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Familienprobleme

10 Tipps, die Kindern das Leben während der Trennung der Eltern erleichtern

Es ist sehr unangenehm, wenn Eltern ständig streiten. Manche schreien sich sofort an, wenn sie sich sehen. Andere sprechen gar […]

10 Tipps, die Kindern das Leben während der Trennung der Eltern erleichtern

Es ist sehr unangenehm, wenn Eltern ständig streiten. Manche schreien sich sofort an, wenn sie sich sehen. Andere sprechen gar nicht mehr miteinander. In jedem Fall sorgt diese Stimmung für miese Laune bei dir und deinen Geschwistern. Vielleicht fühlst du dich Zuhause nicht mehr wohl oder hältst deine Eltern nicht mehr aus.

Viele (Ehe-)Paare trennen sich, wenn sie gar nicht mehr miteinander klar kommen. Manche davon waren zuvor einige Jahrzehnte lang zusammen. Doch plötzlich will es nicht mehr funktionieren. Warum auch immer sich deine Eltern trennen: bestimmt leidest du darunter. Die meisten Kids fühlen sich mitschuldig und möchten die Trennung verhindern. Mit der Zeit bekommen sie mit, dass sie in dieser Hinsicht allerdings machtlos sind. Denn deine Eltern müssen selbst über ihr Leben bestimmen. Da du ein Teil dieses Lebens bist, betrifft dich das Ganze aber – egal, ob du etwas zu sagen hast, oder nicht.

Manchmal kommen auf betroffene Kids schwierige Entscheidungen zu. Denn ziehen deine Eltern auseinander, so musst du dich für einen der beiden Entscheiden. Den jeweils anderen Elternteil wirst du dann nur noch selten sehen. Trotzdem ist das kein Grund zum Verzweifeln. Wir möchten dir heute einige Tipps geben, wie du mit der Trennung deiner Eltern besser klar kommst.

Tipps zum Umgang mit Trennungen

Trennungen sind schwierig, gehen aber vorbei. Momentan mag alles sehr schlimm auf dich wirken. Sorgen und Probleme kommen auf dich und deine Eltern zu, über die du dir noch nie zuvor Gedanken machen musstest. Um diese schwierige Zeit möglichst gut zu überstehen, solltest du auf dein eigenes Wohl achten. Die folgenden Tipps helfen dir dabei.

1) Nicht einmischen
Erstens ist es die Sache der Eltern, wenn sie sich trennen. Zweitens ist es nicht deine Aufgabe, für einen der beiden Partei zu ergreifen oder dich anderweitig einzumischen.

Deshalb solltest du dich niemals in die Beziehung deiner Eltern einmischen. Auch, wenn einer von beiden eine andere Liebesbeziehung hat, muss dieser Elternteil nach wie vor für dich sorgen. Zwar kannst du deinen Eltern dann ruhig mitteilen, dass du dich verletzt fühlst. In ihren Diskussionen und Streitigkeiten bist du als Kind aber Fehl am Platze.

Sollten dich deine Eltern nach deiner Meinung fragen (sei es einzeln oder gemeinsam), so halte dich lieber raus. Sprich ganz klar aus, dass du dich in diese Beziehungsdinge nicht einmischen möchtest. Die Probleme deiner Eltern betreffen dich nicht und deshalb solltest du weder vor die Wahl gestellt, noch in den Streit hineingezogen werden. Sei dir dessen bewusst und lasse es nicht zu.

2) Auszeit nehmen
Es wird dir zu viel und du hältst es wirklich nicht mehr Zuhause aus? Wenn du alt genug bist, kannst du möglicherweise einige Tage bei einer Freundin, einem Freund oder einem Familienmitglied verbringen.

Das hilft, den ersten Schock besser zu verdauen. Deine Freunde werden versuchen, dich so gut wie möglich von dienen Sorgen abzulenken. So kannst du dich besser auf dich selbst konzentrieren und Abstand zur Trennung deiner Eltern gewinnen.

