×
Politik und Gesellschaft

Was ist Demokratie und warum ist sie auch für Kinder wichtig?

Hier im Herzen Europas legen wir viel Wert auf die Freiheit des einzelnen Bürgers. Das liegt nicht nur daran, dass […]

Immer weniger Menschen in Deutschland

Hier im Herzen Europas legen wir viel Wert auf die Freiheit des einzelnen Bürgers. Das liegt nicht nur daran, dass wir aus unserer Vergangenheit gelernt haben.

Wir möchten nicht mehr von einem Diktator regiert werden, wie das noch im Zweiten Weltkrieg der Fall war. Deshalb ist die Demokratie ein hohes Gut für uns.

Immer wieder hört man in den Nachrichten, dass die Menschen in vielen anderen Ländern nicht so frei sind wie wir. Sie müssen sich der Macht eines oder einiger weniger Menschen fügen und so leben, wie es ihnen vorgeschrieben wird. Damit wir uns unsere Freiheit bewahren können, müssen alle Bürger darüber Bescheid wissen, was Demokratie eigentlich bedeutet.

Sobald du wählen gehen darfst, solltest du dieses Recht unbedingt nutzen. Denn so zeigst du, dass es dir wichtig ist, in deinem Land mitzuentscheiden. Deine Stimme ist eine Stimme für die Demokratie. Damit du bei der Wahl die richtige Entscheidung treffen kannst, möchten wir dir heute die Grundlagen der Demokratie erklären.

Was ist eine Demokratie?

Der Begriff Demokratie stammt aus der griechischen Sprache. Übersetzt heißt er so viel wie „Herrschaft des Volkes“. Im alten Griechenland gab es nämlich bereits Demokratien. Sie entstanden, weil man nicht mehr wollte, dass ein alleiniger Herrscher seine Macht missbraucht und ohne das Volk entscheidet.

Bevor es Demokratien gab, wurden die meisten Staaten von einem einzigen Oberhaupt regiert. Bei der Monarchie herrschte zum Beispiel ein König oder Fürst über sein Volk. Das Recht auf den Thron und somit die Macht über den Staat wurden weiter vererbt. So etwas wie Wahlen gab es damals noch nicht. Mittlerweile gibt es Monarchien, die ihr Königtum behalten, allerdings auch demokratische Grundrechte eingeführt haben.

Später kam es zu Diktaturen. Dabei herrschte, ebenso wie bei der Monarchie, ein einzelner Machthaber über sein Volk. Im Gegensatz zur Monarchie wird die Macht bei der Diktatur nicht innerhalb der Familie weiter gegeben. Diktatoren gelangen gewaltsam an die Macht und versuchen, diese über lange Zeit hinweg für sich zu beanspruchen. Leider gibt es nach wie vor Länder, die von einem Diktator regiert werden.

Deutschland, Österreich und die Schweiz sind Demokratien. So kannst du dich glücklich schätzen, in einem freien Land geboren zu sein. Als Staatsbürger deines Landes darfst du wesentlich mitbestimmen, was im Staat geschieht. Dein wertvollstes und wichtigstes Recht ist es, wählen zu gehen. Allerdings darf man das erst ab einem gewissen Alter. In vielen Ländern ist die Teilnahme an der Wahl aber bereits ab 16 Jahren erlaubt.

Gewaltentrennung

Gewalt ist normalerweise ein eher negativ behafteter Begriff. Im politischen Zusammenhang ist die Gewalt aber etwas ganz anderes. Damit meint man bestimmte Gruppen im Staat, die auf verschiedene Arten Macht ausüben können. Durch das Prinzip der Gewaltentrennung geht die Macht also nicht nur von einer einzigen Gruppe oder Person aus. Das ist wichtig, damit keine Diktatur entstehen kann.

Man unterscheidet zwischen drei Gewalten, die alle gleichermaßen gebraucht werden, damit die Gesellschaft richtig funktioniert.

Es gibt die gesetzgebende Gewalt (Legislative), die ausführende Gewalt (Exekutive) und nicht zuletzt die Recht sprechende Gewalt (Judikative). Einfach ausgedrückt bedeutet das folgendes:


Die
gesetzgebende Gewalt (Legislative) besteht aus vielen Menschen (sogenannte Abgeordnete), die im Parlament zusammen kommen, um über neue Gesetze zu diskutieren. Jeder Abgeordnete gehört einer bestimmten Partei an, die ihre Interessen im Parlament vertritt. Als Bürger deines Landes darfst du bei den Wahlen mit entscheiden, wie viele Abgeordnete von welcher Partei im Parlament mitreden dürfen.

Die Recht sprechende Gewalt (Judikative) heißt auch „richterliche Gewalt“ oder „Gerichtsbarkeit“. Normalerweise wird die rechtsprechende Gewalt durch die Gerichte und Richter im Land ausgeübt. Am Gericht wird in einem Streitfall eine Entscheidung getroffen. Anhand der geltenden Gesetze entscheidet der Richter, wer Recht hat. Die Recht sprechende Gewalt verkünden ein Urteil, das anschließend vollzogen wird.

Auch die ausführende Gewalt (Exekutive) ist ein Teil der Demokratie. Wenn jemand von der Gerichtsbarkeit ein Urteil erhält, dann muss dieses Urteil auch vollstreckt sein. Es kann sich dabei zum Beispiel um eine Geld- oder Haftstrafe handeln. Damit das Urteil auch tatsächlich vollzogen wird, arbeitet die Judikative eng mit der Exekutive zusammen. Ein Teil der Exekutive ist die Polizei. Sie sorgt im Staat dafür, dass die Gesetze von den Bürgern eingehalten werden. Aber auch die Regierung, sowie die Verwaltung und alle Beamten gehören zur Exekutive. Der Bürgermeister in deinem Ort ist zum Beispiel ebenfalls ein Teil der ausführenden Gewalt.

