Placenta accreta – wenn die Plazentahaftung gestört ist

Bei einer Placenta accreta wächst die Placenta (Plazenta) in die Muskulatur der Gebärmutter. Als Folge der gestörten Plazentahaftung können bei der Geburt Teile der Placenta in der Gebärmutter zurückbleiben. Die Ausstoßung der Placenta kann in diesem Fall verzögert sein und es kann zu Infektionen und starken Blutungen kommen. Hier erfährst Du, wie eine Placenta accreta entsteht und wie sie behandelt wird.

Was ist eine Placenta accreta?

Eine Placenta accreta ist eine Störung der Plazentahaftung, bei der das Gewebe der Placenta (Mutterkuchen) in die Muskulatur der Gebärmutter wächst. Normalerweise löst sich die Plazenta nach der Geburt von der Gebärmutterwand. Bei einer Placenta accreta bleibt die Plazenta teilweise oder auch komplett an der Gebärmutterwand haften.

Die Placenta accreta ist eine ernste Schwangerschaftskomplikation, denn sie führt meist zu starken Blutungen bei der Geburt, da sich die Plazenta nicht eigenständig lösen kann.

Welche Bedeutung hat die Placenta für die Versorgung des Babys?

Die Placenta besteht aus Gewebe der Mutter und des Kindes und wird bereits in den ersten Schwangerschaftswochen gebildet. Mit den Chorionzotten haftet die Plazenta an der Gebärmutterwand.

Die Placenta hat folgende Funktionen:

  • Versorgung des Babys bis zur Geburt und Abtransport seiner Stoffwechselprodukte. Dabei wächst embryonales Gewebe in die Gebärmutterschleimhaut ein.
  • Produktion von Hormonen, die für den Erhalt der Schwangerschaft wichtig sind.
  • Einfluss auf das mütterliche Immunsystem: Abstoßungsreaktionen gegenüber dem Baby werden ausgeschlossen. Durch die Plazentaschranke wird das Kind vor vielen Schadstoffen und Krankheitserregern geschützt.

Die Wirksamkeit der Plazentaschranke hängt von der Größe und den Eigenschaften der Moleküle ab, die die Schranke passieren möchten. Viele Giftstoffe werden von der Plazentaschranke zurückgehalten. Alkohol, Nikotin und verschiedene Medikamente können jedoch ungehindert vom Blutkreislauf der Mutter auf den Blutkreislauf des Kindes übergehen. Auch Krankheitserreger können an das Kind weitergegeben werden. Entwicklungsstörungen oder Fehlgeburten können die Folge sein.

Mit fortschreitender Schwangerschaft wächst nicht nur das Kind, sondern auch die Placenta. Diese wiegt um den Zeitpunkt der Geburt etwa 500 Gramm, misst etwa 20 Zentimeter im Durchmesser und hat eine Dicke von zwei bis fünf Zentimetern.

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Die Placenta muss von Anfang an ihr eigenes Wachstum steuern und ihre Funktionsfähigkeit an die Bedürfnisse des Babys anpassen. Sie nimmt damit im Vergleich zu anderen Organen eine Sonderfunktion ein. Nach der Geburt löst sich die Placenta in der Regel von der Gebärmutterwand und wird durch die Nachwehen ausgestoßen (Nachgeburt).

In der Abheilungs- und Rückbildungsphase nach dem Abstoßen der Nachgeburt schließen sich die Blutgefäße, die den Körper der Mutter mit der Placenta verbinden.

Wie bildet sich eine Placenta accreta?

Bei einer Plazenta accreta entsteht die Lösungsstörung der Plazenta bereits zu Beginn der Schwangerschaft. Die Plazenta wächst nicht – wie es normal wäre – nur in die Uterusschleimhaut ein, sondern verbindet sich mit der Uterusmuskulatur.

