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Erziehungstipps

Wenn das Kind nicht hören will

Normalerweise erziehen Eltern ihre Kids bis zu einem gewissen Grad so, wie sie selbst erzogen [...]

Normalerweise erziehen Eltern ihre Kids bis zu einem gewissen Grad so, wie sie selbst erzogen wurden. Und zwar auch dann, wenn sie es eigentlich besser machen wollen.

Viele Praktiken haben sich in die hierzulande gängigen Erziehungsmethoden eingeschlichen, die eine gute Eltern-Kind-Beziehung auf Dauer belasten. Sie sind mitverantwortlich dafür, dass Kids oft nicht folgen.

Mit dem Aufspüren jener schlechten Angewohnheiten beschäftigt sich dieser kleine Ratgeber für mehr oder weniger leidgeplagte Eltern.

Unterschiedliche Botschaften

Erhält das Kind unterschiedliche Botschaften von den beiden Elternteilen, kann das für die Erziehung nur von Nachteil sein.

Setzt ein Elternteil eine Konsequenz, dann ist es keine gute Idee, ihm in den Rücken zu fallen. Absprachen helfen hier weiter. Dazu muss natürlich die Kommunikation zwischen den Elternteilen stimmen.

Besteht ein Problem seit Längerem, dann am besten miteinander besprechen, wie man vorgehen könnte. So beugt man auch vor, vom Kind gegeneinander ausgespielt zu werden.

Leere Drohungen

Fühlen sich Eltern unter Druck gesetzt, weil das Kind nicht folgen will, reagieren viele folgendermaßen: eine dramatische Konsequenz wird angedroht („Ich lasse dich alleine Zuhause, wenn du weiter trödelst.“). Bereits kleine Kids können sehr wohl zwischen solchen Märchen und realistischen Konsequenzen unterscheiden.

Stressige Situationen, in denen man schnell ein Märchen erfinden muss, lassen sich aber vermeiden. Am besten motiviert man die Kids im Vorhinein, sich richtig zu verhalten. Beispiel: „Wenn du es schaffst, um 7:30 Uhr fertig angezogen zu sein, fahren wir vor der Schule noch zum Bäcker und du darfst dir was Leckeres aussuchen.“ Dieses Beispiel ist natürlich nur für Kids sinnvoll, welche die Uhr bereits kennen. Die Forderungen, welche man an das Kind stellt, sollten immer präzise, verständlich und realistisch sein. Ansonsten kann es zu Enttäuschungen und Diskussionen kommen, die einem das Leben erneut schwer machen.

Unklare Botschaften

Ist die Kommunikation mit dem Kind nicht – wie oben erwähnt – präzise und verständlich, wird das Kind nicht folgen.

Das liegt nicht daran, dass die Kinder nicht wollen. Kennt es die Regeln nicht wirklich, weil sie zu schwammig formuliert wurden, fällt es schwer, sich daran zu halten.

Welche Regeln gelten in Ihrem Haushalt? Sind sie prägnant, vom Kind umsetzbar und verständlich? In den meisten Haushalten gibt es nur eine kleine Anzahl wichtiger Hausregeln, die für jeden gelten. Das ist gut so. Allerdings müssen diese wenigen Regeln ganz klar und allen bekannt sein.

Entscheiden Eltern je nach Situation, wie sich das Kind zu verhalten hat, hat es nie die Chance, etwas richtig zu machen.

Liegt hier das Problem, so stellen Sie einige, klare Alltagsregeln auf. Berücksichtigen Sie dabei beispielsweise folgende Dinge:

  • Verhalten am Esstisch: Sollen die Kids sitzen bleiben, bis alle fertig sind oder legen Sie darauf keinen Wert?

  • Wann und wie sollen die Kids ihre Zimmer aufräumen? Oder übernehmen Sie die Aufräumarbeiten, während die Kids aus dem Haus sind?

Passt Ihnen das Verhalten Ihres Kindes in einer bestimmten Situation nicht, so geben Sie klare Anweisungen, statt sich einfach nur aufzuregen.

Bestechungsversuche

Die oben erwähnte Motivation, gemeinsam zum Bäcker zu fahren, sollte eine Ausnahme darstellen. Erziehen Sie Ihr Kind nicht dazu, für alles eine Gegenleistung zu erwarten. Sonst wird es sich nicht mehr an Ihre Regeln halten, wenn es dafür nicht eine materielle Belohnung gibt.

