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Politik und Gesellschaft

Warum muss man arbeiten gehen?

Die meisten Erwachsenen gehen regelmäßig zur Arbeit. Wenn sie zurück kommen, sind sie manchmal müde und K.O.. Warum tut man […]

Warum muss man arbeiten gehen?

Die meisten Erwachsenen gehen regelmäßig zur Arbeit. Wenn sie zurück kommen, sind sie manchmal müde und K.O.. Warum tut man sich so etwas an?

Als naheliegende Antwort kommt wohl nur eine in Frage: Um Geld zu verdienen. Ohne Arbeit kein Geld. Zumindest in unseren Breiten ist das so.

Manche Menschen arbeiten nicht und bekommen trotzdem Geld. Wie geht das? Warum funktioniert das nicht für alle? Diese und mehr Fragen möchten wir dir heute beantworten.

Warum wir arbeiten

Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, an Geld zu gelangen. Während manche Menschen für andere Leute arbeiten (Arbeitnehmer), sind andere selbständig. Sie leiten Firmen, arbeiten auf eigene Rechnung und eigenes Risiko und beschäftigen selbst Arbeitskräfte (Arbeitgeber).

Egal, wie man sich sein Geld verdient: Die meisten von uns müssen in irgend einer Form arbeiten gehen, um zu überleben. Denn vom erarbeiteten Geld müssen Kosten wie Miete, Lebensmittel, Autoreperaturen und Sprit bezahlt werden. Hat man eine Familie, dann braucht man sogar noch viel mehr Geld, um den Kindern ein Taschengeld sowie Kleidung und alles andere zu bieten, das sie brauchen.

Arbeit für Geld

Unser Gesellschaftssystem funktioniert so, dass wir arbeiten, um dafür Geld zu erhalten.

Vor langer Zeit war das noch anders. Denk an die ersten Menschen, die es auf der Erde gab. Damals sorgte jeder für sich selbst, so gut es ging. Man begab sich auf Jagd, sammelte Beeren und baute sich selbst einen Unterschlupf. Das funktionierte im Prinzip ganz gut. Allerdings ist klar, dass man sich nicht alles selbst machen kann. Jeder hat seine Stärken und Schwächen. Deshalb kann auch nicht jeder Arzt oder Rechtsanwalt werden. Würde heute noch jeder selbst für seine Nahrung sorgen, dann hätten wir auch keine Ärzte. Sobald du Zahnschmerzen hättest, müsstest du dir den Zahn selbst ziehen oder jemand um Hilfe bitten, der wahrscheinlich genauso wenig Ahnung davon hat, wie du.

Deshalb gibt es heute verschiedenste Ausbildungswege und Berufe, auf die man sich spezialisieren kann. So leistet jeder seinen Beitrag zur Gesellschaft, indem er das tut, was er gut kann.

Sinn und Beschäftigung im Leben

Einerseits gehen wir arbeiten, um jeden Monat einen bestimmten Geldbetrag auf unser Konto überwiesen zu bekommen. Wenn man zum Beispiel im Schwermetallbereich oder einer Fabrik arbeitet, dann nennt man das Einkommen auch Lohn. Menschen, die im Büro oder einer Bank arbeiten, bekommen ein Gehalt.

Ist man selbständig, dann lebt man von den Rechnungen, die andere an einen bezahlen.

Abgesehen vom Geld, macht die Arbeit aber auch hinsichtlich der Zeit, die wir dort verbringen, einen großen Teil unseres Lebens aus. Deshalb sollte man sich nach Möglichkeit eine Arbeit suchen, die einem liegt oder sogar Spaß macht. Es bringt wenig, wenn man die eigene Arbeit hasst und sich jeden Tag zur Arbeitsstelle schleppt. In diesem Fall kann auf Dauer sogar die Gesundheit darunter leiden.

Wer eine Arbeit hat, die ihm gefällt, der sieht in der Arbeit auch eine Art Sinn des Lebens. Besonders in kreativen und sozialen Arbeitsbereichen kann man sich entfalten und erfährt eine gewisse Bestätigung. Es ist etwas Wunderbares, wenn man als Lehrer die Dankbarkeit in den Augen der Kinder erlebt, die etwas Neues gelernt haben. In diesem Fall ist die Arbeit nicht nur ein Mittel zum Zweck, sondern eine tolle Beschäftigung.

