Pucken – So funktioniert’s und deshalb ist es sinnvoll

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Zu den Quellangaben

Pucken (im englischsprachigen Raum auch swaddling genannt) ist eine Technik, die Babys beruhigen soll. Dabei wird der Säugling fest in ein Tuch eingewickelt.

Das Ganze hat mit dem Moro Reflex zu tun. Dieser bewirkt dass Babys bei plötzlichen Veränderungen der Umwelt (Geräusche, Erschütterungen) die Gliedmaßen ausbreiten. Dieser Reflex ist angeboren und tritt auch dann ein, wenn die Babys schlafen.

Durch den Moro Reflex erschrickt das Baby und wird schlagartig wach. Und zwar selbst dann, wenn das Geräusch oder die Bewegung selbst nicht stark genug wäre, um das Kind aus dem Schlaf zu reißen.

Zudem soll das feste Einwickeln dem Baby eine gewisse Geborgenheit vermitteln, die es noch von der Enge der Gebärmutter kennt. Neugeborene sind an die Begrenzung des Mama-Bauches gewöhnt. Umso beruhigender wirkt es auf sie, wenn sie sich auch nach der Geburt in einer solchen Geborgenheit wiederfinden.

Entstehung der Technik

Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts hinein war es üblich, Kinder sehr fest in ein Tuch zu wickeln. Allerdings waren die Gründe damals ganz andere, als heute. Man ging fälschlicherweise davon aus, dass der Babykörper von alleine nicht stabil genug sei. Er brauche die Festigkeit der Decke, nahm man an.

Etwas später sah man das Einwickeln des Kindes als unnötig und eher hinderlich an. Das feste Wickeln würde das Kind zu sehr einengen, war dann die Devise. Rückblickend erscheint der Schluss naheliegend, dass dieser Umschwung nicht zuletzt mit einem Wertewandel in der Gesellschaft zu tun hatte. Zwischen strenger Nachkriegszeit und den Revolten der 69er entwickelte sich der Wunsch nach mehr Freiheit und Frieden. Auch der Umstieg von der engen Säuglingswickelung zu Tragetüchern passierte zu dieser Zeit. Ob hier wirklich ein Zusammenhang besteht, ist unklar.

Jedenfalls trifft man heute beide Gedankengänge an. Die einen sind davon überzeugt, das Baby ohne Wickelung „offen“ liegen zu lassen oder mit einem Tuch an den eigenen Körper zu binden. Andere lassen das Einwickeln wieder aufleben und sehen sich damit klar im Vorteil.

Kritik am Pucken

Das wieder auflebende Pucken stößt nicht nur auf zustimmende Worte. Genannt sei an dieser Stelle das Buch „Gefesselte Kinder“ von Ralph Frenken. Er erklärt: Wickelt man die Babys ein, verwehrt man Ihnen das Ausleben des kindlichen Bewegungsdrangs. Das Argument der Geborgenheit sei nur eine vorgeschobene Ausrede der Befürworter, die ihre elterliche Ruhe durch Pucken genießen würden.

Viele Kinderärzte warnen sogar vor dem Pucken. Die Kinder könnten unter einer Überhitzung leiden. Werden sie zu eng eingepuckt, könnten sogar Nerven eingeklemmt werden. Zudem sei es nachgewiesen, dass das Risiko für eine Hüftdysplasie durch das Einpucken ansteige.

Eingepuckte Kids liegen länger, als Babys, die nicht eingewickelt wurden. Damit kann der Hinterkopf abplatten.

Auch folgender Gedankengang ist einleuchtend: Wäre es so gut für das Kind, eingewickelt zu werden, dann käme es wohl mit einer Decke auf die Welt. Ebenso wie wir keine Absätze an den Füßen brauchen, sei demnach auch das Pucken eine nutzlose oder sogar gefährliche Modeerscheinung. Darüber, dass Kids schließlich mit allem, was sie brauchen auf die Welt kommen, lässt sich kaum streiten.

Nicht zuletzt darf man nicht ignorieren, dass sich die Babys intuitiv gegen das Pucken wehren. Zumindest zu Beginn erscheint diese Methode alles andere als kindgerecht zu sein. Natürlich geben Säuglinge ihre Abwehr mit der Zeit auf und ergeben sich ihrem Schicksal, was man aber nicht als Zustimmung für diese Prozedur werten sollte. Damit ist auch das Argument, Pucken sei beruhigend, widerlegt.

Ein Grund für das ruhigere Verhalten eingepuckter Kinder ist, dass sie mitunter nicht einmal Luft holen können, um zu schreien. Noch ein Indiz, das für Bewegungsfreiheit und gegen das Pucken spricht.

