Kindergarten: Probleme des offenen Konzepts

Publiziert am Januar 6, 2025
Janine wohnt mit ihrem Mann, ihrem zweijährigen Sohn Max und bald auch mit Kind Nr. 2 in Lübeck. Wenn Sie neben der Arbeit als Autorin für den Elternkompass die Zeit findet, dann geht Luise ins Fitnessstudio oder zeichnet. Die Zeit ist aber knapp, denn der kleine Max liebt es mit seiner Mama zum Kinderturnen zu gehen und Oma und Opa zu besuchen.
Kindergarten: Probleme des offenen Konzepts

Bei der gruppenoffenen Arbeit, auch “offene Arbeit” genannt, lösen sich Gruppenstrukturen im Kindergarten auf. Aber auch die Bindungen zu den Erziehern werden fallen gelassen. Viele Kleinkinder haben damit große Probleme, es fehlt die Geborgenheit in dem beschränkten Kreis der Gruppe.

Offene Arbeit – was bedeutet das für die Kinder?

Seit den 1970er Jahren wird immer häufiger die offene Arbeit dem situativen oder funktionsorientierten Ansatz vorgezogen. Nach dem Vorbild Rousseaus, Montessori und Piaget wurden die Gruppen zugunsten freier Betätigung aufgelöst. Die Kinder suchen sich ihre Beschäftigung und Spielpartner selbst aus, indem sie zwischen den offenen Themenräumen und den dargebotenen Materialien wählen können. Dabei werden nun “Bezugserzieher” vorgestellt, deren Bezug aber einseitig funktionieren soll. Sie sind hauptsächlich ein Ansprechpartner für die Eltern bezüglich des Entwicklungsstandes. Für die Kinder der offenen KiTas sollen alle jeweilig anwesenden Erzieher als Bezugspersonen fungieren.

Gruppenoffener Kindergarten – und die Kleinsten gehen unter

Problematisch ist das offene pädagogische Konzept für die Arbeit mit den ganz Kleinen zwischen 0 und etwa zwei Jahren. Kinder in diesem Alter können noch nicht unbedingt Entscheidungen treffen. Zum einen fehlt oft die Handlungsmöglichkeit, wenn sie noch nicht laufen können. Manche Kinder können auch noch nicht mitteilen, dass sie jetzt malen wollen, aber die Farben nicht allein aufkriegen. Zum anderen sind nicht alle Kinder fähig, mit der Fülle an Informationen umzugehen. Deshalb sind manche Kinder schon nach wenigen Stunden in den offenen Räumen überfordert.

Wenn Kinder zu viel Stress erleben: offene Arbeit und Kleinstkinder

Manchen Kindern fehlt in der gruppenoffenen KiTa das “Nestchengefühl”, die Sicherheit der kleinen und festen Gruppe mit den festen Erziehern einer zusammengehörigen Gruppe. Dann kann es zu einem Rückzug der Kinder kommen oder der Stress wird hinterher in der Sicherheit von Mamas oder Papas Armen schreiend zum Ausdruck gebracht.

Die Auflösung der Gruppenstruktur im Kindergarten, wie in der offenen Arbeit praktiziert, ist also oftmals erst ab einem Alter von zwei oder drei Jahren sinnvoll, je nach Persönlichkeit des Kindes. Aber auch größere Kinder können unter der offenen Arbeit leiden. Vor allem aber die Bindungsstruktur (siehe Bindungstheorie) der Kinder kann unter der offenen und gleichzeitig bindungslosen Erziehung leiden, da es in ihrem Tagesablauf keine feste Größe gibt als einem Erzieher, der sie kennt und der immer für sie da ist.