Shooter haben!“. Damit haben sie nicht ganz unrecht. Denn für junge Kids sind Gewaltspiele aufregender, als sie es wahrhaben wollen. Manche können nachts nicht mehr gut schlafen oder fühlen sich irgendwie reizbar. Sie explodieren, wenn man ihnen nur den kleinsten Anlass dafür gibt. Doch warum wirkt sich Gewalt so negativ auf uns aus?! Wir haben nachgeforscht und herausgefunden, was die Wissenschaft zu dieser Frage sagt.

Warum ist Gewalt so spannend und reizvoll?

Es ist kaum möglich, beim Zappen durch die verschiedenen TV-Sender keine Gewaltszene zu sehen. Egal ob bei Krimiserien, Hollywoodfilmen oder auf Kinderkanälen: Gewalt verkauft sich gut. Das bedeutet aber auch, dass Menschen von Gewalt fasziniert sind und sich gerne gewalttätige Szenen im Fernsehen ansehen. Das gilt natürlich auch für PC und Konsole.

Da stellt sich die Frage, warum wir so etwas Grausames eigentlich spannend finden. Deutsche und US-amerikanische Wissenschafter haben nun folgendes herausgefunden: Nicht alle Zuschauer sehen aus demselben Grund hin, wenn Blut spritzt.

Manche lieben den Nervenkitzel, der damit verbunden ist. Das eigene Adrenalin (das ist ein Stresshormon, das uns aufputscht) schießt in die Höhe, man erlebt einen kleinen Rauschzustand. Weil man gespannt ist, ob die Fernsehhelden brenzlige Situationen überstehen werden, sieht man sich den Film bis zum Ende an.

Doch das ist nicht der einzige Grund, Gewalt ansehen zu wollen. Denn manche Zuschauer haben dabei das Gefühl, Bilder aus der Realität zu sehen, die sie so noch nicht erlebt haben. Denn kaum einer unter uns war bereits Zeuge eines Mordes oder hat einen Menschen sterben sehen. Es liegt in unserer Natur, dass wir mit unserer Neugierde alles Unbekannte erforschen und durchleben möchten. Die Gewalt an sich finden wir also nicht anziehen. Vielmehr geht es um das Drumherum einer Situation, die man selbst noch nicht erlebt hat.

Diese Motivation, Gewalt zu ertragen, trifft aber eher auf Erwachsene zu. Kinder genießen eher die Spannung an sich und sind in Hochstimmung, wenn sie eine spannende Verfolgungsjagd miterleben können.

Diese Spannung steigert sich, wenn man selbst ins Geschehen eingreifen kann. Darum haben Computerspiele für viele Kids eine magische Anziehungskraft.

Darüber hinaus spielen manche Teenager, um „Aggressionen abzubauen“. Wenn ihnen etwas auf die Nerven geht, schießen sie im Egoshooter auf einige Leute, um sich abreagieren zu können. Dass das beim Aggressionsabbau hilft, ist aber ein Trugschluss. Zwar bietet es momentan eine gute Ablenkung, sich in ein Spiel zu vertiefen. Tatsächlich kann es aber sein, dass man vom PC-Spielen auf Dauer noch aggressiver wird. Wenn man sehr viel spielt, wird man sogar recht reizbar und ist schnell genervt. Um ausgeglichener zu werden, gibt es effektivere Methoden, als Ego-Shooter.

Aggressionen ausleben: So macht’s Sinn

Grundsätzlich sollte man sich nur mit Spielen beschäftigen, die von der Altersbeschränkung passend sind. Das alleine reicht meist nicht aus. Deine Eltern können besser einschätzen, als du, ob etwas für dich geeignet ist, oder nicht. Darum sollte man Vereinbarungen mit den Eltern treffen und nur jene Spiele ausprobieren, die sie erlaubt haben.

Neben dem Spielen sollte man aber nicht darauf vergessen, die reale Welt zu erkunden. Es gilt, eine gute Balance zwischen Computerspielen und anderen Aktivitäten zu finden, ohne dass eines das andere ausschließen muss. Denn nicht jeder, der zockt, ist ein Stubenhocker.

Ausdauersport

Die meisten Ausdauersportarten haben einen riesigen Vorteil: Man kann sie ohne großen Zeit- und Geldaufwand betreiben. Eine Anfahrt zum Fitnesscenter ist nicht nötig. Spezielle, teure Ausrüstungsgegenstände sind selten ein Muss.

Du kannst dir jederzeit ein Paar Sportschuhe anziehen und einfach lossprinten, bis du am Ende deiner Kräfte bist. Sich damit richtiggehend auszupowern hilft, angestaute Aggressionen abzubauen. Radfahren, Laufen oder Skaten kannst du ganz einfach, ohne dafür einen Kurs machen oder eine Gruppe finden zu müssen. Probier’s aus und du wirst sehen: Sport lockert nicht nur den Körper, sondern hellt das Gemüt auf.

