Wahrnehmungsstörungen bei Kindern: Was es damit auf sich hat

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Du sprichst, doch Dein Kind hört nicht zu. Du hast eine Anweisung gegeben, doch die ist vergessen, sobald Du den Raum verlässt. Das ist kein Ungehorsam, sondern oftmals eine Schwäche in der Wahrnehmung.

Alles was Du über Wahrnehmungsstörungen bei Kindern wissen musst, erfährst Du in diesem Artikel.

Auditive Wahrnehmungsstörungen – viele Kinder leiden unbemerkt darunter

Dein Kind zappelt ständig, kann nicht stillsitzen und hört überhaupt nicht zu. Viele Eltern legen diese Handlung als Ungehorsam oder Folge mangelnder Bewegung aus. Auch eine Unterforderung wird nicht selten als Entschuldigung und Begründung für die innere Unruhe hervorgebracht.

Doch in Wirklichkeit sind Wahrnehmungsstörungen der Grund, warum sich Dein Kind nur schwer konzentrieren und praktisch überhaupt nicht stillsitzen und sich allein beschäftigen kann. Was Kinder wahrnehmen und welchen Einfluss die Wahrnehmung auf ihre zentralnervösen Prozesse hat, ist den meisten Eltern gar nicht so ausführlich bekannt.

Wahrnehmungsstörungen, vor allem im auditiven Wahrnehmen von Signalen und deren Verarbeitung werden bei Kleinkindern oftmals nicht erkannt. Erst bei Problemen in der Schule wird die Thematik wirklich ernstgenommen.

Die Entwicklung der Wahrnehmung

Schon Babys und Kleinkinder können auditiv wahrnehmen. Sie können hören, lernen sprechen und sehen Dir aufmerksam zu. Mit zunehmendem Wachstum entwickelt sich auch die Fähigkeit der Wahrnehmung weiter, sofern Dein Kind nicht unter Wahrnehmungsstörungen leidet.

AWS, wie die auditive Wahrnehmungsstörung in der Fachsprache heißt, ist keine Seltenheit. Doch die Diagnostik wird meist erst im Grundschulalter vorgenommen, da Eltern erst zu diesem Zeitpunkt eine deutliche Entwicklungsverzögerung wahrnehmen. Die Wahrnehmung setzt sich aus folgenden Prozessen zusammen:

  • Bottom-up
  • Top-down

Sie zählt als Gesamtheit und beginnt bereits im Innenohr. Das Aufnahmen von Geräuschen und Tönen, die Sprachentwicklung sowie das phonologische Bewusstsein sind der Entwicklung des Wahrnehmens untergeordnet. Treten hier Störungen auf, spricht man von Wahrnehmungsstörungen – explizit von einer auditiven Wahrnehmungsstörung.

Die Funktion der Wahrnehmung (auditiv)

Grundsätzlich basiert die Funktion auf der vollständigen Aufnahme und Verarbeitung aller Signale und Töne. Die Unterscheidung von Tönen und Tonhöhen, eine Empfindung für die Lautstärke sowie die Lautunterscheidung sind essenzielle Wahrnehmungsfunktionen.

Musst Du laut sprechen, um verstanden zu werden. Oder kann Dein Kind die Stimmen unterschiedlicher Menschen nur schwer zuordnen und verarbeiten? Dann kann dies ein Anzeichen auditiver Wahrnehmungsstörungen sein. Teilweise Einschränkungen sind schwer erkennbar, da gerade kleine Kinder nicht erklären können, was sie wahrnehmen und was ihnen entgeht.

Leidet mein Kind unter Wahrnehmungsstörungen?

Vor dieser Frage stehen Eltern, die Differenzen in der Sprachentwicklung, in der Zuordnung und Verortung von Geräuschen oder Geräuschempfindlichkeit feststellen. Auch das Überhören von Gesagtem und die Bevorzugung visueller Darstellungen können ein Hinweis für Wahrnehmungsstörungen sein. Im Folgenden erfährst Du die wichtigsten Symptome.

Symptome für eine auditive Wahrnehmungsstörung

Das Kind dreht den Ton am Fernseher sehr laut oder sehr leise. Bei lauteren Geräuschen hält es sich die Ohren zu, so als ob der Ton Schmerzen erzeugt. Schnell gesprochene Sätze werden nicht oder nur teilweise verstanden und wenn es Hintergrundgeräusche gibt, scheint Dich Dein Kind gar nicht wahrzunehmen.

