Ischiasschmerzen in der Schwangerschaft: Das sind die Ursachen

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Woher kommen Ischiasschmerzen? Peinvolle Schmerzen in der Kniekehle. Ist ein Nerv eingeklemmt? Ist das der Ischiasnerv? Der Ischias ist der längste und dickste Nerv. Sein schmerzhafter Einflussbereich ist dementsprechend groß.

Erste Hilfe gegen die akuten Schmerzen. Kannst Du selbst etwas dagegen unternehmen oder musst Du zum Arzt?

Der Ischias und sein Einflussbereich

Ischiasschmerzen sind recht häufig. Das ist kein Wunder, er ist der dickste und längste Nerv des Menschen. Der Ischiasnerv (Nervus ischiadicus) hat einen Durchmesser von gut einen Zentimeter und zieht sich fast durch die ganze untere Körperhälfte.

Der Verlauf des Ischiasnerv

Der Sitzbeinnerv oder Hüftnerv, wie er auch genannt wird, tritt aus dem Rückenmark durch die Wirbel der unteren Lendenwirbelsäule (LW 4) und des Kreuzbeins (KW 2) hervor. Er entspringt dort beidseitig aus einem Nervenwurzelgeflecht, dem Lenden-Kreuzbeingeflecht.

Von dort zieht der Ischiasnerv durch das Gesäß, hinten am Oberschenkel längs, bis zur Kniekehle. Hier teilt er sich in einen Schienbeinnerv und Wadenbeinnerv. Beide verlaufen, vorn und hinten längs, bis in den Fuß hinein.

Die Aufgaben des Ischiasnerv

Der Ischiasnerv setzt sich aus motorischen und sensiblen Nervenfasern zusammen. Er gibt Befehle aus der Zentrale an die Muskeln in seinem Einflussbereich weiter. Ebenso meldet er dem Gehirn, wenn es dort irgendwo kalt wird oder wehtut. Sein Versorgungsgebiet erstreckt sich vom Gesäß über die Ober- und Unterschenkel bis in die Füße hinein.

Ischiasschmerzen, Symptome und mögliche Ursachen

Nicht immer sind Schmerzen im unteren Rücken oder in den Beinen Ischiasschmerzen. Nachfolgend ein kleiner Überblick, wie sich Symptome bei einem gereizten Ischias häufig zeigen.

Das Schmerzempfinden sowie die Schmerzausstrahlungen können individuell sehr stark voneinander abweichen. Auch die verschiedenen Ursachen haben einen Einfluss darauf, wie sich Ischiasschmerzen letztendlich auswirken.

So machen sich Ischiasschmerzen bemerkbar

Der Schmerz kann plötzlich einschießen. Etwas seltener entwickelt er sich im Verlauf einiger Tage. Ist der Rücken beteiligt, wird dort meistens ein starker plötzlicher Schmerz verspürt. Die Schmerzen werden als stechend und ziehend beschrieben.

Ein wichtiger Hinweis auf den Ischias ist eine einseitige Ausstrahlung der Schmerzen in die Kniekehle, ins Bein oder Gesäß hinein.

Weitere häufige Symptome von Ischiasschmerzen:

  • Missempfindungen (Taubheitsgefühl, Ameisenlaufen)
  • Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule, die sich bei längerem Sitzen verschlimmern
  • Ziehende Schmerzen im hinteren Oberschenkel, die sich bei längerem Liegen verschlimmern
  • Punktueller Schmerz im Gesäß (u. U. mit einer tastbaren, knotigen Verhärtung)
  • Schmerzen im Bein
  • Punktuelle Schmerzen in der Kniekehle
  • Schmerzen lassen insgesamt bei Bewegung etwas nach
  • Schmerzen verschlimmern sich bei zu starker und einseitiger Belastung
  • Pressen, husten, niesen verschlimmern den Schmerz
  • Akutes Auftreten der Schmerzen häufiger als schleichendes
  • Bewegungseinschränkung, Schonhaltung
  • Verspannungsschmerzen an anderen Stellen, durch Schonhaltung

Manchmal werden Ischiasschmerzen mit einem Hexenschuss (Lumbalgie, Lumbago) verwechselt. Der Unterschied liegt in der Beteiligung des Ischias, der für die Ausstrahlung der Schmerzen verantwortlich ist. Geht die Reizung des Nervs von der Wirbelsäule aus, spricht man von einer Lumboischialgie.

