Wie gefährlich ist Herpes für Dein Baby?

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Wie kannst Du verhindern, dass Du ein Herpes Baby zur Welt bringst? Was kannst Du tun, wenn Du mit Herpes, einer Herpes Lippe oder einem Herpes genitalis, infiziert bist?

Oder schlimmer: Was passiert, wenn Herpesviren Dein Baby infiziert haben?

Herpes – ein harmloses Virus?

Laut WHO sind mehr als ein Drittel der Weltbevölkerung mit dem Herpesvirus infiziert. Allein in Deutschland sind es 67 Prozent der bis zu Fünfzigjährigen.

Gefühlt hat fast jeder schon einmal eine Herpes Lippe gehabt, oder? Zumindest kennt jeder mindestens eine Person im engeren Familienkreis, die hin und wieder unter Lippenherpes leidet oder ist selbst davon betroffen.

Der Reihe nach, wovon genau ist die Rede, wenn vom Herpes Baby gesprochen wird?

Was sind Herpesviren?

Die Herpesviren gehören der Familie Herpesviridae an. Eine große Familie mit mehr als 170 verschiedenen Spezies. Unter den Viren zeichnen sie sich besonders durch ihre Größe und Komplexität aus.

Die Herpesviren sind äußerst wandlungsfähig. Hier die wichtigsten Arten, die den Menschen gefährlich werden können:

  • Herpes-simplex-Virus Typ 2 – u. a. Genitalherpe
  • Herpes-simplex-Virus Typ 1 – u. a. Lippenherpes, Genitalherpes
  • Varicella-Zoster-Virus – u. a. Windpocken, Gürtelrose
  • Epstein-Barr-Virus – u. a. Hepatitis, Enzephalitis, Hodgkin-Lymphom
  • Humanes Herpesvirus 5 bis 8 – diverse Erkrankungen

Im Hinblick auf eine Schwangerschaft können die Herpesviren Typ 1 und 2, sowie das Herpes-Zoster Virus für das Neugeborene gefährlich werden.

Hier soll es um die beiden Herpes simplex Viren Typ 1 und 2 (HSV 1 und HSV 2) gehen. Die Auslöser der Herpes Lippe und des Herpes genitalis.

Wie werden die HSV Typ 1 und 2 übertragen?

Mit dem Typ 1 Virus ist nahezu die gesamte Menschheit schon einmal in Berührung gekommen. Die Erstansteckung erfolgt meistens im Kindesalter, ohne zunächst irgendwelche Symptome hervorzurufen.

HSV 1 ist in erster Linie Verursacher der Herpes Lippe. Es häufen sich allerdings die Fälle, in denen dieses Virus auch Genitalherpes verursacht. Die größte Ansteckungsgefahr lauert hier beim Oralverkehr.

Eine Ansteckung mit dem Typ 2 Virus erfolgt meist später, mit den ersten Sexualkontakten. Zurzeit ist der Herpes Genitalis weltweit auf dem Vormarsch, während der Lippenherpes langsam zurückgeht, zumindest auf der Nordhalbkugel.

Die Übertragung der Viren findet in beiden Fällen am häufigsten durch einen direkten Kontakt mit dem infektiösen Sekret der Hautbläschen statt. Eine Übertragung durch die Luft oder durch Gegenstände ist grundsätzlich möglich, aber selten.

Die Viren können an der Luft nicht lange überleben.

Mit Herpes angesteckt und was passiert dann?

Nach der erstmaligen Ansteckung, der Primärinfektion, passiert häufig erst einmal gar nichts. Die WHO geht davon aus, dass dies in über 70 Prozent der Fall ist. Die Viren dringen durch die Haut und Schleimhaut ein.

Sie nisten sich danach mit Vorliebe in den jeweils nahe gelegenen Nervenzellen ein. Hier warten sie geduldig auf ihre Chance. In der Medizin spricht man von einer latenten Infektion. Das heißt, es gibt keinerlei Symptome (asymptomatisch), aber es kann jederzeit zu einem akuten Ausbruch kommen.