Im späteren Alter kann die Unlust beim Telefonieren ein weiteres Symptom für die gestörte Wahrnehmung sein. Im Kleinkindalter kannst Du meist noch keine wirkliche Alltagsbeeinträchtigung feststellen und wirst Wahrnehmungsstörungen daher meist nicht erkennen.

Das ändert sich im Grundschulalter, wo eine Entwicklungsverzögerung in der Sprache und im Lernen deutlich wird. Eine auditive Wahrnehmungsstörung schränkt die Lebensqualität nicht ein, sofern sie Dir bekannt ist und sofern Du offen mit Deinem Kind sprichst.

Marginale Wahrnehmungsstörungen werden meist erst im Grundschulalter erkannt

In der Schule sitzt Dein Kind nicht still und die Lehrerin fragt Dich, ob es Zuhause ausreichend Bewegung und Ablenkung vom Schulalltag hat. Beim Schreiben, beim Lesen und Rechnen hat das Kind größere Probleme und scheint die Aufgabenstellung nicht zu verstehen.

Ob eine Hörstörung vorliegt, zeigt sich bereits in den Vorsorgeuntersuchungen beim Kinderarzt. Ist das nicht der Fall und das Kind kann auditiv nur schwer Dinge wahrnehmen, wird sich die Problematik in auditiven Wahrnehmungsstörungen begründen.

Meist betrifft das Symptombild die sprachliche Entwicklung und die Lesefähigkeit. Bringt ein Kind in Deutsch eher schlechte Noten nachhause, könnte das an Problemen in der Wahrnehmung liegen und auf eine auditive Wahrnehmungsstörung hinweisen. Auch Vergesslichkeit im Kindesalter kann die Symptomatik unterstreichen und ein weiterer Hinweis auf Probleme beim auditiv Wahrnehmen sein.

Störungserkennung durch Differenzialdiagnose

Als Eltern können und sollten Sie sich nicht in der Diagnostik versuchen. In einer umfassenden Differenzialdiagnose lassen sich Wahrnehmungsstörungen ermitteln und anschließend behandeln.

Die Entwicklung der Sprache, der Aufmerksamkeit und des Verhaltens fließen in die Diagnostik ein und müssen Berücksichtigung finden. Einen konkreten, allgemeingültigen Test gibt es zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht.

Die Erkennung von Wahrnehmungsstörungen ist heute bei Kindern ab dem 6. Lebensjahr möglich und baut auf einem vorangegangenen Hörtest zum Ausschluss einer Gehörschädigung auf.

Wahrnehmungsstörungen kommen selten allein

Die meisten betroffenen Kinder neigen neben Wahrnehmungsstörungen unter Unruhe, Vergesslichkeit und Unaufmerksamkeit. Hier ist schnell von ADHS die Rede, da sich diese Diagnose bereits als Modewort durchgesetzt hat. Doch Du solltest wissen, dass sich Wahrnehmungsstörungen und ADHS schwer auseinander halten lassen und oftmals auch miteinander einhergehen.

ADHS tritt meist mit Wahrnehmungsstörungen in Kombination auf

Zappeligkeit, Unaufmerksamkeit und die mangelnde Gabe zum Zuhören werden spätestens in der Schule zu einem größeren Problem. Wird die Lösung von Aufgaben zu einer Wutprobe und die Ungeduld ergreift von Deinem Kind Besitz, könnte dies tatsächlich auf eine Störung in der Aufmerksamkeit hinweisen.

  • Mangelnde Konzentration,
  • Nachlässigkeit
  • und Schusseligkeit

sind die Schnittstelle zwischen Wahrnehmungsstörungen und ADHS.

Schreib- und Leseschwäche als Begleiterscheinung

Auch Probleme in der Anfertigung und Verarbeitung von Texten können auf eine auditive Wahrnehmungsstörung hinweisen. Das liegt daran, dass das Kind die Sprache nur schwer verstehen und noch schwieriger wiedergeben kann.