Trendsportarten und Kampfsport

Wer bereit ist, etwas ganz Neues auszuprobieren, erfährt auch bei diversen Trendsportarten eine ganz besondere Art der Spannung. Anstatt einen Computerhelden über waghalsige Schluchten klettern zu lassen, kann man das eigene Leben zum Abenteuer machen. In den meisten Städten gibt es Anfängerkletterkurse für Kinder. Dabei lernt man, sich gegenseitig zu sichern und diesen Sport verantwortungsbewusst auszuüben. Ein guter Kletterer befindet sich nur selten in gefährlichen Situationen. Außerdem gilt: Du selbst bestimmst, wie weit du gehst und welchen Schwierigkeitsgrad du dir zutraust.

Rafting, Wakeboarden, Tauchen und BMX-Fahren sind nur einige andere Trendsportarten unter hunderten. Diese Hobbys sind zwar nicht ganz billig, machen aber enorm viel Spaß und bringen Abwechslung in den grauen Schulalltag von Kids und Teens.

Neben Trendsportarten gibt es auch viele Kurse für verschiedene Kampfkunst- und Kampfsportarten. Sie werden mittlerweile auch in Form von Kindergruppen angeboten. Die meisten Vereine verlangen einen durchaus leistbaren Beitrag und trainieren regelmäßig.

Eine Alternative dazu ist das Aufhängen eines Boxsackes in der eigenen Wohnung, um sich abreagieren zu können, wenn man – warum auch immer – wieder einmal richtig wütend ist.

Schnitzen, Malen und Co.: Kreatives Gestalten

Es kann sehr befriedigend sein, selbst etwas zu erschaffen. Das muss aber nicht immer in einem Aufbaus- oder Strategiespiel passieren. Unsere Welt hält nahezu unendlich viele Möglichkeiten für uns bereit, sich kreativ in ihr auszutoben.

Aktuell gibt es sehr viele Neuigkeiten in Sachen Basteln für Kinder. So kannst du zum Beispiel tolle Armbänder aus Paracordschnüren herstellen oder lustige Tierchen mit Loomgummis basteln. Es macht Spaß, bunte Bastelartikel zu sammeln und Freunden mit den daraus gebastelten Dingen immer wieder eine Freude zu bereiten.

Werden Zocker irgendwann zu Amokläufern?

In den letzten beiden Jahrzehnten kam es einige Male zu Amokläufen. Das sind schlimme Ereignisse, die sich speziell an Schulen immer wieder ereignen. Man spricht von einem Amoklauf, wenn ein Jugendlicher oder ein Erwachsener viele andere Menschen bedroht oder sogar einige tötet.

Es ist nicht selten, dass behauptet wird, ein Amokläufer habe Gewaltspiele am PC gezockt und sei ein eher einsamer Typ gewesen. Manche Menschen sind sogar der Ansicht, dass Egoshooter und ähnliche Spiele daran Schuld sind, wenn jemand zu einem Amokläufer wird.

Tatsächlich ist es aber so, dass viel mehr dazu gehört, um anderen Menschen das Leben zu nehmen. Vom Computerspielen alleine wird man noch lange nicht zum Amokläufer. Denn normalerweise haben Menschen Hemmungen, andere zu verletzen oder gar zu töten. Das Gefühl, so etwas tun zu müssen, hat oft mit schwerwiegenden, psychischen Erkrankungen zu tun.

Keinesfalls kann man die Schuld aber nur bei den Computerspielen suchen. Allerdings stimmt es, dass Computerspiele mitunter gewaltbereiter machen oder Aggressionen auslösen können. Darum weisen wir dich an dieser Stelle nochmals darauf hin, nur Spiele zu spielen, die in deinem Alter erlaubt sind.

Sobald du dich beim Spielen nicht mehr wohl fühlst oder Szenen siehst, die dich verängstigen, raten wir dir: Lass es lieber sein! Warum solltest du auch etwas spielen, das dir keinen Spaß macht?

Abschließend, lass dir gesagt sein: Computerspielen ist völlig O.K., wenn du dich dabei an die Regeln, Vereinbarungen mit deinen Eltern und Gesetze hinsichtlich Alterseinstufung hältst.

Arbeitsblatt zum Text

1) Erkläre die schwierigen Wörter aus dem Text.
Was bedeutet…

  • Adrenalin
  • Amoklauf

2) Hast du dir gemerkt, warum manche Menschen Gewalt interessant finden? Warum sehen wir uns Gewaltfilme im Fernsehen an?

3) Was kann man tun, um Aggressionen abzubauen? Was tust du normalerweise, wenn du schlecht drauf bist? Male oder schreibe deine eigenen Ideen und Strategien dazu auf.

Foto: Lipik / bigstockphoto.com

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Über Luise Veltmann

Luise wohnt mit ihrem Mann, ihrem zweijährigen Sohn Max und bald auch mit Kind Nr. 2 in Lübeck. Wenn Sie neben der Arbeit als Autorin für den Elternkompass die Zeit findet, dann geht Luise ins Fitnessstudio oder zeichnet. Die Zeit ist aber knapp, denn der kleine Max liebt es mit seiner Mama zum Kinderturnen zu gehen und Oma und Opa zu besuchen.

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