Nach der Infektion mit Herpesviren

Beim HSV 1 kommt es zu den unangenehmen Lippenbläschen, einer Herpes Lippe. Der HSV 2 verursacht in seiner akuten Phase die gleichen Hauterscheinungen, nur im Bereich der Vagina und des Penis (Herpes genitalis).

Bei einigen Menschen bleiben die Viren ein lebenslang in den Nervenzellen und rühren sich nicht. Bei anderen kommen sie sofort hervor, sobald die Gelegenheit günstig ist. Folgende Gelegenheiten bieten optimale Bedingungen:

  • Andere Krankheiten oder Infekte
  • Psychischer Stress
  • Hormonelle Umstellung (Menstruation, Schwangerschaft)

Treffen die Viren gleich auf ein günstiges Milieu, kann es zwei bis vierzehn Tage bis zum Ausbruch der Bläschen dauern (Inkubationszeit).

Allerdings schafft es das Immunsystem in den meisten Fällen, die Viren soweit zu vernichten, dass es zu keinen Symptomen kommt. Einige wenige können sich jedoch immer retten. Die verstecken sich dann in den Nervenzellen, ganz in der Nähe ihrer Eintrittsstelle.

Hier sind sie für die Immunabwehr nur schwer erreichbar. Beim HSV 1 sind es die Zellen des Nervus trigeminus (Gesichtsnerv). Der HSV 2 bevorzugt das Nervengeflecht in der Nähe des Rückenmarks als Versteck.

Von dort aus können die Viren theoretisch jeder Zeit reaktiviert werden. Das nennt sich dann Sekundärinfektion.

HSV-Infektion, der weitere Verlauf

Bei einer „erfolgreichen“ Primärinfektion kann es gut zwei Wochen dauern, bis die Bläschen verheilt sind. Kommt es zu weiteren Reaktivierungen im Laufe des Lebens, so sind die unangenehmen Hauterscheinungen meistens nach zwei oder drei Tagen vergessen.

In dieser aktiven Zeit besteht immer akute Ansteckungsgefahr. Die Flüssigkeit in den Bläschen ist hochinfektiös.

Es gibt zwei nennenswerte Komplikationen. Im weiteren Verlauf einer akuten Herpes simplex Typ 1 oder 2 Infektion kann es, in ganz seltenen Fällen, zu einer Enzephalitis (Gehirnentzündung) kommen.
Die zweite mögliche Komplikation ist eine Ansteckung des Kindes während und nach der Schwangerschaft sowie bei der Geburt.

Wann ist Herpes beim Baby gefährlich?

Fast die ganze Menschheit ist infiziert. Dennoch muss nicht jede Mutter einen Herpes beim Baby befürchten. Erfahre zunächst, wann sich das Baby mit dem Virus anstecken kann:

Herpesinfektion während und nach der Schwangerschaft

In der Schwangerschaft müsste eine Ansteckung über das Blut erfolgen (transplazentär, über den Mutterkuchen). Das ist grundsätzlich zwar möglich, aber sehr selten, da die Herpesviren normalerweise nicht in die Blutbahn gelangen.

Auch nach der Geburt ist eine Ansteckung möglich (postpartal). Neugeborene haben noch kein ausgebildetes Immunsystem und sind daher besonders anfällig. Die ersten drei Monate sind besonders riskant für Ansteckungen aller Art.

Der Nestschutz (Immunisierung durch den Blutkreislauf der Mutter) ist nicht immer ausreichend. Es ist also generell äußerste Vorsicht geboten, bei direkten Kontakten mit einem Neugeborenen.

Erst recht natürlich, wenn die Mutter oder eine andere Kontaktperson an einem akuten Lippenherpes leiden. Kontaktvermeidung und Hygiene sollten dann an erster Stelle stehen.

Herpes während der Geburt

Die weitaus größere Gefahr einer Übertragung von Herpes auf das Baby besteht bei einem aktiven Genitalherpes der Mutter bei der Geburt (intrapartal).

