×
Familie & Erziehung

Hausmann: Vater in Elternzeit

Das klassische Rollenbild: Der Vater bringt das Geld nach Hause und ernährt die Familie. Die Mutter steht vorm Herd und […]

Hausmann: Vater in Elternzeit

Hausmann: Vater in Elternzeit

Das klassische Rollenbild: Der Vater bringt das Geld nach Hause und ernährt die Familie. Die Mutter steht vorm Herd und widmet sich der Kindererziehung. Veraltet und überholt? Auf jeden Fall. Dass Kindererziehung Aufgabe beider Elternteile ist, steht schon lange außer Frage. Trotzdem gibt es erst seit 2007 für Väter die Möglichkeit, auch Elternzeit in Anspruch zu nehmen. Im zweiten Quartal von 2015 waren es immerhin 97.000 Männer, die in Vaterzeit gingen. Neben denen stehen aber immer noch die 40 % der Männer Deutschlands, die zugeben: „Gerne würde ich mir eine Auszeit für Familie und Kind nehmen, aber ich traue mich nicht, das vor meinen Arbeitskollegen und meinem Chef zuzugeben.“ Wir wollen euch Mut machen, die vom Staat geförderte Auszeit in Anspruch zu nehmen!

Die Angst vor der Reaktion des Vorgesetzten ist häufig unbegründet. Viele Chefs werten den Antrag des Mannes auf Elternzeit als hohe soziale Kompetenz und schreiben ihm eine gute Work-Life-Balance zu. Natürlich gibt es auch noch die konservativen, frauenfeindlichen Bürotiere, doch die Elternzeit ist euer gutes Recht und ihr könnt dazu beitragen, diese Normalität werden zu lassen.

In der Vaterzeit könnt ihr schon früh eine enge Bindung zu eurem Kind aufbauen, eure Frau entlasten und stärkt dadurch auch eure Beziehung. Natürlich bringt euch die Elternzeit zudem persönlich weiter und hilft euch, eure Vaterrolle einzunehmen. Hinzu kommt der finanzielle Vorteil, dass ihr zwei Monate länger Elterngeld beziehen könnt. Wir informieren euch hier über alles rund um Elternzeit und Elterngeld als Vater und zeigen euch die Vorteile auf! Lasst euch nicht von Formalitäten abschrecken, sondern genießt die Zeit, die euch mit eurem Kind geboten wird!

Anspruch auf Elternzeit: Das musst du wissen!

Wer?

Die leiblichen Elternteile haben beide Anspruch auf Elternzeit und können sich diese aufteilen. Dasselbe gilt natürlich auch für Adoptiveltern. Mit Einverständnis des Partners darf auch für Kinder des Lebensgefährten Elternzeit in Anspruch genommen werden.

Wie lange?

Gemeinsam haben beide Elternteile Anspruch auf höchstens drei Jahre Elternzeit. Diese können sie untereinander aufteilen. Natürlich dürfen sich Ihre Elternzeitmonate auch überlappen. Dies kann eine schöne Möglichkeit sein, mehr Zeit als Familie zu bringen. Väter haben deshalb schon direkt nach der Geburt die Möglichkeit, in Elternzeit zu gehen. Zu dieser Zeit wird bei der Frau der Mutterschutz in die Elternzeit miteinberechnet. Mindestens müssen zwei Monate Elternzeit in Anspruch genommen werden: Heißt, nur einen Monat freizunehmen, ist nicht möglich.

Die drei Jahre Elternzeit dürfen in drei Zeitetappen gegliedert werden. Geht nur die Mutter in Elternzeit, reicht diese im Normalfall bis zum dritten Geburtstag des Kindes. Es gibt aber auch die Möglichkeit, das Vater oder Mutter Teile ihrer Elternzeit zwischen dem dritten und dem achten Lebensjahr des Kindes in Anspruch nehmen. Vorraussetzung dafür ist jedoch, dass mindestens 12 Monate Elternzeit vor dem dritten Lebensjahr des Kindes bezogen wurden.

Was?