Ein kurzer Test kann Dir zeigen, ob tatsächlich der Ischiasnerv Deine Schmerzen verursacht. Das ist der Lasègue-Test. Allerdings zeigt sich der Test lediglich bei einer Reizung des Ischias an der Nervenwurzel positiv. Er zeigt Dir an, ob der Ischiasnerv an den Rückenschmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule beteiligt ist.

Lege Dich gerade ausgestreckt auf den Rücken. Nun lass Dir von einer anderen Person ein Bein gestreckt nach oben anheben. Kommt es bei ungefähr 45 Grad zu Schmerzen im Gesäß oder im Bein, ist der Nerv eingeklemmt. Ein typischer Fall von Ischiasschmerzen.

Die Ursachen sorgen für Ischiasschmerzen

Im Grunde spricht man von Ischiasschmerzen (Ischialgie oder neuropathische Schmerzen des Ischias), sobald die Schmerzen von einer Reizung oder Schädigung des Ischias ausgehen. Die Reizungen oder motorischen Störungen können sich im gesamten Einflussbereich dieses großen Nervs bemerkbar machen.

Die häufigste Ursache liegt in einer Kompression oder Schädigung im Wirbelsäulenbereich. Dann ist korrekterweise von einer Lumboischialgie die Rede. Als Ursachen sind eine Bandscheibenvorwölbung oder ein Bandscheibenvorfall möglich.

Muskelverspannungen im gesamten Bereich des Ischias können Druck auf den Nerv ausüben und Schmerzen verursachen. Zum Beispiel das Piriformis-Syndrom. Der Verursacher ist der Piriformis Muskel, ein kleiner, innen liegender Hüftmuskel.

Eine Verletzung oder Verhärtung durch Sport oder Fehlbelastungen führt zu einer Kompression des Ischiasnervs im Übergangsbereich vom Becken zum Bein. Besonders häufig passiert dies Läufern oder bei Kraftsportarten. Ganz unsportlich kann dieser Muskel zum Beispiel durch ein dickes Portemonnaie in der Gesäßtasche beschädigt werden.

Weitere Ursachen für Ischasschmerzen:

  • Verletzungen eines Wirbelkörpers
  • Degenerative Veränderungen der Wirbelsäule (Osteochondrose, Spondylose)
  • Entzündliche, rheumatische Erkrankungen
  • Abszesse, Tumore, Hämatome
  • Muskelverspannungen, Muskelverhärtungen

Warum ausgerechnet in der Schwangerschaft Ischiasschmerzen?

Die gute Nachricht zuerst, weniger als ein Prozent der Schwangeren leiden an einer echten Ischialgie. Dennoch klagt fast jede zweite Frau in der Schwangerschaft über tief sitzende Rückenschmerzen, teilweise mit Ausstrahlungen ins Gesäß oder ins Bein.

Am häufigsten treten die Ischiasreizungen im letzten Drittel der Schwangerschaft auf. Woher kommt das? In der Medizin mag man sich noch nicht festlegen, warum das so ist.

Für Ischiasschmerzen in der Schwangerschaft wird gleich ein Bündel von möglichen Ursachen vermutet.

Gewichtszunahme

Die Gewichtszunahme in der Schwangerschaft verlagert den Körperschwerpunkt. Dadurch wird der untere Teil der Wirbelsäule stärker als sonst belastet. Auch der Gesäßmuskel wird von der ungewohnten Verlagerung besonders beansprucht.