Grundrechte

In einer Demokratie muss jeder Bürger einige Grundrechte besitzen. Diese stehen einerseits in der Verfassung (Wahlrecht, Meinungsfreiheit und Religionsfreiheit) und sind andererseits als soziale Grundrechte ein Teil der Menschenrechte. Die sozialen Grundrechte sind beispielsweise das Recht auf Wohnung, Nahrung und freie Wahl des Berufs.

Neue Gesetze dürfen die Grundrechte nicht verletzen und werden gründlich überprüft, ehe sie tatsächlich beschlossen werden können.

Religionsfreiheit

Im demokratischen Staat darf jeder Mensch bis zu einem gewissen Grad über sich selbst entscheiden (solange er damit niemand anderem Schaden zufügt). Deshalb gilt in der Demokratie Religionsfreiheit. Das heißt, dass man in einem demokratischen Staat selbst entscheiden darf, welcher Religion man angehören darf. Dieses Grundrecht steht sogar in der Verfassung. Deshalb darf niemand einem anderen Menschen die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Religion aufzwingen.

Nur staatlich anerkannte Religionsgemeinschaften dürfen sich in Gruppen treffen und Gottesdienste abhalten. Darüber hinaus dürfen entsprechende Schulen errichtet und Religionsunterricht angeboten werden. Deshalb gibt es an deiner Schule katholischen (und möglicherweise auch muslimischen oder evangelischen) Religionsunterricht.

Die meisten Menschen in Deutschland, Österreich und der Schweiz sind römisch-katholisch. Sie geben ihr Glaubensbekenntnis mit der Taufe an ihre Kinder weiter. Sobald ein Kind alt genug ist, eigene Entscheidungen zu treffen, darf es sich aber jederzeit zum Austritt aus der Kirche entscheiden. Die Eltern dürfen es weder daran hindern noch Drohungen aussprechen. Denn auch ein Kind muss selbst darüber entscheiden, welchem Glauben es angehören möchte.

Trennung von Kirche und Staat

Zwar ist das Verhältnis zwischen Kirche und Staat teils partnerschaftlich. Allerdings sollen beide unabhängig voneinander agieren. Der Staat soll neutral sein und darf sich nicht mit einer bestimmten Religionsgemeinschaft identifizieren. Denn niemand soll in einem Staat Nachteile haben, nur weil er einer anderen Religionsgemeinschaft angehört, als die Mehrheit.

In manchen Bereichen arbeiten Kirche und Staat dennoch zusammen. So ist es der katholischen Kirche beispielsweise erlaubt, Kirchenbeiträge von ihren Mitgliedern einzufordern. Der Staat unterstützt dies.

Weil Kirche und Staat in der Öffentlichkeit aber grundsätzlich getrennt werden sollten, gibt es immer wieder Streitigkeiten über religiöse Symbole an öffentlichen Orten wie z.B. Schulen. Während man in anderen Staaten (z.B. Frankreich) in der Schule keine religiösen Symbole am Körper tragen oder an den Wänden hängen haben darf, ist die Lage in Deutschland und Österreich nicht ganz so streng.

Seit wann ist Deutschland eine Demokratie?

Nach dem Zweiten Weltkrieg veränderte sich vieles in Europa. Deutschland musste wieder neu aufgebaut werden und stand vor ganz neuen Herausforderungen. Man wollte nun alles anders machen, damit es nicht wieder so weit kommen kann, dass ein Diktator an die Macht kommt. Relativ schnell entstand nach dem Kriegsende im Jahre 1945 eine Volksherrschaft in Deutschland. Die Demokratie im engeren Sinne gab es dann ab dem 15. September 1949. Damals wurde nämlich der erste Bundeskanzler der Bundesrepublik gewählt.

Viel später, nämlich im Jahr 1990 wurden das sehr lange gespaltene Deutschland wieder vereint. So konnte auch die ehemalige DDR das Grundgesetz des demokratischen Deutschland annehmen. So wurde das Grundgesetz zur deutschen Verfassung und gilt bis in die heutige Zeit.

Arbeitsblatt zum Text

1) Erkläre die schwierigen Wörter aus dem Text.

Was bedeutet…

  • Demokratie

  • Monarchie

  • Diktatur

  • Gewaltentrennung

  • Religionsfreiheit

  • gesetzgebende Gewalt

  • Recht sprechende Gewalt

  • ausführende Gewalt

2) Warum ist es wichtig, über die Demokratie Bescheid zu wissen und wählen zu gehen? Sprich mit deinem Sitznachbarn darüber und notiere einige Stichwörter.

3) Gibt es noch andere politische Begriffe, die dir unklar sind? Dann gehe auf http://www.politik-lexikon.at/ und gib den gesuchten Begriff in die Suchleiste ein. Hast du etwas gefunden? Dann schreibe dir eine kurze Erklärung in eigenen Worten auf.

Bewertung:
Bewertungen: 975 Ihre Bewertung: {{rating}}

Über Luise Veltmann

Luise wohnt mit ihrem Mann, ihrem zweijährigen Sohn Max und bald auch mit Kind Nr. 2 in Lübeck. Wenn Sie neben der Arbeit als Autorin für den Elternkompass die Zeit findet, dann geht Luise ins Fitnessstudio oder zeichnet. Die Zeit ist aber knapp, denn der kleine Max liebt es mit seiner Mama zum Kinderturnen zu gehen und Oma und Opa zu besuchen.

Alle Beiträge anzeigen

Newsletter

Für jede Schwangerschaftswoche die passenden Informationen
kostenlos in Ihren Posteingang!