Das passiert in rund 85 Prozent der Fälle eines Herpes Baby: Die Ansteckung mit Genitalherpes durch den direkten Kontakt beim Geburtsvorgang.

Eine Erstinfektion ist in der Schwangerschaft besonders riskant. So kann es dazu kommen, dass sich im Blut der Mutter noch keine, oder nicht genügend, Antikörper bilden konnten, um sie dem Kind mitzugeben.

Außerdem ist die akute (ansteckende) Phase bei einer Erstinfektion länger als bei einem reaktivierten Herpesausbruch. Es ist unerheblich, ob der Genitalherpes durch einen HSV Typ 2 oder Typ 1 verursacht wurde.

Kurz und bündig die größten Gefahren für ein Herpes Baby:

Eine Übertragung von Herpes genitalis erfolgt meistens bei der Geburt, wenn die Mutter an einem aktiven Genitalherpes nach einer Primärinfektion leidet.

In den ersten Monaten nach der Geburt kann das Baby vor allem durch unachtsamen Kontakt mit einer Person, die an einem aktiven Lippenherpes leidet, angesteckt werden.

Herpes in der Schwangerschaft, was tun?

Bei den Ursachen für eine Reaktivierung der Herpesviren klang es bereits an, auch eine Schwangerschaft kann die Herpes Viren aus ihrem Versteck locken. Das ist leider gar nicht mal so selten.

Das Immunsystem wird durch die Hormonumstellungen anscheinend leicht geschwächt. Wenn Du hin und wieder unter Lippenherpes leidest, ist es sogar sehr wahrscheinlich, dass sie während der Schwangerschaft einmal aufblühen werden.

Am besten Ruhe bewahren, nicht berühren und mit einer antiviralen Salbe behandeln, dann sollten sie in drei Tagen vergessen sein.

Von offizieller Seite werden keine Routineuntersuchungen auf HSV 1 oder 2 angeboten. Die gängigsten Untersuchungen während der Schwangerschaft findest Du hier beschrieben.

An einem Impfstoff gegen Herpesviren wird zurzeit gearbeitet. Wenn Du unsicher bist, weil Du oder Dein Partner mit dem Thema Genitalherpes schon zu tun hattet, solltest Du mit Deiner Gynäkologin, Deinem Gynäkologen unbedingt darüber sprechen.

Lippenherpes nach der Geburt

Besonders gefährlich ist ein Lippenherpes eigentlich nur nach der Geburt und dann noch die ersten drei Monate. In der Zeit der akuten Phase sind Kontaktvermeidung und sorgfältige Hygiene unvermeidlich.

Noch gefährlicher sind andere Personen mit einem aktiven Herpes für das Baby . Solltest Du selbst noch nie infiziert worden sein, wird Dein Kind auch keinen Schutz von Dir abbekommen haben.

  • Bei Lippenherpes nach der Geburt
  • Kontakt zum Kind vermeiden
  • Bläschen nicht mit den Fingern berühren
  • Im selben Raum mit dem Kind einen Mundschutz tragen
  • Häufig gründlich die Hände waschen

Sie ist nur kurz, die Zeit der blühenden Bläschen. Halte Dich strikt an diese Ratschläge, um kein Risiko einzugehen.

Herpes genitalis während der Geburt

Solltest Du in der der Schwangerschaft einen Herpes genitalis feststellen, geh sofort zum Arzt. Er wird Dich antiviral behandeln, in der Regel mit Aciclovir lokal oder systemisch (Tablettenform).

Bricht ein Genitalherpes zum Geburtstermin aus, wird das Kind vorsichtshalber per Kaiserschnitt geholt.