3) Kenne deine Rechte
Sobald du 14 Jahre alt bist, kannst du mitbestimmen, zu wem du ziehen möchtest. Sobald du weißt, was du willst, sprich mit jedem Elternteil einzeln. So vermeidest du neuerliche Streitigkeiten, in die du bestimmt nicht mit hineingezogen werden willst. Falls nötig, kannst du Kompromisse vorschlagen oder erklären, warum du dich so entschieden hast. Sage zum Beispiel ganz klar, wenn du der Meinung bist, dass einer der beiden weniger Zeit für dich haben wird oder sich nicht so gut um dich kümmern kann. Bedenke auch, dass ein Umzug eventuell einen Schulwechsel und den Verlust einiger Freunde mit sich bringen kann. Denke auch darüber nach und lasse es in deine Entscheidung mit einfließen.

Übrigens hast du grundsätzlich das Recht, von beiden Elternteilen aufgezogen zu werden. Denn du brauchst deine Mutter gleichermaßen wie deinen Vater. Sollte einer der beiden eine Gefahr für dich darstellen, wirst du denjenigen nur unter Aufsicht besuchen dürfen. In jedem Fall musst du auf keinen der beiden verzichten.

4) Sich an die neue Situation gewöhnen: Alles braucht seine Zeit
Erwarte bitte nicht von dir selbst, alles gleich auf die Reihe zu bekommen. Es kann sein, dass du dir in der Schule etwas schwerer tust, solange du den Schmerz der Trennung noch nicht überwunden hast. Sprich mit deinen Lehrern darüber. Sie können dann viel verständnisvoller mit dir umgehen, weil sie wissen, was los ist. Mache dir selbst keinen Druck und sei dir bewusst, dass dir nun eine Zeit lang manches schwerer fallen wird, als zuvor. Doch auch diese Zeit wird ein Ende haben. Vielleicht sogar früher, als du denkst.

Aber auch deine Eltern brauchen eine gewisse Zeit, um die vielen Veränderungen gut zu überwinden. Sie sind vielleicht weniger gesprächig als sonst oder wirken nicht so glücklich, wie vorher. Das ist in Ordnung. Verlange nicht von ihnen, sofort wieder gut gelaunt zu sein.

5) Dich trifft keine Schuld
Die meisten Kids suchen die Schuld bei sich selbst, wenn sich ihre Eltern trennen. Sie stellen sich selbst Fragen wie: „Hätte ich mich lieber doch mehr an die Regeln halten sollen?“ oder „Vielleicht bin ich mitschuldig, weil ich den beiden zu sehr auf den Keks gegangen bin.“

Trifft das auch auf dich zu? Dann lass dir gesagt sein: Eine Trennung ist eine Entscheidung, die deine Eltern ganz alleine treffen. Sie sind für sich selbst verantwortlich. Somit trifft dich auf keinen Fall die Schuld dafür.

Denke nicht zu viel darüber nach, sondern konzentriere dich darauf, wie dein Leben nun weitergehen könnte. Beschäftige dich im positiven Sinn mit den anstehenden Veränderungen und bereite dich gut darauf vor, dass alles anders werden wird.

6) Zuflucht im eigenen Zimmer
Streitereien können ganz schön Nerven raubend sein. Nicht nur für deine Eltern selbst, sondern auch für euch Kinder. Denn – egal ob du dich raus hältst oder nicht – so ein Streit geht nicht spurlos an dir und deinen Geschwistern vorbei. Es tut weh, wenn man hört, wie sich die eigenen Eltern gegenseitig beschimpfen oder sogar aggressiv werden. Sorgen und Ängste kommen hoch. Manchmal muss man deswegen sogar weinen.

Es ist die Aufgabe deiner Eltern, dich vor solchen Dingen bestmöglich zu schützen. Die Trennung ist für viele Erwachsenen aber so aufrührend, dass sie dir nicht den Schutz bieten können, den du verdienst.

