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Kinder im Grundschulalter

Hausaufgaben: Aufgabe der Eltern oder Aufgabe der Kinder?

Gerade weil die Klassen von heute eigentlich zwei bis drei Lehrer bräuchten, sind viele Eltern unsicher. Auch die Position des […]

Hausaufgaben: Aufgabe der Eltern oder Aufgabe der Kinder?

Gerade weil die Klassen von heute eigentlich zwei bis drei Lehrer bräuchten, sind viele Eltern unsicher. Auch die Position des Berufsbildes Lehrer in den Medien ist längst nicht mehr die beste. So sind Eltern unsicher,…

…was die allgemeine Kompetenz und Fähigkeit des Lehrers betrifft.

…inwiefern sie als Erziehungsberechtigte besser wissen, welche Erziehung und Bildung ihr Kind braucht.

…ob sie wirklich darauf verzichten sollen, die Hausaufgaben des Kindes zu machen, wenn andere Eltern das doch auch tun.

…ob moderne Unterrichtsmethoden und didaktische Prinzipien wirklich eine Weiterentwicklung oder doch eher einen Rückschritt darstellen. („Damals mussten wir in Mathe noch das Einmaleins auswendig lernen! Heute wird es den Kindern viel leichter gemacht.“)

Unter anderem diese Gedankengänge bringen die Eltern in eine schwierige Lage. Diese Situation kann auch der vorliegende Artikel nicht verändern. Er kann lediglich unterstreichen, welche Handlungsweisen aus pädagogischer Sicht Sinn ergeben und worauf man als Elternteil lieber verzichten sollte.

Hausaufgaben sind für viele Eltern ein Reizthema geworden. Wenn ich an so manches moderne Schulbuch denke, ist das auch nicht weiter verwunderlich. So kindgerecht und didaktisch korrekt das aktuelle Material auch ist, immer wieder zeichnen sich große Fragezeichen in den Augen der Kinder ab, wenn sie die Aufgaben in jenen Büchern alleine erledigen sollen.

Besonders in der ersten Grundschulstufe vergessen Kinder bis zum Nachmittag häufig, was sie eigentlich mit der gestellten Aufgabe anstellen sollen. Das ist dann ein Problem, wenn die Kids noch nicht lesen gelernt haben und von sich aus wissen müssen, was mit der aufgemalten Schale Äpfel und Birnen anzustellen ist.

Hier kommen die Eltern ins Spiel, die ihre Grundfertigkeiten vielfach anhand völlig anderer Methoden erlernt haben. Es ist also ganz natürlich, dass man als Elternteil selbst im Mathematikbuch eines Erstklässlers keinen Durchblick hat.

Weil sich das Kind in so einer Situation nun einmal kaum selbst helfen kann, stellt sich die Frage:

Sollen Eltern bei den Hausaufgaben helfen?

Prinzipiell ist die Aufgabe vom Lehrer so zu stellen, dass sie vom Kind ohne fremde Hilfe – und zwar innerhalb von 30 bis 50 Minuten – erledigt werden kann.

Die Hausaufgabe ist KEINE zusätzliche Lernstunde am Nachmittag, in der das Kind sein Lernen ohne Lehrer fortsetzt. Tatsächlich hat sie nämlich einen ganz anderen Stellenwert. Sie soll das Kind fordern, indem es das in der Schule erlernte ohne Hilfestellung anwendet. Darüber hinaus dient sie dem Lehrer als Rückmeldung über den Kenntnisstand der Kids. In Mathematik kommt es häufig zu Missverständnissen zwischen Lehrer und Schüler, sodass die Kids eine Rechenregel falsch anwenden. Anhand der Hausaufgabe kann das geschulte Lehrerauge nachvollziehen, was in den Köpfern der Kinder vorgeht und ob sie den Lernstoff auch richtig verstanden, die Logik hinter der Mathematik erfasst haben.

In der Grundschule und auch später brauchen Kids ab und zu einen Denkanstoß, um den richtigen Weg zur Lösung eines Problems zu finden. Grundsätzlich sollten jene Hinweise aber wirklich nur zum Denken anregen und die Lösung der Aufgabe dem Kind selbst überlassen.

Im Hort und der Nachmittagsbetreuung stehen den Kindern geschulte Pädagogen zur Seite, die im Idealfall genau das tun. Nämlich die Kids zu motivieren, indem sie ihnen ab und zu auf die Sprünge helfen, wenn’s alleine nicht mehr geht.

