Schreiben nach Gehör: Darum wird diese Methode kritisiert

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Kaum ein Thema ist so umstritten wie das Schreiben nach Gehör. Eltern von Grundschülern können nur den Kopf schütteln, wenn das Schriftbild auf die Aussprache abgestimmt wird. Wie problematisch ist das Schreiben nach Gehör und welche Einschränkungen bestehen dadurch beim Schreiben lernen für unsere Abc-Schützen?

Schreiben nach Gehör: Was versteht man darunter?

Beim Schreiben nach Gehör handelt es sich um ein Konzept, dass in den meisten deutschen Grundschulen praktiziert wird. Explizit geht es darum, den Schülern das Schreiben lernen und auf eine Korrektur von Fehlern zu verzichten.

Vor den geistigen Augen von Eltern und Grundschullehrern türmen sich haushohe Fragezeichen auf. Zu recht, wie man heute weiß. Denn die Anlauttabelle reicht nicht aus, um einem Kind die Grundlagen der Rechtschreibung zu vermitteln und es orthographisch sicher zu machen.

Vor dem Problem stehen vor allem die Lehrer, die an der Realschule und am Gymnasium unterrichten. Hat ein Kind vier Jahre seines Lebens nach Gehör geschrieben, ist eine Umstellung auf die korrekte Orthographie sehr schwierig – in hartnäckigen Fällen sogar ausgeschlossen.

Warum Eltern diese Methode ablehnen

„Ich hap tisch lip“ und „Hunt“ oder „Fata“ sind nur wenige Beispiele für eine Praktik, die heute an deutschen Grundschulen üblich ist. Denn beim Schreiben nach Gehör sind Fehler vorprogrammiert. Je deutlicher die Aussprache, umso höher ist die Fehlerquote.

Besonders stark betroffen sind somit Grundschüler aus Sachsen oder aus Bayern, wissen Professoren der deutschen Sprache. „Isch hap düsch lüb“ mag ja bei einem Erstklässler niedlich klingen. Doch wie sieht es aus, wenn Erwachsene in einem Satz mehr Fehler als richtige Worte schreiben? Über das Ergebnis der Pisa Studie brauchen wir uns nicht zu wundern, sind sich Experten einig.

Das Resultat vom Schreiben nach Gehör ist die LRS, die sich in Deutschland immer weiter verbreitet. Und das, obwohl wir mal das Land der Dichter und Denker waren. Wenn Du Dich über dieses Konzept zum Schreiben aufregst, stehst Du mit Deiner Wut nicht allein da.

Du kannst aufatmen, denn in immer mehr Bundesländern wird das Schreiben nach Gehör abgeschafft oder ist bereits jetzt verboten.

Pädagogisch geförderte Rechtschreibschwäche – ein brisantes Thema

Nicht nur Eltern, sondern auch Grundschullehrer gehen auf die Barrikaden. Schlechte Noten begünstigen Schulangst und führen dazu, dass Kinder an sich zweifeln. Wenn der 10-Jährige nach Hause kommt und meint er ist dumm, solltest Du Dir ernsthaft Gedanken machen.

Durch das Schreiben nach Gehör ziehen wir Kinder mit einer LRS heran und wundern uns im Nachgang, warum uns andere Länder in der Schulbildung überholen. Hierzu muss man wissen, dass die Anlauttabelle nichts mit dem Schreiben zu tun hat. Vielmehr handelt es sich darum, Buchstaben zu finden und diese zu „malen“.

Die Überleitung aus der schlechten Rechtschreibung könnte man daher auch direkt zum Schriftbild ziehen. Schönschrift wird nicht mehr gelehrt, da die Kids in der Grundschule Buchstaben malen und die Verbindung zu einem gesamten Wort praktisch gar nicht lernen.