Wie alle Hohlorgane besteht die Gebärmutter aus drei Gewebeschichten:

  • äußere Schicht (Perimetrium oder Serosa): ein glatter, glänzender Überzug
  • mittlere Schicht (Myometrium): glatte Muskulatur
  • innere Schicht (Endometrium): Gebärmutterschleimhaut

Die Gebärmutterschleimhaut wird während der Schwangerschaft auch als Decidua oder als Dezidua bezeichnet. Beim Vorliegen einer Placenta accreta, heißt dies in der Medizinersprache, dass das Gewebe der Placenta die Decidua durchdrungen hat.

  • In drei Viertel der Fälle liegt die klassische Form der Placenta accreta vor. Dabei ist die Plazenta komplett oder nur teilweise durch die Decidua (Endometrium) bis zur Gebärmuttermuskulatur (Myometrium) vorgedrungen. Das Einwachsen in die Muskulatur ist jedoch nur relativ schwach ausgeprägt.
  • Bei etwa 20 %der Fälle wird eine Placenta increta ausgebildet. Dabei wächst das Plazentagewebe intensiv in die Gebärmuttermuskulatur ein.
  • Bei etwa 5% der Frauen kommt es zu einer Placenta percreta. Dabei durchbricht das Plazentagewebe die äußere Schicht der Gebärmutter und bildet Wucherungen in anderen Organe, insbesondere in der Blase.

Bei einer Placenta accreta kann sich die Plazenta nach der Geburt nicht eigenständig lösen. Damit können sich die mütterlichen Blutgefäße nicht schließen. Stattdessen hat die Placenta accreta nach der Geburt eine offene Wunde zur Folge, die zu hohen Blutverlusten führen kann.

Bei den Vorsorgeuntersuchungen vor der Geburt überprüft der Arzt jeweils die Lage der Plazenta und beurteilt, ob es bei der Geburt zu Komplikationen kommen könnte. Erfahre hier mehr zu den letzten Vorsorgeuntersuchungen vor der Geburt innerhalb Deiner Schwangerschaft.

Welches sind die Ursachen einer Placenta accreta?

Ärzte vermuten einen Zusammenhang zwischen der steigenden Häufigkeit von Kaiserschnittgeburten und der zunehmenden Häufigkeit der Placenta accreta. Demnach erhöht ein Kaiserschnitt die Wahrscheinlichkeit für eine Placenta accreta in einer späteren Schwangerschaft. Je mehr Kaiserschnitte vorgenommen wurde, desto höher ist auch das Risiko einer Placenta accreta. In den 1950er Jahren trat eine Placenta accreta nur bei einer von 30.000 Schwangerschaften auf, in 2000er Jahren waren 3 von 1000 Schwangerschaften davon betroffen. In diesem Zeitraum ist auch die Anzahl der vorgenommenen Kaiserschnitte stark angestiegen.

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Die Entstehung der Placenta accreta wird auch durch andere operative Eingriffe und durch Gebärmutteranomalien begünstigt. Die Placenta accreta kann jedoch auch ohne die genannten Bedingungen entstehen.

Die Placenta accreta kommt häufig bei der Plazenta praevia (Placenta praevia) vor, worunter man einen tiefen Ansatz der Plazenta versteht.

Wie häufig kommt eine Placenta accreta vor?

Eine Placenta accreta ist sehr selten. Nach US-amerikanischen Angaben kommt sie bei 1 von 500 bis 1 von 2.500 Geburten vor. Mit steigender Zahl der Kaiserschnitte nehmen die Fälle zu.

Was ist eine Plazenta praevia?

Eine Plazenta praevia bzw. eine vorgelagerte Plazenta ist eine Lageanomalie der Plazenta, bei der sich diese vor den inneren Muttermund schiebt und diesen teilweise oder vollständig bedeckt.

Die Fehllage der Plazenta kann unterschiedlich ausgeprägt sein:

  • Tiefsitzende Plazenta: Die Plazenta berührt den Muttermund nicht, sie sitzt jedoch ungewöhnlich nah am Muttermund.
  • Die Plazenta berührt den Muttermund, bedeckt ihn aber nicht (Plazenta praevia marginalis).
  • Die Plazenta bedeckt den Muttermund teilweise (Plazenta praevia partialis).
  • Die Plazenta bedeckt den Muttermund vollständig (Plazenta praevia totalis).