Stattdessen sollten kleine Geschenke etwas Besonderes darstellen. Zum Beispiel als Trost nach einer Impfung beim Arzt.

Inkonsequenz

Drohungen und unangenehme Konsequenzen für das Kind sind schnell ausgesprochen. Diese dann aber auch wirklich durchzuziehen erfordert eine gewisse Härte, die für eine nachhaltige Erziehung unabdingbar ist.

Fordert man ein bestimmtes Verhalten von einem Kind ein, sollte es wissen: Er bzw. sie meint es ernst. Oft halten sich Eltern nicht an diesen Grundsatz, weil sie denken: „Das Kind hält sich doch sowieso nicht dran.“. Resigniert geben sie nach, weil sie dem Druck des Kindes nicht standhalten können.

Stattdessen ist es besser, dem Kind eindringlich und auf Augenhöhe beizubringen, was man von ihm erwartet bzw. wie es sich zu verhalten hat. Kleinere Kinder lenkt man am besten einfach ab und gibt ihnen damit einen „Schubs“ in die richtige Richtung.

Konsequenz zum falschen Zeitpunkt

Damit ein Kind den Grund einer Konsequenz nachvollziehen kann, muss diese möglichst zeitnah gesetzt werden. Es hilft nicht, sondern ist eher hinderlich, wenn man zuerst nachgibt und etwas später dann doch noch Konsequenzen setzt.

Vergeht zu viel Zeit zwischen dem unerwünschten Verhalten und der Reaktion der Eltern darauf, wird das Kind die Welt nicht mehr verstehen. Auch bei vorangekündigten „Strafen“ ist das so. Schlechtes Beispiel: „Wenn du nicht aufhörst, mit dem Essen zu spielen, gibt’s morgen nur Brot für dich.“ Besser wäre: „Isst du nun ordentlich oder gibst du mir lieber deinen Teller?“.

Übrigens sollte die Konsequenz immer eine logische Folge des unerwünschten Verhaltens sein und mit diesem in Zusammenhang stehen. Schlechtes Beispiel: „Wenn du deine Hausaufgaben nicht sofort erledigst ohne weiter zu trödeln, bekommst du heute kein Abendessen!“ Besser wäre: „Bevor du deine Hausaufgaben nicht erledigt hast, darfst du auch nicht spielen gehen.“.

Viel Lärm um nichts

Wie oben bereits erwähnt sollte man immer so mit dem Kind sprechen, dass es das Gesagte nachvollziehen kann. Lange, ausschweifende Sätze führen dazu, dass man schlichtweg ignoriert wird.

Versucht man immer wieder, dem Kind lang und breit zu erklären, was man von ihm will, kann es auf „bockig“ schalten. Dann hat es keine Lust mehr, sich das ständige Gerede der Eltern anzuhören und tut einfach, wonach ihm ist. In diesem Moment weiß es, dass es die Eltern genau dort hat, wo es sie haben möchte.

Erklären Sie dem Kind kurz und bündig, was Sie von ihm möchten. Haben Sie Ihr Anliegen richtig formuliert, reicht es aus, dies einmal auszusprechen. Lassen Sie keine Diskussion zu und fallen Sie nicht dem Irrglauben anheim, ständige Wiederholungen würden die Sache besser machen.

Sich vom Kind erziehen lassen

Kids wissen, wie sie auf ihre Eltern einwirken können. Befürchten diese den Liebesentzug durch das Kind, lassen sie sich ganz leicht um den Finger wickeln. Sie geben dann leicht nach und lassen dem Kind alles durchgehen.

Denken Sie dran: Es ist völlig normal und zudem erforderlich, ab und zu ganz „hart“ auf gewissen Dingen zu beharren. Das Kind leidet nicht darunter, sondern muss diese Grenzen fühlen. Nur so spürt es: Meine Eltern wissen was sie tun. Sie sind stark und ich kann mich auf sie verlassen. Dieses Prinzip findet sich in der Vertrauenspädagogik nach dem Join-Up Prinzip wieder.

Übrigens ist es nötig, das Kind seine Grenzen spüren zu lassen, um sein Gefühl für die Grenzen anderer zu fördern. So lernt es, die Grenzen anderer Menschen zu achten. Spürt es das (Gedulds-) Limit seiner Eltern, lernt es zudem, dass es auch selbst Grenzen haben darf, die niemand überschreiten sollte.