Eltern sind da ganz anders. Sie wünschen sich von Herzen, dass ihr Kind die Aufgabe lösen kann. Es soll alles verstehen und alles können. Im besten Fall bringt es bis zum Uni-Abschluss ausschließlich Arbeiten mit der Beurteilung „Sehr gut“ nach Hause. Finden Sie diese Aussage überspitzt ausgedrückt? Mal ehrlich: Wer von uns wünscht sich nicht, dass das eigene Kind auf Anhieb problemlos lernt? Das ist nur natürlich. Mit diesem persönlichen Hintergrund neigt man dazu, ein Stückchen zu weit in den Lernprozess des Kindes einzugreifen. So kommt es dazu, dass Aufsätze von Eltern völlig überarbeitet und letzten Endes neu verfasst werden. Zwar tarnt man dieses Vorgehen geschickt (unterbewusst), indem man dem Kind erklärt, was es tun soll oder mit Notizen auf der Aufgabe vermerkt. Trotzdem bewirkt dieses Eingreifen genau das Gegenteil dessen, was man damit eigentlich erreichen möchte.

Die Kinder bekommen dann keine Chance, Unverstandenes noch einmal mit dem Lehrer zu behandeln. Wie auch? Immerhin hat der moderne Lehrer in der heutigen Unterrichtsrealität keine Zeit, sich jenen zu widmen, die scheinbar verstanden haben, worum’s geht.

Geben Sie Ihrem Kind eine Chance, selbständig zu lernen

In der Grund- und Sekundärstufe ist es üblich, dass Lehrer (anhand der kontrollierten Hausaufgaben) jene Punkte noch einmal mit der Klasse durchgehen, die vielfach miss- oder schlichtweg nicht verstanden wurden. Herrschen in einem Bereich vermehrt Unklarheiten, so widmet er sich dem betreffenden Thema noch einmal. Gemeinsam wird dann, zum Beispiel an der Tafel, intensiv geübt, sodass die Aufgaben beim nächsten Mal auch im Alleingang richtig gelöst werden können. Einzelfälle werden mit den jeweiligen Kids selbst besprochen, während die übrige Klasse sich in Schulaufgaben vertieft. So läuft die Standard-Übungsstunde Mathematik in der Grundschule in der Regel ab. Bestimmt war das auch in Ihrer Schulzeit kaum anders.

Das Problem ist, dass sich Eltern (besonders Mütter) normalerweise miteinander kurzschließen, wenn eine Hausaufgabe Schwierigkeiten bereitet. Bis zu einem gewissen Grad ist das auch in Ordnung. Fühlen sich Eltern dann aber genötigt, in das eigenständige Üben des Kindes einzugreifen, weil andere das auch tun, wird es problematisch. An dieser Stelle möchte ich ganz klar empfehlen: Geben Sie Ihrem Kind eine Chance, selbständig zu lernen. Und zwar auch dann, wenn Sie damit alleine dastehen, weil die meisten Eltern das ganz anders sehen. Es ist ohnehin nicht schwierig, irgendwann in eine Außenseiterposition gedrängt zu werden, weil man hier oder dort in Erziehungsbelangen anderer Meinung ist, als der Rest. Also kann man von Anfang an getrost darauf verzichten, sich dem oft unterschätzten Gruppendruck der übrigen Eltern auszusetzen.

Dabei möchte ich nochmals unterstreichen: Beginnt ein Kind Zeichen von Frustration zu zeigen, weil es nicht mehr weiter kommt, dann geben Sie ihm kurze, knackige Tipps, mit deren Hilfe es wieder vorangehen kann. Solche Hinweise auf Dinge, die das Kind eigentlich ohnehin weiß, aber gerade nicht abrufen kann, sind erlaubt und erwünscht.

Foto: Rido81 / bigstockphoto.com

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Über Luise Veltmann

Luise wohnt mit ihrem Mann, ihrem zweijährigen Sohn Max und bald auch mit Kind Nr. 2 in Lübeck. Wenn Sie neben der Arbeit als Autorin für den Elternkompass die Zeit findet, dann geht Luise ins Fitnessstudio oder zeichnet. Die Zeit ist aber knapp, denn der kleine Max liebt es mit seiner Mama zum Kinderturnen zu gehen und Oma und Opa zu besuchen.

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