Die Gefahr, sich erstmalig mit Herpesviren anzustecken, nimmt durch die Schwangerschaft nicht zu. Allerdings sollte man sich der Gefahr einer Ansteckung dann besonders bewusst sein. Das heißt:

  • Am besten auf häufig wechselnde Geschlechtspartner*innen zu verzichten
  • Kondome können schützen
  • Den Zusammenhang Lippenherpes – Oralverkehr – Genitalherpes, auch im Hinterkopf haben
  • Das Immunsystem unterstützen! Entsprechende Ernährung*, ausreichend Schlaf, Bewegung und Stressvermeidung verringern das Risiko, die Viren zu aktivieren

Erkenne die ersten Anzeichen von Herpes beim Baby

Auch wenn Genitalherpes kein Thema bei den Eltern ist, kann es zu einer Ansteckung, zu einem sogenannten Herpes Baby, kommen.

Doch keine Panik, das ist äußerst selten. Die Mutter scheidet in diesen Fällen Herpes Viren aus, obwohl sie keinerlei Anzeichen einer akuten Erkrankung zeigt. Wie erkennst Du, ob Herpes auf Dein Baby übertragen wurde?

Herpes beim Baby heißt „Herpes neonatorum“

Herpes beim Baby ist eine eigenständige, ernsthafte Erkrankung und nicht mit einem Herpes bei Erwachsenen zu vergleichen. Der entscheidende Unterschied ist das noch schwach ausgebildete Immunsystem bei Neugeborenen.

Mögliche äußere Anzeichen:

  • Kleine Herpesbläschen überall auf der Haut
  • Hornhauteintrübung
  • Fieber
  • verweigert Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme
  • Erbrechen
  • Erschöpfung, Apathie

In etwa der Hälfte aller Fälle, geht die Infektion auf die inneren Organe, auf das Nervensystem oder sogar ins Blut über. Die gefährlichsten Komplikationen sind eine Sepsis und eine Gehirnentzündung.

Die Überlebenschancen für das Herpes Baby sind dann gering.

In der Medizin werden bei einem Herpes Baby (Herpes Neonatorum) drei Verlaufsformen unterschieden.

1. Die HSV-Infektion ist auf Haut- und Schleimhäute beschränkt

Auch die Bindehaut und die Hornhaut sind betroffen. In der Folge kann es zu einer dauerhaften Einschränkung der Sehfähigkeit des Kindes kommen. Mit den Folgen einer Sehstörung, Hornhauteintrübung oder Erblindung.

Durch die Herpesbläschen im Mundbereich kann es zu einer vollständigen Verweigerung der Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme kommen.

2. Die Infektion greift auf das zentrale Nervensystem über

Eine Woche nach der Geburt oder Ansteckung zeigen die Säuglinge grippeähnliche Symptome. Bei manchen bilden sich die typischen Bläschen, nicht nur im Mundbereich. Jetzt heißt es schnell handeln.

Wenn eine antivirale Therapie erfolgt, liegen die Chancen auf eine Heilung noch bei 50 und mehr Prozent. Im Gehirn greifen die Viren neurologische Strukturen an und hinterlassen bleibende Schäden.

Selbst bei einer Heilung können bleibende Hirnschäden das Kind lebenslang einschränken.

3. Die Herpesviren gelangen ins Blut

Medizinisch heißt es dann, die Virusinfektion ist systemisch geworden (Blutvergiftung). Die Viren greifen über den Blutkreislauf die lebenswichtigen Organe an. Wird nicht sofort gehandelt, kommt es zu einem Multiorganversagen.

Bei der ersten, sozusagen oberflächlichen, Verlaufsform sind die Überlebenschancen gut. Dennoch ist schnelles Handeln gefordert, da es sonst zu bleibenden Sehstörungen kommen kann.

Bei den letzten beiden Verlaufsformen ist die Prognose eher schlecht. Hier entscheidet ein schnelles Eingreifen über Leben und Tod.

Wenn auch nur der geringste Verdacht auf ein Herpes Baby besteht, keine Zeit verlieren, das ist ein Notfall.

Quellen

https://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/herpes-simplex-1-zwei-drittel-der-menschen-sind-infiziert-a-1059997.html

https://www.aerzteblatt.de/archiv/19056/Der-Herpes-genitalis

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/ausgabe-472008/neues-aus-therapie-und-forschung/

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