Sanftes Pucken

Macht man es richtig, so wird das Kind durch das Pucken nicht „gefesselt“. Außerdem soll die Einwickeltechnik ausschließlich nachts eingesetzt werden. Dazu verwendet man ein Tuch, eine Decke oder noch besser: einen speziellen Pucksack. Dieser lässt die Arme des Kindes frei und sieht ein wenig wie ein Schlafsack aus. Empfehlenswert sind auch die Schnell-Puck-Modelle aus den USA (z.B. das „SwaddleMe“).

Die genaue Technik lässt man sich am besten von einer Hebamme zeigen. Sich von jemandem Hilfe zu holen, der sich auskennt, ist wirklich wichtig. Nur so lassen sich Folgeschäden vermeiden.

Kinder mit Hüftschäden dürfen unter keinen Umständen gepuckt werden. Speziell dann nicht, wenn sie eine Hüft-Beuge-Schiene oder Spreizhose tragen müssen. Denn dadurch könnte sich die Fehlstellung noch verschlimmern.

Hat das Kind Fieber, dann darf ebenfalls nicht gepuckt werden. Die Gefahr eines Hitzestaus wäre ansonsten zu gefährlich. Vorsicht ist auch im Sommer geboten.

Zur Erinnerung: Das Baby keinesfalls zu eng einpucken. Ansonsten wird die Atmung des Babys beeinträchtigt. Es ist dann nicht mehr in der Lage, seinen Brustkorb ausreichend auszudehnen. Denken Sie auch daran, das Baby nicht zu häufig in (eingepuckter) Rückenlage liegen zu lassen. Dadurch kann nicht nur der Hinterkopf verformt werden. Auch die motorische Entwicklung leidet unter einer dauerhaften Rückenlagerung.

Was spricht für das Pucken?

Man sollte immer zwischen zu festem, unqalifiziertem Einpucken und sanftem Pucken unterscheiden. Wickelt man das Kind nicht zu fest ein, kann es vom Pucken auch profitieren. Das gilt insbesondere für Frühchen und Neugeborene, denen der zusätzliche Halt – und auch das wurde nachgewiesen – gut tut. Damit fühlen sie sich wohler, können leichter einschlafen und sind insgesamt ausgeruhter.

Bei sanftem Pucken geht es nicht darum, das Baby zu fixieren, sodass es sich nicht mehr bewegen kann. Stattdessen gibt man dem Kind einen schützenden Raum der Geborgenheit. Macht man es richtig, dann kann sich das Kind annähernd so frei bewegen wie bei der Lagerung im Tragetuch.

Tipps zum Pucken

Hat man von einer Hebamme gelernt, wie richtig gepuckt wird, können außerdem folgende Tipps hilfreich sein.

  • Das Baby möglichst früh nach der Geburt einpucken. Das Neugeborene ist noch an die Enge der Gebärmutter gewöhnt.

  • Trotzdem immer auf die Reaktion des Kindes achten. Die Methode wirkt auf viele Kids beruhigend, wird aber nicht von allen als angenehm empfunden. Wehrt sich das Kind, dann sollte man das Pucken lieber sein lassen. Macht es den Anschein, dass es sich wohl und geborgen fühlt? Dann kann man getrost weiterhin pucken. Jedes Kind hat andere Vorlieben und Bedürfnisse.

  • Ist das Kind krank, hat es eine Behinderung oder Missbildung? Dann ist das Gespräch mit dem Arzt obligatorisch, bevor man mit dem Pucken beginnt. Er kann genaue Auskünfte darüber geben, ob die Methode im individuellen Fall zielführend oder eher hinderlich ist.

  • Das Pucken wird bei Babys ausschließlich in den ersten Wochen nach der Geburt empfohlen. Aber Achtung: Der Moro Reflex kann bis zu einem Alter von fünf Monaten auftreten.

  • Aufhören sollte man auf jeden Fall mit dem Pucken, sobald das Baby beginnt, sich mehr zu bewegen. Dreht es sich eingepuckt auf den Bauch, dann hat es nicht genügend Bewegungsfreiheit um sich wieder zurückzudrehen. Liegt es für lange Zeit unbeobachtet so auf dem Bauch, könnte das gefährlich werden und ist zumindest äußerst unangenehm für das Kind.

  • Nach einiger Zeit haben Kids einen großen Bewegungsdrang. Sie möchten Strampeln und sich auf der Unterlage bewegen. Statt dem Einpucken kann man einen größeren Babyschlafsack verwenden.

  • Bedenken Sie, dass das Pucken kein Universalheilmittel sein kann. Trotz dem Einpucken hat es bestimmte Bedürfnisse, die von uns Erwachsenen erfüllt werden müssen. Vielleicht weint es, weil es Hunger hat, gewickelt werden möchte oder sich wünscht, seine Eltern zu spüren. Es dann einfach einzupucken ist hier eindeutig die falsche Reaktion.

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