Bei einer Plazenta praevia liegt immer eine Risikoschwangerschaft vor. Die Fehllage der Plazenta kann lebensbedrohlich für Mutter und Kind sein. Die Hauptgefahr besteht im Auftreten starker Blutungen. Bei den leichten Wehen, die in den letzten Schwangerschaftswochen auftreten, wird insbesondere der unterere Gebärmutterabschnitt gedehnt. Wenn sich dann bei einer Plazenta praevia einzelne Plazentazotten ablösen, können vaginale Blutungen auftreten. Diese sind schmerzlos und typisch für eine Plazenta praevia. Gegen Ende der Schwangerschaft kann es aber auch zu einer vorzeitigen Plazentaablösung kommen, die von heftige Schmerzen und Blutungen begleitet ist. Eine vorzeitige Plazentaablösung kommt jedoch bei einer Plazenta praevia nur sehr selten vor.

Im Falle einer Plazenta praevia sollte der Schwangerschaftsverlauf engmaschig kontrolliert werden. Die Patientinnen bekommen oft eine strenge Bettruhe verordnet und sollen körperliche Belastungen vermeiden.

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Eine vaginale Geburt ist nicht möglich, falls die Plazenta den Muttermund vollständig bedeckt. In diesem Fall wird immer mittels Kaiserschnitt entbunden. Dieser sollte vor Beginn der Wehen erfolgen, um das Risiko von Blutungen zu verringern. Auch bei symptomlosem Verlauf ist der Kaiserschnitt meist für schon in die 36. oder 37. Schwangerschaftswoche vorgesehen.Hier erfährst Du mehr über die Besonderheiten einer Plazenta praevia.

Welche Risikofaktoren gibt es für eine Placenta accreta?

Bei Schwangeren kommt es in folgenden Fällen häufiger zu einer Placenta accreta:

  • Vernarbungen in der Gebärmutter infolge eines vorausgehenden Kaiserschnitts.
  • Bedeckung des Gebärmutterhalses durch die Plazenta (Placenta praevia)
  • Tief sitzende Plazenta: höheres Risiko, da die Schleimhaut unten in der Gebärmutter etwas dünner ist als in der Gebärmuttermitte
  • Alter über 35 Jahre
  • Schwangere, die schon mehrmals schwanger waren
  • Unter der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) befindliche Myome
  • Frühere Operationen der Gebärmutter, bei denen Myome entfernt wurden
  • Erkrankung der Gebärmutterschleimhaut: Beispielsweise vernarbt beim Asherman-Syndromdie die Gebärmutterschleimhaut infolge einer Infektion oder Operation. Beim Anwachsen der Plazenta kann es zur einer Störung der Plazentahaftung kommen.
  • Rauchen

Symptome und ärztliche Untersuchungen

Oft ist eine Placenta accreta mit keinerlei Beschwerden oder Symptomen während der Schwangerschaft verbunden. Die werdende Mutter spürt also meist nichts davon. Im letzten Schwangerschaftsdrittel können vaginale Blutungen auftreten, die umgehend ärztlich abgeklärt werden müssen. Dein Frauenarzt wird bei diesen Symptomen immer eine Placenta accreta und/oder eine Placenta praevia als Ursache in Erwägung ziehen und Dich entsprechend untersuchen.

Eine Placenta accreta wird meist bei einer der routinemäßigen Ultraschalluntersuchungen festgestellt. Falls sich bei einer Routineuntersuchung der Verdacht auf eine Placenta accreta ergibt, kann eine vaginale Ultraschalluntersuchung genaueren Aufschluss darüber geben. Ein frühzeitige Diagnose ist oft schwierig. Nicht in jedem Fall ist eine sichere Diagnose per Ultraschall möglich. Mit dem Ultraschall kann oft nur die Lage der Plazenta festgestellt werden.

