Trotzphase: Wenn Kinder Ihre Eltern herausfordern

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Die Trotzphase ist zum Glück wirklich nur eine Phase. Sie fängt meistens um den 2. Geburtstag herum an und stellt im Grunde einen Meilenstein in der Entwicklung dar.
Eltern sehen es allerdings meistens ein wenig anders.

Aus Sicht der Eltern

Für die Eltern ist die Trotzphase eine echte Herausforderung. Ihr damals so braves Kind entwickelt sich zu einem Monster, dass sich auf den Boden wirft, laut schreit und nicht mehr hören will. Ein kleiner Trotzkopf regiert den Haushalt.
Er will nicht essen, nicht laufen, nicht sitzen. Er will jetzt eine Süßigkeit. Er will gerade das, was Sie eben nicht wollen. Mit Wutanfällen verleiht er seinen Forderungen Nachdruck.
Wenn Publikum da ist, strengt es sich besonders an.

Aus Sicht des Kindes

Für das Kind ist diese Phase gekennzeichnet vom Wollen, aber nicht Können.
Während es in den zurückliegenden 2 Jahren krabbeln, sitzen, laufen, essen, trinken und reden gelernt hat, stößt es jetzt mehr und mehr an seine Grenzen.
Es kann zwar den Knopf am Hemd problemlos anfassen und benennen, aber das Hemd zuknöpfen will einfach nicht funktionieren.

Das Kind will mehr, als es körperlich und geistig jetzt schon kann.
Und da die Dinge einfach nicht so klappen wollen, wie sie sollen, wird das Kind wütend.
Eine Charakterschwäche? Wohl eher ausgelebter Frust.

Wie reagiert man auf solche Wutanfälle?

Von Eltern wird tiefes Verständnis und starke Nerven gefordert. Nun mag das ja für Übermütter und – väter gelten, das Verständnis in Person zu sein, aber realitätsgetreu ist es nicht. Führt der Alltagsstress nicht vielmehr dazu, dass wir manchmal auch unser gutes Elternhaus vergessen und unwirsch reagieren?
Wenn die Zeit knapp ist, das Essen noch nicht fertig – es gibt tausend Dinge, die ein Stressfaktor sein können. Und dann liegt da ein Häufchen Wut auf dem Boden und schreit, weil Mama es wagte, das Auto, welches nun schon zum 5. Mal unter das Sofa gerollt ist, nicht schon wieder rauszuholen.

Ein Erfolgserlebnis muss her

Eine solche Situation kann schnell jeglicher Kontrolle entgleiten.
Manchmal ist es einfacher, kurz den Raum zu verlassen, als sich auf eine Machtprobe einzulassen. Es ist in der Tat wichtig, für Entspannung zu sorgen.
Insofern haben die Experten recht. In diesem konkreten Beispiel, empfehlen Experten, dass Auto mit einem längeren Gegenstand soweit nach vorne zu schieben, dass das Kind es mit ein wenig Mühe alleine erreichen kann. Somit hat es ein Erfolgserlebnis.
Beim nächsten Mal wird es vermutlich alleine versuchen, dass Auto mit dem Hilfsmittel zu holen. Einen Versuch ist es wert.

Einsicht und Vernunft

Kann man von 2,5-jährigen Kindern schon Einsicht und Vernunft verlangen? Wohl kaum.
Noch können sie die Folgen ihres Tuns nicht abschätzen, noch leben sie ihre Wünsche uneingeschränkt aus. Wenn da nicht Eltern wären, die das Ausleben unterbinden.
Auch, wenn man seinem Kind zum hundertsten mal etwas erklärt, wird es trotzdem gemacht. Und das mit einem Gesichtsausdruck, der Spaß dabei erkennen lässt.
Ist das nicht Provokation?

Nein, denn das würde eine Absicht vorraussetzen. Kinder verhalten sich so, weil sie meinen, sie können schon alles. Sie wollen es sich und Ihnen beweisen.
Wenn Sie also sagen: „Nein, lass das Glas auf dem Tisch stehen“, weil Sie befürchten, es könnte samt Inhalt den Teppich ruinieren, will Ihr Kind Ihnen aber zeigen, dass es das Glas schon tragen kann, ohne das der Inhalt den Versuchungen der Schwerkraft folgeleistet.

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