Kinder kriegen liegt im Trend

Nur Mut! Wer sich Kinder wünscht, aber noch zögert, findet derzeit reichlich Vorbilder. Nicht mehr nur schwangere Prinzessinnen wie Mette-Marit in Norwegen regen zur Nachahmung an, von Madonna bis Verona Feldbusch zelebriert manche prominente Frau ihre Schwangerschaft öffentlich. Trotzdem fehlt vielen jungen Paaren der Mut zum Kind, bleibt der Babywunsch aus vielen Gründen oft unerfüllt. Wissenschaftler beklagen Kinderfeindlichkeit in Deutschland und zunehmende Unfruchtbarkeit.

Umstandskleider werden immer enger, Schwangere verstecken sich immer weniger. Die so genannte Generation Golf knapp über 30 findet nach dem Platzen vieler Karriereträume im Internet-Business angeblich zunehmend Gefallen am Startup-Projekt Familie. Und im Fernsehen gibt es einen Babyserien-Boom mit ‚Wir machen ein Baby‘ (SAT.1), ‚Schnulleralarm‘ (RTL II), ‚Mein Baby‘ (RTL) oder ‚Hallo Baby!‘ (Vox). Promis machen es vor: Kinder kriegen liegt im Trend

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Die meisten Menschen wollen Kinder haben

sagt Hans Bertram, Vorsitzer der von der Bundesregierung eingesetzten Expertenkommission zur Erarbeitung des nächsten Familienberichts. Doch Ausbildung und Beruf mit Kindern zu vereinbaren, sei für Frauen in Deutschland heute weit schwieriger als in anderen EU-Ländern wie Großbritannien oder Frankreich. „Akademikerinnen“, stellt der Professor der Berliner Humboldt-Universität fest, „brauchen heute beispielsweise durchschnittlich fünf bis sieben Jahre nach dem Studium, bis sie sich beruflich etabliert haben.“

Die meisten wollen einen sicheren Beruf und eine sichere Partnerschaft, bevor sie Kinder kriegen – oft kaum zu erfüllende Ansprüche, wie Familienexperte Walter Bien vom Deutschen Jugendinstitut in München meint: „Kinder haben in den Augen der Menschen an Wert gewonnen, dennoch gibt es weniger.“ Denn mit dem Warten nimmt die Fruchtbarkeit bei Frauen und Männern ab.

 

Kinderlosigkeit kann auch ungewollt sein

Jedes sechste Paar bleibt nach Angaben der Zeitschrift ‚Geo‘ (Augustausgabe) ungewollt kinderlos. 46.000 Paare suchten im Jahr 2001 in Deutschland deshalb ärztliche Hilfe. Auch bei Männern tickt die biologische Uhr – sogar von einer ‚Spermakrise‘ ist bereits die Rede.

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Die Abwärtsspirale beim Kinderkriegen in Deutschland dreht sich, wenn auch langsam. Insgesamt bekommen zwar immer noch rund 80 Prozent aller Frauen Kinder. Doch die Geburten in Deutschland reichen nicht, um einen Rückgang der Bevölkerungszahl und eine Zunahme des Durchschnittsalters aufzuhalten. Die heutige jährliche Geburtenzahl von 730.000 wird nach Erwartungen des Statistischen Bundesamts auf etwa 560.000 im Jahr 2050 sinken. Dann wird die Hälfte der Bevölkerung älter als 48 Jahre sein. Schon heute bleiben immerhin rund 40 Prozent der Akademikerinnen kinderlos.

 

„Familie hat Zukunft“ – aber wenig Unterstützung

Heirat und Normalfamilie stehen dabei unverändert hoch im Kurs – das Etikett von der ‚Single-Gesellschaft‘ hat noch nie gepasst. Rund vier Fünftel der Frauen und Männer heiraten – und der Anteil schwankt nach Angaben Biens seit Jahrzehnten nur wenig.

Insofern hat Bundesfamilienministerin Renate Schmidt (SPD) Recht, wenn sie beteuert: „Familie ist lebendig und hat Zukunft.“ Doch in Gesellschaft und Firmen mangelt es an Familien- und vor allem Kinderfreundlichkeit. Eine Studie der gemeinnützigen Hertie-Stiftung ergab, dass viele Unternehmen weit weniger familienfreundlich sind als möglich. So sind Angebote für Eltern – selbst wenn sie Firmen kaum etwas kosten – Mangelware, wie etwa die Vermittlung von Tagesmüttern.

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Kinder bedeuten immer noch Armutsgefahr

Kinder zählen in Deutschland nach einer Studie der Universität Gießen immer noch zu den Ursachen, wenn Mütter oder ganze Familien in Armut abstürzen. Die Kleinen und ihre Entwicklung leiden darunter dann am meisten.

„Ein eigenes Einkommen der Frau ist die beste Gewähr, dass Kinder nicht in Armut absinken“, sagt Experte Bertram. Die Voraussetzungen dafür sind aber nicht die besten: Zwar waren nach Angaben des Bundesfamilienministeriums im Jahr 2000 schon 54 Prozent aller Mütter von Kleinkindern erwerbstätig. Doch nur 5,5 Prozent der westdeutschen Kinder unter drei Jahren hatten damals einen Kita- oder Hortplatz. Gerade junge Mütter geraten oft gewaltig unter Druck, wenn sie nebenher Geld verdienen müssen oder wollen. Unter diesen Frauen finden sich wahrscheinlich mutigere Vorbilder als unter berühmten und wohlhabenden Müttern wie Madonna.

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