So gelingt zweisprachige Erziehung

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Wenn Eltern mit verschiedenen Muttersprachen ihre Kinder zweisprachig erziehen, ist das eine große Chance für die Kinder. Ob in der Schule oder später im Beruf, Mehrsprachigkeit ist heutzutage relevanter denn je. Dennoch kann eine bilinguale Erziehung auch Schwierigkeiten bringen. Eltern, die planen, ihre Kinder zweisprachig zu erziehen, sollten deshalb ein paar Dinge beachten. Dann haben deren Kinder die besten Startbedingungen.

 

Vorteile zweisprachiger Erziehung

  • Kinder, die schon in jungen Jahren zweisprachig aufwachsen, erreichen in diesen Sprachen normalerweise ein muttersprachliches Niveau. Dieses ist im Erwachsenenalter schwer und nur mit sehr viel mehr Mühe zu erreichen. Und selbst wenn man eine Sprache bis zu einem hohen Niveau erlernt hat, ist ein vollständig akzentfreies Sprechen kaum möglich. In den ersten Lebensjahren ist das Gehirn formbarer und es ist genau diese Zeit, in der die Grundsteine fürs spätere Leben gelegt werden.
  • Durch die frühe Konfrontation mit zwei Sprachen kann sich schneller ein gutes Sprachgefühl entwickeln. Dieses ist sowohl in der alltäglichen Kommunikation als auch beim Erwerb weiterer Sprachen hilfreich. Das Kind ist es schon gewohnt, mit zwei unterschiedlichen Sprachsystemen umzugehen und Informationen von einer Sprache in die andere zu übertragen.
  • Heutzutage ist es in der Geschäftswelt oft sehr wichtig, mindestens zwei Sprachen zu beherrschen. Gerade in internationalen Unternehmen und in den modernen Berufen des digitalen Zeitalters sind Mehrsprachigkeit und ein gutes Sprachgefühl sehr nützlich. In bestimmten Berufen, in denen speziell mit Sprachen gearbeitet wird, sind gerade bilinguale Menschen sehr gefragt.
  • Mit einer erlernten Sprache ist auch immer die Kultur des entsprechenden Landes verknüpft. Ein Kind, dass mehrere Sprachen beherrscht, ist demnach auch mit mehreren Kulturen vertraut. Das Verständnis für Kommunikation zwischen verschiedenen Kulturen ist ebenfalls ein großer Vorteil in den Zeiten der Globalisierung. Aber auch im sozialen Umfeld und in Beziehungen kann die Fähigkeit, sich in die Situation des Gegenübers hineinzuversetzen, sehr hilfreich sein.
  • Untersuchungen ergaben auch, dass Menschen, die im Alltag mehrere Sprachen verwenden, im Schnitt später Demenz bekommen als einsprachig lebende Menschen. Bei der Verwendung von mehr als einer Sprache wird immer wieder das Gehirn trainiert, wenn die Person Impulse unterdrücken muss, zwischen den Sprachen hin- und herzuwechseln.

 

Nachteile zweisprachiger Erziehung

  • Bei der zweisprachigen Erziehung besteht die Gefahr, dass die Kinder keine der beiden Sprachen wirklich gut beherrschen. Dadurch können sie vor allem anfänglich Probleme in der Schule bekommen.
  • Da ein Großteil der Gesellschaft in Deutschland einsprachig aufwächst, fällt ein zweisprachiges Kind in der Schule sehr viel mehr auf. Manchmal kann die Zweisprachigkeit eines Kindes daher zu Ausgrenzung führen und so das Selbstbewusstsein schwächen.
  • Wenn ein Kind Sprachprobleme hat, müssen diese meist in beiden Sprachen behandelt werden. Egal ob physische Probleme oder Schwierigkeiten bei Aussprache oder Grammatik, diese werden höchstwahrscheinlich in beiden Muttersprachen auftreten.
  • Schwierigkeiten können auch auftreten, wenn die Eltern die Sprachen selbst nicht gut beherrschen oder versuchen, ihrem Kind eine später erlernte Fremdsprache als Muttersprache beizubringen. Nicht-Muttersprachlern wird von der zweisprachigen Erziehung generell abgeraten.

Wenn die Eltern jedoch gut vorbereitet sind und die zweisprachige Erziehung ernst nehmen, kann das Auftreten von Problemen stark reduziert werden. So kann das Kind dann ungehindert Sprechen lernen.

