Polyhydramnion – Bildung von zu viel Fruchtwasser

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Zu den Quellangaben

Für eine gesunde Entwicklung des Babys ist eine ausreichende Versorgung mit Fruchtwasser lebensnotwendig. Störungen bei der Fruchtwasserbildung können dazu führen, dass zu viel oder zu wenig Fruchtwasser gebildet wird. Bei einer Fruchtwasserüberproduktion spricht man von einem Polyhydramnion. Wir erklären Dir die Ursachen und Symptome eines Polyhydramnions und welche Therapien es gibt.

Was ist ein Polyhydramnion?

Ein Polyhydramnion, auch Polyhydramnie genannt, ist eine krankhafte Vermehrung der Fruchtwassermenge. Umgangssprachlich wird das Polyhydramnion auch mit Fruchtwassersucht bezeichnet.

Das Gegenteil von einem Polyhydramnion ist ein Oligohydramnion. Bei einem Oligohydramnion wird zu wenig Fruchtwasser gebildet.

Zu viel Fruchtwasser – wie kann man das feststellen?

Meist wird ein Polyhydramnion bei den Vorsorgeuntersuchungen entdeckt. Am Umfang des Schwangerschaftsbauchs lässt sich ablesen, ob dieser für das jeweilige Stadium der Schwangerschaft ungewöhnlich groß ist. Weiterhin sehen Arzt oder Hebamme, ob die Gebärmutter für den jeweiligen Zeitpunkt der Schwangerschaft zu groß ist. Beim Abtasten des Bauches fühlt sich die Gebärmutter prall und fest an. Im Ultraschall müsste ein erfahrener Arzt erkennen können , ob die Fruchtwassermenge jenseits der Norm liegt.

Der Arzt wird eine genauere Messung vornehmen, wenn die Furchtwassermenge von der Norm abweicht. Dazu wird der Bauch bildlich in vier Teile aufgeteilt und der Fruchtwasserstand jeweils an der tiefsten Stelle gemessen. Diese Werten werden addiert und die Summe mit dem Fruchtwasserindex verglichen. Der Normalwert liegt im Bereich bis 20 cm. Wenn Dein Wert höher ist, liegt bei Dir ein Polyhydramnion vor.

Mehr zum Thema Fruchtwasser findest Du hier: https://www.elternkompass.de/fruchtwasseruntersuchung-risiken-und-kosten/

Wie macht sich ein Polyhydramnion bemerkbar?

Je nachdem ob ein akutes oder chronisches Polyhydramnion vorliegt, sind die Symptome unterschiedlich.

  • Akutes Polyhydramnion: Die Fruchtwassermenge nimmt innerhalb weniger Tage deutlich zu. Entsprechend schnell kommt es dabei auch zu Beschwerden bei der Schwangeren. Die Betroffenen fühlen sich schlagartig stark beeinträchtigt.
  • Chronisches Polyhydramnion: Die Fruchtwassermenge nimmt nur langsam zu. Die Beschwerden machen sich daher auch nur langsam bemerkbar oder werden oft nur als allgemeines Unwohlsein interpretiert, das mit der Schwangerschaft einhergeht.

Ohne Ultraschall kann man ein Polyhydramnion nur schwierig und in vielen Fällen auch gar nicht erkennen. Bei manchen Anzeichen sollten schwangere Frauen jedoch hellhörig werden:

  • der Bauchumfang nimmt ungewöhnlich stark zu
  • ein verstärkter Druck auf die Blase, mit häufigem Harndrang
  • ein starker Druck auf den Darm, der Verstopfung zur Folge hat

Wenn zu diesen Symptomen vor der 37. Schwangerschaftswoche noch die folgenden hinzukommen, solltest Du sofort einen Arzt aufsuchen: intensives Bauchspannnen, Atembeschwerden, Schwindelgefühle, vorzeitige Wehen, permanente Schmerzen und Ziehen im Unterbauch.

Welche Komplikationen können durch zu viel Fruchtwasser entstehen?