Muskeln in diesen Bereichen Verspannen sich daher häufig. Es kommt zu Verspannungsschmerzen. Manchmal drücken dauerhaft verkürzte Muskelfasern auf Teile des Ischiasnervs. Dann kommt es zu Ischiasschmerzen.

Hormonstatus

Die hormonelle Veränderung in der Schwangerschaft sorgt dafür, dass sich die Bänderstrukturen im unteren Rumpfbereich weicher werden. So bekommt das ungeborene Kind genügend Raum zum Wachsen.

Auch für die Geburt sind dehnbare, lockere Strukturen der Bänder und des Gewebes notwendig. Dieser Bereich wird automatisch instabiler. Es kann zu leichten Verschiebungen der Knochen und Gelenke kommen. Die Muskeln gleichen das aus. Dabei entstehen hin und wieder reflektorische Muskelverspannungen.

Venenstauung

Bekannt ist in diesem Zusammenhang das Vena-cava-Kompressionssyndrom. So wird ein plötzlicher Abfall des Blutdrucks durch den Druck des heranwachsenden Kindes auf die untere Hohlvene genannt.

Das kann in der Rückenlage, besonders in den letzten Wochen der Schwangerschaft, vorkommen. Die Hohlvene wird gedrückt. Das Blut staut sich zurück und übt dadurch im kleinen Becken Druck auf den Ischiasnerv aus.

Gebärmutter

Ebenfalls in der fortgeschrittenen Schwangerschaft drückt die Gebärmutter auf das umliegende Gewebe. Das kann an einigen Stellen den Ischiasnerv reizen.

Geburt

Besonders gegen Ende der Schwangerschaft und bei der Geburt kann hin und wieder der Ischiasnerv gereizt werden. In der Ausgangslage für die Geburt drückt der Kopf des Kindes dann auf den Ischiasnerv.

In all diesen Fällen kann es durch die ständige Reizung zu einer Entzündung des Ischiasnervs kommen. Dies führt dann zu längeren Schmerzperioden. Im Gegensatz zu einem kurzfristigen Druck durch Gewicht oder Verspannungen.

Mittel, Maßnahmen und Methoden, um die Ischiasschmerzen zu besänftigen

Ischiasschmerzen in der Schwangerschaft sind in den meisten Fällen vorübergehender Natur. Dennoch, wenn sie auftreten, ist der Schmerz oft groß und mit erheblichen Einschränkungen verbunden.

Zuerst musst Du klären, gegebenenfalls mit einem Arztbesuch, dass es tatsächlich nur vorübergehende Ischiasschmerzen aufgrund der Schwangerschaft sind. Ernsthafte Schäden an der Wirbelsäule sollten ausgeschlossen werden.

Soforthilfe

Wenn Verspannungen eines Muskels oder der Druck durch das heranwachsende Kind auf den Ischias die Ursachen der Ischiasschmerzen sind, helfen Verlagerungen oder Dehnübungen.

Gegen anhaltende Schmerzen sind Bewegung und Wärme die effektivsten Maßnahmen. Die erste Entlastung kann eine Stufenbettlagerung bringen. In der Rückenlage werden die Beine mit einem 90 Grad Winkel in den Knien hochgelagert.

  • Bei Druck auf die untere Hohlvene: Verlagerung des Gewichts. Zum Beispiel von der Rücken- in die Seitenlage.
  • Bei Druck auf den Hüftmuskel (Piriformis, unterhalb des großen Gesäßmuskels): Dehnübungen.
  • Auf keinen Fall Bettruhe und schonen, je nach Möglichkeit in Bewegung bleiben

Dehnübungen für Hüft- und Gesäßmuskel

In der Rückenlage die Beine aufstellen. Das Bein der betroffenen Seite mit dem Fußgelenk hinter das Knie lehnen. Zur weiteren Dehnung den Fuß Richtung Hüfte ziehen.