 

Worauf achten bei zweisprachiger Erziehung?

Damit ein Kind beide Sprachen möglichst gut erlernen kann, sollten die Eltern jeweils nur in ihrer eigenen Muttersprache mit dem Kind sprechen. Dabei sollten sie konsequent bei dieser einen Sprache bleiben, auch wenn sie vielleicht die andere Sprache auch teilweise beherrschen. So kann verhindert werden, dass das Kind von diesem Elternteil fehlerhafte Grammatik oder Aussprache erlernt. Außerdem kann so gewährleistet werden, dass das Kind wirklich beide Sprachen verwendet.

Trotzdem kann es vorkommen, dass das Kind eine Zeit lang vor allem eine Sprache spricht und dann wieder die andere Sprache. Dies ist normal und kein Grund zur Sorge. Zur Unterstützung der Eltern können natürlich auch andere Familienmitglieder und Bekannte hinzugezogen werden, die dieselbe Muttersprache haben. Das Kind lernt so die Sprache noch besser, in all ihren Facetten und in unterschiedlichen Kontexten kennen und wird außerdem animiert, sie mehr zu benutzen.

Obwohl beide Elternteile mit dem Kind jeweils nur ihre Muttersprache sprechen sollen, ist es wichtig, dass beide jeweils auch die Sprache des anderen verstehen. Wenn ein Elternteil immer wieder alles für den Partner übersetzen muss, wird sich ein Kind früher oder später fragen, warum es überhaupt noch beide Sprachen lernen sollte. Auch im Alltag kann das zum Problem werden, wenn ein Elternteil zum Beispiel nicht Deutsch als Muttersprache hat, die Sprache jedoch bei Gesprächen mit Nachbarn oder Lehrern verwendet. Welchen Stellenwert die jeweilige Sprache für das Kind haben soll, sollten die Eltern deshalb vorher absprechen.

Vor allem die zweite Sprache, die am jeweiligen Wohnort nicht von anderen Menschen gesprochen wird, sollte aktiv gefördert werden. Abgesehen von anderen Familienmitgliedern und Bekannten kann das Kind z.B. auch durch Vorlesen, Musik und Hörbücher in der jeweiligen Sprache bei seiner Entwicklung unterstützt werden. Auch Reisen in das Land, in dem die Sprache gesprochen wird, und der regelmäßige Kontakt zu Bekannten in diesem Land sind hilfreich.

Zusätzlich kann der Besuch eines bilingualen Kindergartens und später einer bilingualen bzw. internationalen Schule sinnvoll sein. Diese gibt es mittlerweile in vielen Städten in ganz Deutschland. Dort können beide Muttersprachen weiter gefördert werden und das Kind wird nicht gezwungen, sich im Alltag nur in einer Sprache zu verständigen.

Zu einer Sprache gehört auch immer eine bestimmte kulturelle Identität. Wenn eine Sprache in Verbindung mit der Kultur des jeweiligen Landes vermittelt wird, ist sie leichter zu erlernen, da Worte und Phrasen mit einem spezifischen Kontext in Verbindung gebracht werden. So fällt auch die Unterscheidung der beiden Sprachen leichter.

 

Bilingualität in Deutschland

Ungefähr 17,1 Millionen Menschen in Deutschland sprechen zwei oder mehr Sprachen und die meistgesprochenen Muttersprachen (nach Deutsch) sind hier Russisch (ca. 3 Millionen Muttersprachler), Türkisch (ca. 2 Millionen Muttersprachler), Polnisch, Kurdisch, Italienisch, Griechisch, Arabisch, Niederländisch, Serbisch, Kroatisch, Spanisch und Englisch. Dennoch gilt Mehrsprachigkeit oft noch als die Ausnahme. Auch wird sie oft als Makel angesehen und mit Sprach- oder auch Integrationsproblemen in Verbindung gebracht.

Doch jede zusätzliche Sprache kann wertvoll sein, auch wenn sie selten gesprochen wird. Übersetzer oder Dolmetscher für seltene Sprachen können höhere Preise verlangen und in jedem noch so kleinen Land gibt es Unternehmen, die bei der Kommunikation im globalen Markt Menschen mit guten Sprachkenntnissen benötigen. Und auch sonst überwiegen die Vorteile der Mehrsprachigkeit und mit tatkräftigem Engagement der Eltern können Probleme oft sehr gut überwunden werden.

 

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