Ohne Arbeit würde man möglicherweise nur Zuhause herumsitzen und wüsste nichts mit sich anzufangen. Natürlich sind wir alle verschieden und jeder von uns geht anders mit dem Thema Arbeit um. Grundsätzlich ist es aber schon so, dass Arbeit etwas sehr Angenehmes und befriedigendes sein kann.

Das eigene Potential entfalten

Die eigenen Stärken und Talente bringen einem nur wenig, wenn man sie nicht zu nützen weiß. Darum ist es wichtig, das eigene Potential so gut wie möglich zu entfalten.

Das ist möglich, wenn man eine Ausbildung wählt, die den eigenen Stärken entspricht. Findet man später einen Arbeitsplatz, der zu einem passt, dann kann man mit seinen Talenten einen wertvollen Beitrag für die Gesellschaft leisten.

Einander helfen

In unserem Gesellschaftssystem bedeutet Arbeit auch, dass wir Leistungen und Waren miteinander austauschen.

So gesehen helfen wir einander, mit dem alltäglichen Schwierigkeiten des Lebens zurechtzukommen. Hast du zum Beispiel kaputtes, splissiges Haar, dann kannst du dir von einem Frisör einen tollen neuen Haarschnitt verpassen lassen, der dein Haar obendrein wieder gesünder und strahlender macht. Dafür musst du einen kleinen Geldbetrag an den Frisör bezahlen. Er kann sich um dieses Geld wiederum Dinge kaufen, die er dringend benötigt.

Das System mitfinanzieren

Leider bekommen wir nicht das ganze Geld, welches wir erarbeiten. Einen gar nicht so kleinen Teil erhält die Staatskasse. Außerdem wird vom Arbeitgeber ein Teil des Lohns bzw. Gehalts einbehalten, um die gesetzliche Sozialversicherung zu bezahlen. Genaueres über die Sozialversicherung erfährst du in einem separaten Artikel, den wir diesem Thema gewidmet haben.

Das Geld, welches an die Staatskasse (Finanzamt) geht, kommt dir aber auf Umwegen wieder zugute. Diesen Teil des Geldes nennt man übrigens auch Steuern. Mit den Steuergeldern wird die Infrastruktur (Spielplätze, Straßen, Landeskindergärten,…) in deinem Ort finanziert. Alles Geld, das der Bürgermeister für seine Gemeinde ausgibt, stammt aus der Staatskasse. So gesehen sind die Steuern für dich kein verlorenes Geld im engeren Sinne.

Übrigens: Den Lohn vor Abzug der Steuern und Sozialabgaben nennt man auch Bruttolohn. Der Teil, den man tatsächlich ausbezahlt bekommt, heißt Nettolohn.

Geld ohne Arbeit

Manche Menschen haben Geld, obwohl sie nicht arbeiten gehen. Das kann ganz unterschiedliche Gründe haben.

Passives Einkommen

Manche Berufsgruppen bekommen ein sogenanntes Passives Einkommen. Das bedeutet, dass sie ihr Einkommen beziehen, egal ob sie weiterhin arbeiten gehen oder nicht. Das ist zum Beispiel bei Autoren der Fall. Hat ein Autor ein Buch geschrieben, an dem ein Verlag interessiert ist, dann wird mit dem Verlag ein Vertrag abgeschlossen. In diesem Verlagsvertrag steht, dass der Autor regelmäßig einen Anteil des Gewinns durch die Buchverkäufe erhält. Diesen Anteil nennt man auch Tantiemen.

Zwar müssen Autoren regelmäßig neue Bücher schreiben, um davon leben zu können. Die Tantiemen hängen aber nicht davon ab, wie viele Stunden sie pro Woche arbeiten, sondern werden für ein fertiges Werk, das sich gut verkauft, ausbezahlt.

Es gibt auch noch andere Formen des Passiven Einkommens. Weil die meisten jungen Arbeitnehmer davon aber nicht betroffen sind, möchten wir hier nicht näher darauf eingehen.