Was genau bedeutet „Elternzeit nehmen“ eigentlich? Es ist ein Anspruch des Arbeitsnehmers oder der Arbeitnehmerin gegenüber dem Arbeitgeber. Vater und Mutter dürfen sich für die Erziehung und Betreuung ihres Kindes Zeit nehmen, währenddessen bleibt aber ihr Arbeitsverhältnis bestehen. Wenn die Elternzeit beendet wird, besteht der Anspruch darauf wieder in dasselbe Arbeitsverhältnis einzusteigen. Ab Anmeldung der Elternzeit beginnt deshalb auch der Kündigungsschutz.

Darf ich noch arbeiten?

Während der Elternzeit darf nicht mehr als 30 Wochenstunden gearbeitet werden. Auch wer mehrere Jobs hat oder selbstständig ist, muss in der Summe auf 30 Wochenstunden kommen. Dies wird streng kontrolliert und kann bei Nichteinhaltung zur Streichung oder Verkürzung der Elternzeit und des Elterngeldes führen. Vom Staat werden in der Regel nur 14 Monate finanziell unterstützt. Zur Finanzierung findest du mehr Informationen unter dem Punkt Elterngeld.

Wann muss ich den Antrag stellen?

Der Antrag auf Elternzeit muss spätestens 7 Wochen vor Beginn und darf höchstens 8 Wochen vor Beginn gestellt haben. Du hast also ein Zeitfenster von einer Woche. Du solltest deshalb mit deinem Partner schon frühzeitig während der Schwangerschaft darüber sprechen, wie ihr die Elternzeit am besten aufteilt. Die Beantragung des Elterngelds ist unabhängig davon, denn dieses kann erst ab der Geburt beantragt werden.

Darf mein Arbeitgeber mir die Elternzeit verbieten?

Dein Arbeitgeber darf den Antrag auf Elternzeit nicht ablehnen, so ist es im sogenannten Elterngeld- und Elternzeitgesetz (BEEG) festgelegt. Allerdings kann der Antrag auf den dritten Zeitabschnitt zwischen dem dritten und achten Lebensjahr des Kindes aus dringenden betrieblichen Gründen abgelehnt werden. Dieser muss jedoch auch schon 13 Wochen vor Beginn gestellt werden.

Anspruch auf Elterngeld: Das musst du wissen!

Was?

Während der Elternzeit erhälst du kein Einkommen. Damit du trotzdem finanziell abgesichert bist, hast du Anspruch auf Elterngeld. Du erhälst dein Geld in dieser Zeit eben nicht vom Arbeitgeber, sondern vom Staat. Das Elterngeld ist also eine Einkommensersatzleistung und gleichzeitig eine Sozialleistung.

Wie viel?

Die Höhe des Elterngeldes hängt von deinem Einkommen vor der Geburt ab. Du bekommst nicht dein ganzes Einkommen, sondern ungefähr 65 %. Studenten, Schüler oder Auszubildende gehen aber auch nicht leer aus: Jeder bekommt nämlich unabhängig vom Einkommen mindestens 300 Euro monatlich. Das Elterngeld wird nicht versteuert.

Wie lange?

Gemeinsam haben beide Elternteile Anrecht auf 14 Monate Elterngeld. Genauso wie bei der Elternzeit können Vater und Mutter sich diese also aufteilen. Auch hier gilt, man muss mindestens zwei Monate beantragen. Ein einzelnes Elternteil darf jedoch auch nur höchstens 12 Monate Elterngeld beziehen. Das heißt im Umkehrschluss, dass wenn beide Elternteile in Elternzeit gehen, sie auch vom Staat mehr finanzielle Unterstützung erhalten. Diese seit 2015 aktive Regelung soll dazu beitragen, dass mehr Väter die Elternzeit in Anspruch nehmen.

Alleinerziehende, also Väter oder Mütter, die das alleinige Sorgerecht haben, dürfen natürlich 14 Monate Elterngeld beziehen.

Wann muss ich den Antrag stellen?

Das Elterngeld kann erst ab der Geburt beantragt werden, da es hierfür der Geburtsurkunde bedarf. Die Verteilung dieser Sozialleistung ist Landessache. Wendet euch deshalb an die zuständige Landesbehörde.

Zuschläge und Besonderheiten

Bei mehreren Kindern erhalten die Eltern selbstverständlich mehr Geld. So kann man neben dem Geschwisterzuschlag auch den Mehrlingszuschlag beantragen.

