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Gewalt und Missbrauch

Was ist Kindesmissbrauch?

Ungefähr eines von zehn Kindern wird missbraucht. Man spricht von Kindesmissbrauch, wenn an einem Kind Gewalt verübt wird. Manche Kinder […]

Was ist Kindesmissbrauch?

Ungefähr eines von zehn Kindern wird missbraucht. Man spricht von Kindesmissbrauch, wenn an einem Kind Gewalt verübt wird. Manche Kinder werden von Erwachsenen geschlagen, angeschrien oder vernachlässigt. Was genau man darunter versteht und welche Hilfe es für betroffene Kinder gibt, kannst du in diesem Artikel lesen.

Körperliche Gewalt

Manche Eltern sind der Meinung es sei in Ordnung, ihre Kinder zu schlagen, stoßen, schütteln oder anderweitig gewaltsam zu behandeln. Das liegt oft daran, dass sie selbst von ihren Eltern oder Lehrern geschlagen wurden. Oft hört man von der „gesunden Ohrfeige“ und dass diese ja nicht so schlimm sei. Denn: Ungezogene Kinder könne man nur auf diese Art erziehen. Körperliche Gewalt ist aber sehr wohl schlimm und darüber hinaus auch gesetzlich verboten.

Kinder, die geschlagen werden, leiden nicht nur, weil ihnen die Schläge weh tun. Sie sind traurig, weil sie nicht verstehen können, warum ihre Eltern sie schlagen. Diese Kinder fühlen sich nicht mehr geliebt. Manche Kinder werden dann immer trauriger und erzählen anderen nichts darüber. So behaupten sie zum Beispiel, ihre blauen Flecke seien durch „Unfälle“ passiert. Nur wenige schaffen es, sich selbst Hilfe zu holen, indem sie offen mit jemandem darüber sprechen. Die Auswirkungen der körperlichen Gewalt können so weit gehen, dass das Kind ins Krankenhaus muss, weil es stark verletzt wurde.

Wenn ein Kind von seinen Eltern, Großeltern oder sonst irgendjemandem geschlagen wird, kann man Anzeige erstatten. Der Täter erhält dann in den meisten Fällen eine Strafe. Manchmal darf er auch nicht mehr in die Nähe des Kindes.

Dann regelt die Jugendwohlfahrt, ob das Kind weiterhin bei den Eltern wohnen darf oder nicht. Manchmal ziehen Kinder dann zu anderen Familienmitgliedern oder finden in einem Kinderheim Unterschlupf.

Das klingt vielleicht erschreckend für dich. Aber bedenke: Im Kinderheim wird das Kind nicht mehr geschlagen und hat bessere Chancen, auch als Erwachsener ein glückliches Leben zu führen.

Wie erkenne ich körperliche Gewalt an mir und anderen?

Folgendes solltest du dir unbedingt merken: Egal, aus welchem Grund Erwachsene zuschlagen, körperliche Gewalt gegen Kinder ist niemals okay. Auch Schläge auf den Po, weil du „schlimm“ warst sind körperliche Gewalt. Das sind Verletzungen, die bei körperlicher Misshandlung auftreten:

  • Blutergüsse: speziell auffällig große und mehrfach vorhandene Blutergüsse
  • Verbrühungen: Das sind Verletzungen die durch den Kontakt mit heißer Flüssigkeit entstehen. (zB Rötungen durch Eintauchen der Hand in heißes Wasser)
  • Verbrennungen: Zum Beispiel durch Zigaretten, Bügeleisen oder Herdplatten
  • Knochenbrüche: Sie entstehen bei Schlägen mit großer Wucht
  • Verletzungen der Organe: Diese bemerkt man aufgrund von Bauchschmerzen durch Tritte oder Schläge

Seelische Gewalt

Seelische (auch: psychische) Misshandlungen sind ebenso schlimm wie körperliche Gewalt. Wenn Eltern ihre Kinder ängstigen oder ihnen das Gefühl geben, sie seien nichts wert, spricht man von seelischer Gewalt. Seelische Misshandlung kann aber auch so aussehen:

  • Das Kind wird verspottet.
  • Es wird ignoriert und ist seinen Eltern gleichgültig.
  • Manchmal werden Kinder sogar eingesperrt oder alleine gelassen.
  • Auch, wenn Kinder bedroht werden, ist das seelische Gewalt.