Eine Gefahr für das Baby oder eine Mangelversorgung bestehen zunächst nicht. Falls Du jedoch vor dem errechneten Geburtstermin starke Blutungen bekommst, könnte es erforderlich sein, die Schwangerschaft vorzeitig zu beenden. Blutungen treten meist erst zu einem Zeitpunkt auf, zu dem das Kind sicher lebensfähig ist

Welche Behandlungsmöglichkeiten bestehen?

Wenn die Placenta accreta schon vor der Geburt erkannt wird, raten Ärzte fast immer zu einem Kaiserschnitt, um die Risiken durch starke Blutungen und eine verzögerte Geburt gering zu halten. Wenn gleichzeitig eine Placenta praevia vorliegt, spricht diese zusätzlich für einen Kaiserschnitt. Der Kaiserschnitt ist in diesen Fällen die risikoärmste Lösung.

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Bei einer natürlichen Geburt wird die Plazenta manuell gelöst. Dabei ist oft eine Kürettage (Ausschabung) erforderlich. Grundsätzlich ist bei einer Placenta accreta eine natürliche Geburt möglich, falls keine Placenta praevia den Geburtskanal verschließt.

Eine Placenta increta oder percreta erfordert dagegen immer einen Kaiserschnitt. Wird die Placenta accreta vor der Geburt entdeckt, wird zunächst das Kind per Kaiserschnitt geholt und anschließend die Plazenta oder – in schweren Fällen – die gesamte Gebärmutter inklusive Plazenta herausgenommen. Wenn sich die Plazenta nicht von der Gebärmutterwand lösen lässt, ist eine Entfernung der Gebärmutter (Hysterektomie) unumgänglich.

Erfahre mehr darüber, bei welchen Lagen der Plazenta ein Kaiserschnitt durchgeführt wird. In unserem Artikel zu der Lage der Plazenta in der 30. Schwangerschaftswoche erfährst du mehr über das Thema.

Planung eines früheren Geburtstermins

Schwangere mit einer Placenta accreta sollten einen früheren Geburtstermin einplanen. Falls ein Kaiserschnitt zur Diskussion steht, wird dieser meist zwischen 34. und 36. Schwangerschaftswoche durchgeführt.

Aufgrund starker Blutungen benötigen die betroffenen Frauen in manchen Fällen eine Bluttransfusion, um die Blutverluste auszugleichen. Eine fachkundige Behandlung ist daher erforderlich. Nicht jede Frau ist von starken Blutungen betroffen. Die Placenta accreta kann in einer Vielzahl von Ausprägungen auftreten.

Welche Folgen bestehen für spätere Geburten?

Frauen, bei denen bereits eine Placenta accreta vorlag, wird für die folgenden Schwangerschaften oft ein Kaiserschnitt empfohlen, wobei sich die Problematik nicht zwangsläufig bei der nächsten Schwangerschaft wiederholen muss. Dein Arzt wird bei den Ultraschalluntersuchungen besonders intensiv auf Plazentaanomalien (Placenta accreta oder Plazenta praevia) achten. Wenn keine Störung vorliegt, ist kein Kaiserschnitt notwendig.

Fazit

Bei einer Placenta accreta liegt eine abnormale Anhaftung der Chorionzotten an der Gebärmutterwand vor, bei der das Plazentagewebe in die Gebärmuttermuskulatur einwächst. Bei einer Geburt kann eine unerkannte Placenta accreta gefährlich werden, da sich die Plazenta nicht von alleine lösen kann, wodurch sich der Geburtsverlauf verzögert und starke Blutungen zu erwarten sind. In der Regel empfehlen Ärzte einen Kaiserschnitt. In nachfolgenden Schwangerschaften muss sich diese Plazenta-Anomalie nicht zwangsläufig wiederholen, wennauch das Risiko dafür erhöht ist.

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