ElterngeldPlus und Partnerschaftsbonus

Beruf und Familie vereinbaren als Vater? Das soll jetzt durch das ElterngeldPlus und den Partnerschaftsbonus, die 2015 eingeführt wurden, unterstützt werden. Das Elterngeld kann neuerdings nämlich doppelt so lange ausgezahlt werden, dafür aber jeweils nur zur Hälfte. Das heißt: Der Betrag eines Elterngeldmonats entspricht zwei Elterngeldplus-Monaten. Sinn und Zweck der Sache ist, dass das Budget besser ausgeschöpft werden kann.

Bei Vätern ist vor allem der Partnerschaftsbonus belegt. Dieser gesteht den Eltern vier zusätzliche ElterngeldPlus-Monate zu, wenn beide Partner in dieser Zeit zusätzlich 25 bis 30 Wochenstunden arbeiten. Dies stärkt eine gemeinsame Kinderbetreuung und ein partnerschaftliches Zeitarrangment. Auch getrennte Paare, die gemeinsam Teilzeit arbeiten, können den Partnerschaftsbonus beziehen.

Warum solltest du als Vater Elternzeit nehmen?

Viele Väter haben Angst ihre Karriere zu vernachlässigen oder am Arbeitsplatz als schwächlicher Hausmann angesehen zu werden. In unserem Zeitalter der Gleichberechtigung und Emanzipation sollte das eigentlich kein Thema mehr sein, doch die Theorie stellt die Praxis ja meist hinten an. Viele Väter gehen den ersten Schritt, indem sie sich für das Minimum, die zwei Monate Elternzeit, entscheiden. So ist die Karriere nicht in Gefahr und trotzdem kann etwas freie Zeit mit dem Kind genutzt werden. Den Anspruch auf die Elternzeit sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen, denn diese bietet viele Vorteile…

Engere Bindung zum Kind

Gerade in der frühkindlichen Phase wird das Kind sehr stark von seiner Umgebung geprägt und beeinflusst. Zudem benötigt es viel Liebe und Zuneigung. Eine innige Bindung zur Mutter ist meist allein schon körperlich gegeben: Das Baby kommt aus dem Bauch der Frau und wird nun von ihr gestillt. Väter haben es auf Grund dessen in den ersten Monaten häufig schwerer eine ähnlich emotionale Beziehung zu dem Kind aufzubauen. Ist das Kind den ganzen Tag mit der Mutter Zuhause und der Vater kommt abends erst von der Arbeit wieder, wird dies natürlich nicht gerade unterstützt.

Die Elternzeit ist deswegen eine perfekte Möglichkeit eine enge emotionale Bindung zum eigenen Kind aufzubauen und ist somit auch für dich persönlich ein Gewinn. Du kannst mehr Zeit mit deinem Kind verbringen und hast nicht das Gefühl es durch die Arbeit immer zu wenig zu sehen und zu vernachlässigen. So eine Chance bietet sich dir nie wieder, also genieße die freien Monate mit deinem Neugeborenen!

Entlastung der Mutter

Nach schlaflosen Nächten und Tagen bestehend aus vollen Windeln, Kindertränen und Stillen ist die Mutter auch mal froh sich ausruhen zu können. Eine zweite Hand mit dem Kind und im Haushalt können für sie also eine echte Hilfe sein. Viele Väter nehmen sich deswegen auch in den ersten Monaten nach der Geburt die Elternzeit und unterstützen ihre Frau. Ein weiterer Vorteil dabei ist, dass ihr euch von Anfang an damit arrangiert, das Kind gemeinschaftlich zu erziehen. Ihr steht euch dann als gleichwertige Erziehungsorgane gegenüber. So wird eure Fähigkeit als Eltern gestärkt und ihr lernt, als Paar besser zusammenzuarbeiten.

Eine weitere beliebte Zeitspanne für die Elternzeit als Vater ist das Ende der Mutterelternzeit. So kannst du deine Frau insofern unerstützen, dass sie sich leichter wieder ins Berufsleben einfinden kann. Sie muss dann nicht Job und Familie gleichzeitig managen, sondern kann sich in Ruhe wieder an die Arbeit gewöhnen.