Leben von Sozialleistungen

Die wenigsten Menschen bleiben ein Leben lang im selben Betrieb. Es ist heute durchaus üblich, dass man öfters die Stelle wechseln muss. Ein Umzug, sich verschlechternde Arbeitsbedingungen oder eine Kündigung seitens des Arbeitgebers führen dazu, dass man den Job aufgeben muss.

Dann ist man arbeitslos. Arbeitslose Menschen bekommen Geld vom Staat, damit sie nicht ihre Wohnung verlieren und auf der Straße leben müssen. Allerdings müssen sie sich im Gegenzug darum bemühen, eine neue Arbeitsstelle zu bekommen. Das Arbeitsamt überprüft diese Dinge sehr streng und kann das Arbeitslosengeld kürzen, wenn man sich nicht regelmäßig um Stellen bewirbt. Das Arbeitslosengeld ist nur dafür gedacht, um kurzfristig über die Runden zu kommen. Es ist keine Dauerlösung für Menschen, die nicht arbeiten gehen können.

Wenn man langfristig gesehen nicht arbeiten gehen kann, weil man gesundheitlich oder psychisch nicht dazu in der Lage ist, dann bekommt man über einen längeren Zeitraum hinweg Geld vom Staat. Allerdings reicht dieser Betrag nur dazu aus, um das Notwendigste des täglichen Lebens zu bezahlen. Dinge wie ein Urlaub, teure Multimedia-Artikel und ähnliches können sich Familien, die von Sozialleistungen leben, nicht leisten. Sie müssen sogar beim Einkauf der Lebensmittel darauf achten, ein bestimmtes Tagesbudget nicht zu überschreiten, weil ihnen sonst nicht genug Geld bis zum Ende des Monats bleibt. Deshalb gibt es sogar eigene Kochbücher für solche Familien, in denen Rezepte drin stehen, die besonders günstig umzusetzen sind.

Übrigens ist es nicht auf der ganzen Welt selbstverständlich, dass man Geld vom Staat bekommt. In vielen anderen Ländern ist man zur Gänze für sich selbst verantwortlich und muss alleine für die eigenen Kosten aufkommen.

Erbschaft und Familie

Manche Menschen haben einen einfacheren Start ins Leben, weil sie aus reichem Hause stammen. Sie müssten eigentlich nicht arbeiten gehen, weil es genügend Geld in der Familie gibt, um allen einen hohen Lebensstandard zu bieten. Normalerweise macht man dann aber trotzdem eine Ausbildung. Manche gehen einem Job nach, der ihnen Spaß macht. Sie möchten nicht von ihren Eltern abhängig sein und haben das Gefühl, dass sie die Arbeit als Beschäftigung brauchen.

Wenn man plötzlich reich erbt, dann sollte man trotzdem weiterhin arbeiten gehen. Denn das Geld geht schneller aus, als man denkt. Darum macht es Sinn, weiterhin im Berufsleben zu stehen.

Bedingungsloses Grundeinkommen

In manchen Ländern wird derzeit diskutiert, ob man das bedingungslose Grundeinkommen einführen soll. Das ist ein bestimmter Geldbetrag, den jeder Bürger bekommen soll – egal, ob er arbeiten geht oder nicht. Die meisten von uns können von diesem Geldbetrag ohnehin nicht leben und sind motiviert, trotzdem zu arbeiten. Allerdings kann man sich dann darauf konzentrieren, etwas zu tun, das einem wirklich liegt, anstatt nur wegen des Geldes in einem Job zu schuften, der einem eigentlich mehr schadet als nützt. Denn immerhin wird man durch das bedingungslose Grundeinkommen in finanzieller Hinsicht sehr stark entlastet.

Das bedingungslose Grundeinkommen ist ein sehr umstrittenes Thema. Viele Politiker finden, dass man diese Idee nur schwer umsetzen kann. Andere sehen darin eine tolle Möglichkeit, unser System zum Positiven zu verändern. Ob das bedingungslose Grundeinkommen eingeführt wird, ist noch unklar. Die Verhandlungen darüber werden bestimmt noch einige Jahre andauern, bis es zur Entscheidung kommt.