All diese Handlungen führen dazu, dass das Kind dem Täter nicht mehr vertrauen kann. Sie bekommen nicht mehr die Liebe, die sie eigentlich benötigen würden. Nicht selten erleiden Kinder zugleich körperliche und seelische Gewalt durch ihre Eltern oder Bezugspersonen. Eine Bezugsperson ist ein Mensch, der dem Kind sehr nahe steht.

Auch Babys und Kleinkinder können Opfer von seelischer Gewalt werden. Weil sie von ihren Eltern abhängig sind, leiden sie besonders stark darunter.

Sexuelle Gewalt

Wenn man als Kind von Erwachsenen an intimen Stellen berührt wird, nennt man das sexuelle Gewalt (auch: sexueller Missbrauch). Fasst ein Erwachsener ein Kind zwischen den Beinen an, ist das nicht okay. Ebenso ist es nicht in Ordnung, wenn ein Erwachsener das Kind dazu zwingt, ihn an intimen Stellen zu berühren.

Kleinere Kinder wissen oft noch nicht, was solche Berührungen bedeuten. In jedem Fall gilt: Wenn sich eine Berührung komisch anfühlt und du das nicht möchtest, musst du es nicht zulassen. Außerdem ist es nicht okay, wenn ein Erwachsener in deiner Gegenwart über sexuelle Dinge spricht.

Andere Familienmitglieder wissen oft darüber Bescheid, dass das Kind missbraucht wird. Sie trauen sich aber nicht, darüber zu sprechen. Das ist sehr gefährlich, weil das Kind dann keine Hilfe bekommt.

Viele Kinder vergessen, dass sie sexuell missbraucht wurden. Man nennt das auch Verdrängung. Das passiert, weil sie sich die seltsamen Berührungen nicht erklären können. Damit schützt das Kind sich selbst.

Manchmal kommen Erinnerungen an sexuellen Missbrauch wieder hoch, wenn man erwachsen geworden ist. Das kann sehr unangenehm sein. Am schlimmsten ist es, wenn niemand dem Opfer glauben will. Trotzdem ist es wichtig, mit jemandem im Vertrauen darüber zu sprechen. Manchmal ist das ein Lehrer oder eine Therapeutin. Diese Personen sind neutral und können besser zuhören, als jemand aus der Familie.

Wie erkenne ich sexuelle Gewalt an mir und anderen?

Folgende Punkte sind Warnsignale und können auf sexuelle Gewalt hindeuten:

  • Das Kind hat Verletzungen im Intimbereich (zwischen den Beinen, am Po, an der Brust).
  • Seltsame Erinnerungen und Träume an Berührungen im Intimbereich kommen immer wieder hoch.
  • Das Kind macht seltsame Bewegungen, fasst anderen zwischen die Beine oder spricht über Sex.
  • Das Kind ist sehr traurig, ruhig oder ängstlich.
  • Es leidet an Schlafstörungen und Albträumen oder Bettnässen.
  • Ess- und Konzentrationsstörungen treten auf.

Vernachlässigung

Jemanden zu vernachlässigen bedeutet, sich nicht mehr um ihn bzw. sie zu kümmern. Wenn ein Kind vernachlässigt wird, bekommt es von seinen Eltern keine Aufmerksamkeit, Nahrung oder Zuwendung mehr.

Weil Kinder auf diese Dinge angewiesen sind, ist auch Vernachlässigung eine Form des Kindesmissbrauchs.