Deshalb ist es wichtig, dass du deine Grenzen selbst klar absteckst. Ziehe dich mit Kopfhörern in dein Zimmer zurück oder besuche eine Freundin, wenn deine Eltern streiten. Am besten, du hältst dich in derart schwierigen Zeiten bei anderen Familienmitgliedern auf. Grundsätzlich sollte aber in jedem Fall gelten: Dein Zimmer ist eine streitfreie Zone. Hier sollst du deine Ruhe haben. Deine Eltern müssen das respektieren.

7) Nach der Trennung: Zeit für dich
Überlege dir, was du mit dem Elternteil unternehmen kannst, den du nicht so oft siehst. Verbringe am besten nicht mit beiden gemeinsam deine Zeit. Triff jeden für sich und unternimm etwas mit ihm bzw. ihr, was dir Spaß macht. Ihr könnt miteinander Sport treiben, ins Kino oder Shoppen gehen. Was auch immer dir in den Sinn kommt: Teile deinen Eltern mit, wie du die Zeit mit ihnen verbringen möchtest.

Warum du nicht mit beiden gleichzeitig etwas unternehmen solltest? Auch, wenn man sich bereits getrennt hat, sitzt der Schmerz oft noch tief. Es ist nicht leicht, einander zu begegnen. Darum weiß man auch nicht, ob das nicht neuerlich einen Streit anzettelt. Verlange deshalb nicht von deinen Eltern, dass sie beide gleichzeitig Zeit mit dir verbringen sollen.

8) Hilfe in Anspruch nehmen
Es gibt Profis, die dir helfen können, wenn dir alles zu viel wird. Sprich mit einem Betreuer im Jugendzentrum, wende dich an einen Vertrauenslehrer oder beantrage eine Therapie bei deinem Hausarzt. In jedem Fall solltest du um Hilfe bitten, wenn du dich auf Dauer nicht mehr wohl fühlst. Sprich auch deine Eltern darauf an und erkläre, dass es dir nicht gut geht. Mache ihnen aber dabei keine Vorwürfe sondern schildere ganz sachlich, was du nun brauchst.

9) Manches ist Privatsache
Selbst, wenn es dir nicht gut geht, solltest du nicht jedem auf die Nase binden, was dir deine Eltern während der Trennungszeit erzählen. Es ist ihre eigene Entscheidung, wer was über sie wissen darf und wer nicht.

Natürlich kannst du mit deinen engsten Freunden und Verwandten über deine Sorgen sprechen. Die Inhalte privater Gespräche gehören aber nicht an die Öffentlichkeit.

10) Schau‘ auf dich
Reden hilft nicht immer. Gönne dir etwas, das dir gut tut. Treibe Sport, widme dich deinen Lieblingshobbys oder verbringe einen Tag in einer Therme.

Was auch immer dich entspannen lässt, hilft dir dabei, dich wieder wohler zu fühlen. Außerdem bist du dabei prima von den Streitigkeiten deiner Eltern abgelenkt.

Arbeitsblatt zum Text

1) Darf man selbst darüber entscheiden, zu welchem Elternteil man ziehen möchte, wenn sich die Eltern scheiden lassen? Begründe deine Antwort.

2) Warum solltest du dich nicht in die Streitigkeiten deiner Eltern einmischen?

3) Hast du bereits eine Scheidung oder Trennung im Familienkreis erlebt? Wie hat sich das angefühlt? Wie ging es aus? Male ein Bild davon, wie es heute ist. Bei wem lebst du heute bzw. bei wem leben die Kinder der Familie heute?

Wenn du noch keine Scheidung oder Trennung miterlebt hast, kannst du dich glücklich schätzen. Male deine Familiensituation auf. Wer wohnt mit dir im gemeinsamen Haushalt?

Foto: eelnosiva/ bigstockphoto.com

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Über Luise Veltmann

Luise wohnt mit ihrem Mann, ihrem zweijährigen Sohn Max und bald auch mit Kind Nr. 2 in Lübeck. Wenn Sie neben der Arbeit als Autorin für den Elternkompass die Zeit findet, dann geht Luise ins Fitnessstudio oder zeichnet. Die Zeit ist aber knapp, denn der kleine Max liebt es mit seiner Mama zum Kinderturnen zu gehen und Oma und Opa zu besuchen.

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