Sparsamer Umgang mit Lob

Meistens reagieren Erzieher und Eltern nur dann, wenn sich ein Kind nicht so verhält, wie es soll. In diesem Moment läuten unsere innerlichen Alarmglocken und wir wissen: „Jetzt muss ich handeln!“. Anders ist es, wenn sich das Kind richtig verhält. Als Erwachsene gehen wir davon aus, dass sich Menschen in unserer Umgebung regelkonform verhalten. Deshalb registrieren wir oft gar nicht, wenn ein Kind zum ersten Mal etwas richtig macht, das ihm möglicherweise zuvor schwer gefallen ist.

Negative Aufmerksamkeit in dieser Form kann dazu führen, dass unerwünschtes Verhalten verstärkt auftritt. Schließlich steht das Kind in diesem Fall nur dann im Mittelpunkt, wenn es genau das Gegenteil von dem tut, was man sich von ihm wünscht.

Vergessen Sie also nicht, Ihr Kind zu loben, wenn es etwas richtig macht. Weil Kids es genießen, ihren Eltern zu gefallen, verstärkt ehrliches Lob gewünschte Verhaltensweisen.

Keine altersgemäße Erziehung

Während ältere Kids und Jugendliche ihr Verhalten sehr wohl unter Kontrolle haben, ist das bei Kleinkindern nicht der Fall. Sie können ihr Verhalten noch nicht so gut steuern und werden daher immer wieder gegen Regeln verstoßen, ohne sich dessen bewusst zu sein. Auch nonverbale Erziehungsmethoden können daran nichts ändern.

Dieser Umstand sollte jedem Elternteil bewusst sein. Er muss in der Erziehung unbedingt berücksichtigt werden.

Ein Zeichen von Hilflosigkeit: emotionale Nötigung

Grundsätzlich wird das Kind nicht braver werden, wenn man ihm gegenüber abwertende Botschaften äußert. Die Beziehung zwischen Eltern und Kind verschlechtert sich dadurch und die Seele des Kindes kann erheblichen Schaden nehmen. Immerhin sind die Eltern – besonders bis zur Pubertät – die wichtigsten Menschen im Leben der Kinder. Ihre Meinung wird hoch geschätzt. Umso schlimmer ist es für Kids, wenn sie von ihren Eltern abgewertet werden. Beispiele für abwertende Botschaften:

  • Du bist sowas von faul.“

  • Du hast doch keine Ahnung vom Leben.“

  • Warum musst du eigentlich so undankbar sein?“

Auch hilft es wenig, das Kind mit Schuldgefühlen zu erpressen (z.B.: „Na toll, jetzt geht’s mir wieder schlecht, weil du dich so verhältst.“).

Natürlich ist es legitim, dem Kind die eigenen Gefühle mitzuteilen. Allerdings nur bis zu einem gewissen Grad und ohne ihm dabei einen Vorwurf zu machen. Beispiel: „Es tut mir weh, dass du mich beschimpfst.“ oder „Ich habe heute Kopfschmerzen. Deshalb möchte ich jetzt nicht mehr mit dir diskutieren.“

Indirekte Gewaltandrohungen

Fühlt man sich hilflos und weiß nicht weiter, kann es schon einmal so weit kommen, dass Sätze wie „Wenn der Papa nachher erfährt, wie schlimm du bist, puh. Da gibt’s dann aber Zorres.“ fallen.

Das ist schade, sollten sich Kids doch eigentlich darauf freuen, wenn ein Elternteil nach Hause kommt. Stattdessen wird mit Aussagen wie dieser Angst geschürt. Das trägt nicht gerade zu einer guten Eltern-Kind-Beziehung bei und schadet obendrein dem Vertrauen des Kindes in Sie.

Besser ist es, den Partner zu erwähnen, wenn man das Kind für richtiges Verhalten lobt: „Das muss ich aber dem Papa erzählen, dass du mir heute so toll geholfen hast! Der wird sich freuen.“ Hier wirkt das Einsetzen des Partners ebenfalls verstärkend – allerdings im positiven Sinne.

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Über Luise Veltmann

Luise wohnt mit ihrem Mann, ihrem zweijährigen Sohn Max und bald auch mit Kind Nr. 2 in Lübeck. Wenn Sie neben der Arbeit als Autorin für den Elternkompass die Zeit findet, dann geht Luise ins Fitnessstudio oder zeichnet. Die Zeit ist aber knapp, denn der kleine Max liebt es mit seiner Mama zum Kinderturnen zu gehen und Oma und Opa zu besuchen.

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