Leistungen aus Versicherungen

Es gibt Versicherungen, mit denen man im Falle einer Berufsunfähigkeit Geld bekommt. Berufsunfähigkeit liegt dann vor, wenn man aufgrund einer Krankheit oder eines Unfalls seiner normalen Arbeit plötzlich nicht mehr nachgehen kann. Hat man zuvor eine private Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen, dann erhält man lebenslang eine Rente, die einen Teil des Auskommens sichert. Natürlich bekommt man auch Leistungen vom Staat, wenn man nicht mehr arbeiten gehen kann. Diese sind allerdings nicht recht hoch, weshalb so eine Versicherung durchaus Sinn macht.

Nicht jede Arbeit ist gleich viel wert

Als junger Erwachsener wirst du feststellen, dass Zeit ein sehr wertvolles Gut ist. Der Ausspruch „Zeit ist Geld“ hat tatsächlich einen wahren Kern. Denn normalerweise werden wir in der Arbeitszeit pro Stunde bezahlt. Die meisten Menschen haben eine 40-Stunden-Woche. Wenn man 40 Stunden pro Woche arbeitet, dann nennt man das Vollzeit. Arbeitet man zum Beispiel nur 20 Stunden, weil man sich nachmittags um seine Kinder kümmern muss, dann nennt man das Teilzeit.

Obwohl Zeit eigentlich in jedem Fall gleich viel wert sein sollte, ist es im Arbeitsleben nicht so. Denn eine Reinigungskraft bekommt für ihre Zeit wesentlich weniger bezahlt, als zum Beispiel ein Maurer.

Das liegt daran, dass die Arbeitgeber nicht nur für die Arbeitszeit selbst, sondern für die vorangegangene Ausbildungszeit der Arbeitskraft zahlen. Je höher die Ausbildung, umso mehr Geld bekommt man später. Das ist zumindest in den meisten Fällen so.

Es kann sein, dass man als Studienabsolvent vorerst weniger Gehalt bekommt, als jemand, der einen Lehrberuf ausübt. Mit der Zeit steigt das Geld des Akademikers (Studienabsolventen) allerdings rascher an, als beim Maurer. Außerdem hat der Akademiker mehr Perspektiven und bessere Chancen auf einen Job. Zumindest theoretisch.

Weil es mittlerweile sehr viele Studenten gibt, haben die Uni-Absolventen bestimmter Fachrichtungen mittlerweile nämlich Probleme damit, einen Job zu bekommen.

Deshalb solltest du bei der Wahl deines Berufes vor allem auch auf deine Jobaussichten achten. Denn jede noch so gute Ausbildung bringt dir recht wenig, wenn du danach keine Arbeitsstelle bekommst.

Obwohl nicht jede Arbeit gleich viel wert ist, werden alle Arten von Arbeitskräften gebraucht. Denn die Reinigungskraft ist trotz ihres geringeren Stundenlohns ebenso wichtig, wie der Maurer.

Arbeitsblatt zum Text

1) Erkläre die schwierigen Wörter aus dem Text.

Was bedeutet…

  • Arbeitnehmer

  • Arbeitgeber

  • Lohn

  • Gehalt

  • Berufsunfähigkeit

  • Vollzeit

  • Teilzeit

  • Bruttolohn

  • Nettolohn

  • Tantiemen

  • Steuern

2) Warum gehen Erwachsene arbeiten? Welche Gründe gibt es dafür? Schreibe auf, was du dir vom Text gemerkt hast.

3) Internetrecherche: Finde heraus, ob Arbeit tatsächlich nicht immer gleich viel wert ist. Recherchiere, wie viel eine Reinigungskraft pro Stunde (brutto) verdient. Versuche auch, herauszufinden, wie hoch der Bruttolohn eines Maurers pro Stunde ist. Es kann sein, dass du den Monatslohn umrechnen musst. Um den Stundenlohn zu erhalten, dividiere den Monatslohn für 40 Wochenstunden durch 160.

Foto: grigvovan / bigstockphoto.com

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Über Luise Veltmann

Luise wohnt mit ihrem Mann, ihrem zweijährigen Sohn Max und bald auch mit Kind Nr. 2 in Lübeck. Wenn Sie neben der Arbeit als Autorin für den Elternkompass die Zeit findet, dann geht Luise ins Fitnessstudio oder zeichnet. Die Zeit ist aber knapp, denn der kleine Max liebt es mit seiner Mama zum Kinderturnen zu gehen und Oma und Opa zu besuchen.

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