Beziehung zu deiner Frau wird gestärkt

Nach der Geburt kommt es häufig zu Beziehungsproblemen. Der Vater kann nicht nachvollziehen, warum seine Frau abends völlig am Ende ist und sich statt Sex oft nur nach emotionaler Nähe oder sogar nur Ruhe sehnt. Häufig kommt es zu Konflikten, weil die Partnerin sich nicht richtig verstanden fühlt. Mehr zu den Ursachen solcher Beziehungsprobleme nach der Geburt, findest du hier!

Durch die Elternzeit kann der Mann mehr Verständnis für seine Partnerin aufbringen. Er versteht, wie anstrengend die Betreuung und Erziehung eines Kindes sein kann. Zudem könne sich die beiden Elternteile viel besser über die Entwicklung des Kindes austauschen. Es ist eben etwas anderes ein Baby Tag und Nacht zu versorgen und gemeinsam bei seinen Schreien aufzustehen, als den kleinen Racker nur einmal abends beim Essen zu erleben. Durch diese gemeinsame Erfahrung wird die Beziehung zu deiner Frau gestärkt und das Kind entfernt euch nicht voneinander, sondern schweist euch sogar noch enger zusammen.

Finanzielle Vorteile

Neben den emotionalen und persönlichen Vorteilen bringt die Elternzeit auch dem Geldbeutel Positives. Zum einen könnt ihr zwei Monate länger Elterngeld beziehen, zum anderen unterliegst du während der freien Zeit dem Kündigungsschutz und bist deshalb finanziell abgesichert. Außerdem leidet die Karriere deiner Frau nicht vollkommen unter dem Baby. Gerade wenn sie besser verdient als du, ist es sinnvoll die Elternzeit aufzuteilen. So steigt deine Frau nicht völlig aus dem Berufsleben aus. Sie kann entweder schnell wieder in ihren Job einsteigen oder falls ihr beide gleichzeitig Elternzeit bezieht, bereits beginnen Teilzeit zu arbeiten.

Natürlich kannst auch du derjenige sein, der Teilzeit arbeitet. Falls du bei deinem Unternehmen unabdingbar bist, bieten die 30 Wochenstunden eine gute Möglichkeit, Familie und Job unter einen Hut zu bringen. So habt ihr neben dem Elterngeld auch noch eine zusätzliche Einnahmequelle.

Abrechnen mit alten Rollenbildern: Vaterschaftszeit führt zu gemeinsamer Erziehung

Die Zeit, in der die Frau in die Küche und der Mann an den Schreibtisch gehört, ist längst vorbei. Frauen dominieren die Arbeitswelt und Männer identifizieren sich zunehmend mit ihrer Vaterrolle. Gerade das ´Gemeinsam´, das gemeinsam Erziehen, gemeinsam Verdienen, gemeinsam Kochen, bieten Frau und Mann die Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln und zu bereichern. Die Elternzeit als Vater unterstützt die gleichberechtigte Erziehung, stärkt die Bindung zwischen Kind und Vater und fördert eine gesunde Beziehung.

Zum Glück nehmen immer mehr Männer die Vaterzeit in Anspruch. Natürlich wirst du irgendwo immer dumme Kommentare abbekommen, sei es der konservative Chef, der grummelige Nachbar oder die traditiosbewusste Mutter. Hier solltest du dich aber nicht schämen oder ´unmännlich´ fühlen, sondern stolz darauf sein, dass du und deine Frau gemeinsam für die Erziehung und Betreuung eures Kindes sorgen. Trau dich also ruhig über deinen Wunsch, die Vaterzeit in Anspruch zu nehmen, zu sprechen. Den meisten Kollegen an deinem Arbeitsplatz geht es wahrscheinlich genauso, denn schließlich hat jeder gerne Zeit für seine Familie.

><noscript><img src=

Bewertung:
Bewertungen: 1 Ihre Bewertung: {{rating}}

Über Susanne Baumann

Die agile Mama von zwei Kindern ist unser neustes Teammitglied und haut ordentlich in die Tasten. Sie liebt es draußen aktiv zu sein und Zeit in ihrem Garten zu verbringen oder mit ihren Söhnen Tim (13) und Elias (11) Tennis spielen zu gehen.

Alle Beiträge anzeigen

Newsletter

Für jede Schwangerschaftswoche die passenden Informationen
kostenlos in Ihren Posteingang!