Ein Buch lesen wird zur Geduldsprobe und ein Diktat schreiben führt immer zur schlechten Note. Das heißt nicht, dass es Deinem Kind an Intelligenz mangelt. Doch bringen Wahrnehmungsstörungen mit sich, dass das Verständnis der Sprache ohne Visualisierung oft nicht gegeben ist und Probleme bereits dann entstehen, wenn es um die Aufzeichnung mehrerer Silben geht.

Die Wahrnehmung schafft einen fließenden Übergang zum Sprachverständnis, welches wiederum die Voraussetzung zum Schreiben und Lesen ist. Mit Nachhilfe kannst Du Deinem Kind nicht helfen. Eine medizinische Diagnostik und eine Therapie zur Schulung der Wahrnehmung lösen die Problematik hingegen auf.

Lern- und Leistungsschwächen können auf Problem mit der auditiven Wahrnehmung beruhen

Warum ist mein Kind in der Schule schlecht? Dabei ist es doch so intelligent und kreativ. Diese Gedanken machen sich Eltern, die Wahrnehmungsstörungen ausschließen und für die Leistungsschwächen andere Gründe suchen.

Die auditive Wahrnehmungsstörung ist der Hauptgrund für unzureichende Schulnoten, da wissensförderndes Lernen auf der Gabe des Zuhörens und der Verarbeitung des Gesagten basiert. Nicht selten gehen Lern- und Aufmerksamkeitsschwierigkeiten mit Problemen im Verhalten einher.

Denn die Wahrnehmung beeinflusst auch die emotionale Entwicklung und kann ein Grund sein, wenn sich Dein Kind häufig prügelt oder wenn es sich auf dem Schulhof zurückzieht und wenig mit anderen Kindern unternimmt. Nicht alle Kinder mögen die Schule.

Doch wenn ein Kind ungern zur Schule geht, solltest Du diese Mitteilung nicht mit Faulheit und Unlust abtun, sondern intensiv auf Ursachenforschung gehen. Auch Wahrnehmungsstörungen und die damit verbundenen Einschränkungen können die Motivation für die Schule mindern und dieses Phänomen erzeugen.

Unaufmerksamkeit und Unruhe: Symptome bei Wahrnehmungsstörungen

Über das auditiv wahrnehmen gibt es eine ganze Bandbreite wissenschaftlicher Dissertationen. Doch das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht, da sich um die Wahrnehmung immer neue Erkenntnisse und Zusammenhänge erschließen.

Was unterdessen bekannt und Fakt ist, ist die Tatsache, dass mangelnde Aufmerksamkeit und generelle Unruhe bei Kindern nicht unbedingt ein Symptom für ADHS sein müssen. Eine Störung in der Wahrnehmung ruft die gleichen Symptome hervor, da das Unverständnis für Worte zu Langeweile und damit zu Unaufmerksamkeit führt.

Was tun, wenn das Kind Probleme mit der Aufmerksamkeit hat?

Du kannst als Mutter bei Wahrnehmungsstörungen nicht helfen und solltest nicht versuchen, die Rolle eines Arztes zu übernehmen. Stelle keine Selbstdiagnosen, sondern lasse medizinisch herausfinden, ob Dein Kind wirklich ein Problem mit der Wahrnehmung hat oder ob sich die Symptome aus einer anderen Grundlage erschließen.

Wahrnehmungsstörungen kommen häufiger vor als Du denkst. Dennoch ist es wichtig, dass diese Diagnose nicht wie ADHS zu einem Modetrend verkommt und beinahe inflationär verwendet wird. In einer Differenzialdiagnose, unter Beobachtung aller Fähigkeiten Deines Kindes und in ausführlichen subjektiven Gesprächen findet ein Arzt heraus, ob und in wie weit dein Kind Dinge auditiv wahrnehmen und verarbeiten kann.

Fazit: Wahrnehmungsstörungen erkennen und Hilfestellung geben

Die Basis einer Behandlung begründet sich darin, dass Du die Problematik selbst wahrnehmen kannst. Sei Deinem Kind gegenüber aufmerksam und Du wirst sehen, dass Du Probleme viel eher mitbekommst.

Wenn Du nun zum Arzt gehst, kann er helfen und wird anhand Deiner Worte bereits in der richtigen Richtung untersuchen. Warum wird häufig ADHS diagnostiziert? Weil Eltern es nicht besser wissen und ihr Kind nicht so wahrnehmen, wie es wirklich ist.

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