Eine zu hohe Fruchtwasserbildung kann verschiedene Komplikationen oder Erkrankungen nach sich ziehen. Bei der Mutter werden häufig ein erhöhter Blutdruck oder vermehrte Infektionen des Harntrakts beobachtet. Das Kind kann bei einem Polyhydramnion ebenfalls geschädigt werden und beispielsweise bei der Geburt eine geringere Körperlänge und ein geringeres Gewicht aufweisen.

Bei einem Fruchtwasserüberschuss kann sich infolge des vermehrten Drucks die Gebärmutter frühzeitig überdehnen oder es kann sogar zu einem vorzeitigen Blasensprung kommen.

Welche Folgen kann ein Polyhydramnion für die Geburt haben?

Je nach Gewicht des Babys kann eine große Menge an Fruchtwasser zu einer Frühgeburt führen. Noch vor dem Einsetzen der Wehen kann die Fruchtblase platzen. Sollte das bei Dir geschehen, rufe bitte sofort einen Krankenwagen!

Beim Vorliegen eines Polyhydramnions wirst Du vor und bei der Geburt besonders sorgfältig beobachtet – auch wenn es Dir und Deinem Kind gut geht – da es bei der Geburt zu einigen Komplikationen kommen könnte.

  • Möglicherweise wird das Baby durch das viele Fruchtwasser daran gehindert, seinen Kopf in mütterliche Becken zu senken.
  • Nach dem Platzen der Fruchtblase könnte die Nabelschnur in die mütterliche Scheide gezogen werden und dadurch vor dem Kopf des Babys liegen. Dann ist eventuell ein Notkaiserschnitt erforderlich.
  • Das Risiko für Blutungen bzw. für einen Blutsturz nach der Geburt ist erhöht, weil sich die durch zu viel Fruchtwasser überdehnte Gebärmutter nicht mehr ausreichend zusammenziehen kann. Für die Blutstillung ist das richtige Zusammenziehen jedoch notwendig. Vielleicht empfiehlt Dir Dein Arzt deshalb eine künstliche Einleitung der Nachgeburt.
  • Durch das viele Fruchtwasser ist das Baby in seiner Bewegung wenig eingeschränkt. Daher kann es bei der Geburt quer in der Gebärmutter liegen. In diesem Fall wird Dir Dein Arzt zu einem Kaiserschnitt raten.

Welches sind die Ursachen für ein Polyhydramnion?

Wenn bei Dir ein Polyhydramnion festgestellt wird, kann dies auf verschiedene Ursachen zurückgeführt werden. Bei leichteren Formen des Polyhydramnions kann man die Ursache oft nicht konkret benennen. Eine Bildung von zu viel Fruchtwasser geht meist auf die folgenden Ursachen zurück.

Erkrankungen des Kindes

Das Baby ist bei fortgeschrittener Schwangerschaft an der regelmäßigen Erneuerung des Fruchtwassers beteiligt. Ab der 14. Schwangerschaftswoche beginnt es normalerweise, Fruchtwasser zu trinken. Über die Nieren des Babys wird die aufgenommene Flüssigkeit gereinigt und anschließend als frisches Fruchtwasser über den Harn abgegeben. Dieser Kreislauf kann bei Problemen des Babys gestört sein. Wenn das Baby Schluckstörungen hat, wird nicht genügend Fruchtwasser abgeführt. Zu Schluckstörungen des Babys kann es beispielsweise bei Fehlbildungen des Magen-Darm-Trakts kommen oder bei einer Blockade der Speiseröhre. Bei Störungen der Nierenfunktion kann eine vermehrte Harnausscheidung die Folge sein. Auch Erbgutschädigungen oder Blutungen im kindlichen Gehirn können die Ursache einer zu starken Fruchtwasserbildung sein.