In der Seitenlage das obere Bein in einem 90 Grad Winkel anwinkeln. Das Knie liegt auf dem Boden oder zeigt Richtung Boden. Beide Arme liegen nach vorn gestreckt (90° zum Körper) aufeinander. Jetzt vorsichtig einen Arm und den Kopf zur anderen Seite rotieren. Das Knie bleibt dabei, wo es ist.

Wann besser zum Arzt bei Ischiasschmerzen?

Lassen sich die Schmerzen gar nicht besänftigen und hindern sie Dich massiv daran, Dich weiter zu bewegen, solltest Du Deine Ärztin, Deinen Arzt aufsuchen. Schmerzmittel können ein paar Tage lang dafür sorgen, dass Du Dich wieder bewegen kannst.

In der Schwangerschaft ist es immer besser, vor der Einnahme von Medikamenten, ärztlichen Rat zu suchen. Hier können durch Tests und weitere Untersuchungen ernsthafte Ursachen Deiner Ischiasschmerzen ausgeschlossen werden.

Auf jeden Fall solltest Du Deine Arztpraxis aufsuchen, wenn neben den Ischiasschmerzen und Bewegungseinschränkungen folgende Symptome auftreten:

  • Taubheitsgefühl, Kribbeln im Bein
  • An der Innenseite des Oberschenkels
  • Im Schambereich
  • Lähmungen der Beinmuskulatur
  • Plötzlich auftretende Inkontinenz
  • Bei Fieber, Müdigkeit, Appetitlosigkeit
  • Wenn die Schmerzen stärker werden

Mögliche Therapien

Sind Deine Ischiasschmerzen durch die Schwangerschaft bedingt, dann werden Dir die erwähnten Soforthilfemaßnahmen, sowie gegebenenfalls verschriebene Schmerzmittel, weiterhelfen. Bei einer ernsthaften Ursache wird dann eine entsprechende orthopädische, neurologische Therapie erfolgen.

Bei Ischasschmerzen aufgrund eines eingeklemmten Ischias erfolgt in der Regel die „Drei-Säulen-Therapie“: Bekämpfung der Schmerzen, Physiotherapie (Krankengymnastik) und Entspannungsübungen.

Begleitend dazu kannst Du sowohl Wärme als auch Kälte zur Unterstützung der Therapie anwenden. Hier hat sich gezeigt, dass kalte Umschläge bei akuten Schmerzen besser helfen. Die Kälte hindert die Nerven daran, die Informationen weiterzuleiten.

Wärmeanwendungen entspannen die Muskulatur und helfen besser bei andauernden Schmerzen. Hier werden auch Wärmebäder und Saunagänge als wohltuend empfunden.

Das kannst Du tun

Erste Dehnungsübungen, Bewegungen, weder Wärme noch Kälte können Deine Ischiasschmerzen lindern? Dann kannst Du auch in der Schwangerschaft für ein oder zwei Tag zu Schmerzmitteln, wie Paracetamol oder Ibuprofen zurückgreifen.

Sie gelten, mit Einschränkungen, laut Embryotox als unbedenklich für eine kurzzeitige Einnahme. Denn es ist wichtig, dass Du in Bewegung bleibst. Nur so können sich die Muskeln entspannen. Vor allem verhinderst Du dadurch Schonhaltungen, die wieder neue Muskelverspannungen auslösen können.

So kannst Du Ischiasschmerzen in der Schwangerschaft vorbeugen

Wie es bei den Selbsthilfemaßnahmen schon anklang, auch um Ischiasschmerzen vorzubeugen, ist Bewegung das Mittel der Wahl. Eine gut ausgebildete Rückenmuskulatur ist die beste Grundlage, eine Schwangerschaft ohne Rücken- oder Ischiasschmerzen zu erleben.

Schwangerschaftsgymnastik, sowie Yoga-, Atem- und Entspannungskurse für Schwangere solltest Du unbedingt wahrnehmen. Diese regelmäßigen Übungen sind nicht nur eine perfekte Vorbeugung, sondern auch eine große Unterstützung bei der Geburt.

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