Vernachlässigte Kinder sind meistens auch Opfer von körperlicher, sexueller oder seelischer Gewalt. Oft ist es so, dass Nachbarn oder Verwandte etwas von der Vernachlässigung mitbekommen. Sie trauen sich aber nicht, etwas dagegen zu unternehmen.

Wenn ein Kind vernachlässigt wird, darf man aber auf keinen Fall weg sehen. Deshalb ist es wichtig, etwas dagegen zu unternehmen. Wie das funktioniert kannst du im nächsten Abschnitt nachlesen.

Hilfe bei Kindesmissbrauch

Egal, ob du selbst von Kindesmissbrauch betroffen bist oder es in deinem Freundeskreis vermutest: Du stehst nicht alleine da. Wende dich an einen Vertrauenslehrer oder rufe selbst bei der Telefonseelsorge an (Telefonnummer in Deutschland: 0800/1110111 oder 0800/1110222; Telefonnummer in Österreich und der Schweiz: 147). Die Experten, mit denen du dort sprechen kannst, vermitteln dir dann die Kontaktdaten folgender Stellen in deinem Umkreis:

  • Kinderschutzzentren
  • spezielle Ärzte und Krankenhäuser
  • Jugendwohlfahrt
  • Polizei

Natürlich kannst du auch direkt zur Polizei gehen und eine Anzeige machen. Danach benötigst du allerdings trotzdem Hilfe durch eine der oben genannten Stellen. Auch die Polizeibeamten können dir damit weiter helfen.

Was passiert dann?

Je nachdem, wie es dir bzw. dem Opfer momentan geht, kommt eine Aufnahme im Krankenhaus infrage. Dort werden deine Wunden versorgt.

Normalerweise bekommt man dann ein Erstgespräch mit einem Psychotherapeuten oder einer Psychotherapeutin. Das sind Menschen, mit denen man ganz offen und im Vertrauen sprechen kann. Sie unterliegen der Schweigepflicht. Das bedeutet, dass sie nichts von dem, was du ihnen erzählst, weitersagen dürfen.

Das regelmäßige Gespräch mit dem Psychotherapeuten hilft dabei, das Geschehene zu verarbeiten. So kann man es schaffen, irgendwann nicht mehr traurig oder wütend zu sein.

Die Jugendwohlfahrt wird sich den Fall dann ganz genau ansehen. Wenn das Opfer zuvor mit dem Täter oder der Täterin zusammen gewohnt hat, muss es nicht mehr zurück ziehen. Er oder sie bekommt dann einen Sozialarbeiter bzw. eine Sozialarbeiterin zugeteilt. Das sind Menschen, die sich sehr gut mit Kindesmissbrauch (und ähnlichen Dingen) auskennen. Dann wird man ein geeignetes Kinderwohnhaus suchen. Normalerweise muss das Opfer nicht sofort dort einziehen. Zuerst gibt es einen Schnuppertermin, bei dem man einen Blick auf die Betreuer und das Wohnhaus werfen kann.

Arbeitsblatt zum Text

1) Erkläre die schwierigen Wörter aus dem Text.
Was bedeutet…

  • Vernachlässigen
  • Sozialarbeiter
  • Schweigepflicht
  • Psychotherapeuten
  • Kindesmissbrauch
  • sexuelle Gewalt
  • Bezugsperson
  • seelische Gewalt
  • körperliche Gewalt

2) Schreibe hier die Nummer der Telefonseelsorge für dein Land auf.

3) An welchen Verletzungen kann man körperliche Gewalt erkennen?

Foto: Robert Hoetink / bigstockphoto.com

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Über Luise Veltmann

Luise wohnt mit ihrem Mann, ihrem zweijährigen Sohn Max und bald auch mit Kind Nr. 2 in Lübeck. Wenn Sie neben der Arbeit als Autorin für den Elternkompass die Zeit findet, dann geht Luise ins Fitnessstudio oder zeichnet. Die Zeit ist aber knapp, denn der kleine Max liebt es mit seiner Mama zum Kinderturnen zu gehen und Oma und Opa zu besuchen.

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