Erkrankungen der Mutter

Fehlfunktionen der Plazenta können ein Polyhydramnion verursachen, da die Plazenta eine wichtige Rolle beim Abtransport des verbrauchten Fruchtwassers spielt. Schwangerschaftsdiabetes kommt ebenfalls als Ursache infrage. Das Baby produziert mehr Urin, wenn der Blutzuckerspiegel der Mutter nicht mehr richtig reguliert ist. Weiterhin können eine Infektion, beispielsweise mit Ringelröteln, oder eine Toxoplasmose Auslöser für eine zu hohe Produktion bzw. einen zu geringen Abbau von Fruchtwasser sein.

Vorliegen einer Mehrlingsschwangerschaft

Bei einer Mehrlingsschwangerschaft kann es zu einem Ungleichgewicht der Fruchtwasserverteilung kommen. Das heißt: Nicht alle Babys bekommen die gleiche Menge an Fruchtwasser, sondern ein Kind bekommt zu viel, ein anderes zu wenig.

Therapie des Polyhydramnions

Ja nach Ursache und Schwere der Erkrankung wird das Polyhydramnion unterschiedlich behandelt.

Bei leichten Fällen ohne erkennbaren Grund wird Dein Arzt erst einmal abwarten und die weitere Entwicklung beobachten. Im Laufe der Schwangerschaft reguliert sich die Fruchtwassermenge in den meisten Fällen von alleine. Dafür ist viel Ruhe erforderlich. Damit die Selbstregulierung der Fruchtwasserbildung nicht durch Stress gestört ist, wird Dein Gynäkologe Dir ein Beschäftigungsverbot verordnen und Dich krankschreiben.

Bei schwereren Fällen kann auch ein Teil des Fruchtwassers abgesaugt werden. Dadurch wird der Druck auf die Fruchtblase verringert und das Risiko vorzeitiger Wehen vermindert. Allerdings können als Folge des Eingriffs Infektionen auftreten, die Wehen auslösen. Das Absaugen des Fruchtwassers ist auch keine Garantie dafür, dass sich nicht erneut Flüssigkeit ansammelt, die abgesaugt werden muss.

Grünes Fruchtwasser

Wenn das Baby beim ersten Stuhlgang das sogenannte Kindspech (Mekonium) bereits im Mutterleib ausscheidet, bekommt das Fruchtwasser eine bräunlich-grünliche Farbe. In der Regel wird das Kindspech erst ein oder zwei Tage nach der Geburt ausgeschieden. Auch wenn die Farbe eher mit bräunlich-grün beschrieben werden kann, verwendet man die Bezeichnung „grünes Fruchtwasser“.

Im sechsten Monat der Schwangerschaft bildet der Darm des Kindes den ersten Stuhl. Was sonst noch in dieser Phase geschieht, erfährst Du unter: https://www.elternkompass.de/entwicklung-des-babys-die-zweite-haelfte-der-schwangerschaft/

Ist grünes Fruchtwasser schädlich für das Kind?

Grünes Fruchtwasser führt zur selten zu einem Notfall. Kinder mit grünem Fruchtwasser sind häufiger von Infektionen, beispielsweise der Lunge, betroffen als Kinder mit normalem Fruchtwasser. Sehr selten kommt es vor, dass grünes Fruchtwasser während der Geburt eingeatmet wird, wodurch Atemprobleme entstehen. Inzwischen gibt es für diesen Fall jedoch gute Behandlungsmöglichkeiten.

Wenn der Verdacht besteht, dass grünes Fruchtwasser eingeatmet wurde (Mekonium-Aspiration) wird zunächst versucht, möglichst viel Mekonium aus Mund und Rachen abzusaugen. Danach normalisiert sich die Atmung meist wieder. Das Baby wird noch weiterhin überwacht, ist aber in der Regel gesund.

Mehr zum Thema grünes Fruchtwasser erfährst Du unter: https://www.elternkompass.de/gruenes-fruchtwasser-infektion-und-die-folgen/

Fazit

Oft wird die krankhafte Vermehrung des Fruchtwassers erst bei einer Vorsorgeuntersuchung festgestellt. Beachte die beschriebenen Symptome und wende Dich an Deinen Arzt, wenn Du Ähnliches bei Dir beobachtest. Je nach Art des Polyhydramnions bestehen unterschiedliche Behandlungsmethoden.

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