Vom Sinn und Unsinn der Anlauttabelle

In einigen Bundesländern, so zum Beispiel in Schleswig-Holstein und Hamburg ist das Schreiben nach Gehör bereits verboten. Auch in Bayern und Baden-Württemberg und in vielen ostdeutschen Bundesländern sind Grundschulen von dieser Methodik wieder abgekommen.

Wer nach der Anlauttabelle schreiben lernt, lernt laut erfahrener Grundschullehrer eher malen, aber nicht die Orthographie der deutschen Sprache zu verstehen und sie sinnvoll umzusetzen.

Ein weiterer Punkt ist die ebenfalls umstrittene Methode „Lesen durch Schreiben“. Es hat einen Grund, warum heutige Gymnasialanfänger kaum in der Lage sind, einen längeren Text zu lesen UND seinen Content zu verstehen.

Was die Digitalisierung mit der Rechtschreibschwäche von Generation Z zu tun hat

Schreiben nach Gehör ist ein wichtiger, aber nicht der einzige Grund für Probleme mit der Rechtschreibung. Auch das Zeitalter der Digitalisierung hat seinen Beitrag geleistet. WhatsApp und Co. brauchen keine Groß- und Kleinschreibung, keine Zeichensetzung und keinen Satzanfang.

Doch wenn Dein Kind von Anfang an so kommuniziert, musst Du Dich nicht wundern, dass es in der Schule Probleme gibt und dass die Deutschnoten ab der 5. Klasse mit Pauken und Trompeten in den Keller rasseln.

Schreiben nach Gehör – warum ist es noch nicht abgeschafft?

Man kann es diskutieren wie man will: Schreiben nach Gehör bringt nie einen Vorteil und wirkt sich perspektivisch immer negativ auf die Orthographie aus. Dennoch und gegen den Protest zahlreicher Eltern und Grundschullehrer hält sich die Reichen-Methode hartnäckig.

Experten sind sich einig: Wir ziehen uns eine Generation von Legasthenikern heran. Erschwerend kommt hinzu, dass immer mehr Kinder und Jugendliche internetsüchtig sind. Was hat das mit Schreiben nach Gehör zu tun? Sehr viel, wie Sprachwissenschaftler meinen.

Denn der Slang von YouTube und Co. trägt mit dem Schreiben nach Anlauttabelle zu langfristigen Sprach- und Schreibschwierigkeiten bei. Deutschland kann erst wieder bei Pisa punkten, wenn unsere Kinder richtig schreiben und lesen lernen.

Warum deutsche Grundschüler nicht mehr richtig schreiben können

Während wir früher von der ersten Klasse an die Rechtschreibung, sowie die Groß- und Kleinschreibung lernen mussten, sieht das Schreiben nach Gehör diese Praktik nicht vor. Doch dazu musst Du wissen, dass sich Fehler verselbständigen und zum Automatismus werden.

Es ist also völlig normal, dass Dein Kind keinen Fehler erkennt, wenn es ein Wort von Anbeginn der Schule an immer gleich geschrieben hat. Fragwürdig ist auch, inwieweit Grundschüler bereits eigene Geschichten erfinden und schreiben müssen. Wäre es nicht wichtiger, zuerst das Schreiben zu lernen und zu lesen, ehe es um Erfindungen von Storys geht?

Realschul- und Gymnasiallehrer verzweifeln

Je nach Bundesland sind die Herausforderungen für die Aufbaulehrer der 5. Klassen schwieriger. Wer Kinder unterrichtet, die das Schreiben nach Gehör gelernt haben, braucht viel Geduld und die Fähigkeit zu erklären.

Nicht immer stoßen die nun auf einmal als Fehler ersichtlichen Eigenheiten der in der Grundschule erlernten Rechtschreibung auf Gegenliebe. Schüler fragen sich, warum ein Wort immer richtig – und nun auf einmal falsch sein soll. In der Praxis zeigt sich, dass Eltern die für ihr Kind das Beste möchten, keine Befürworter der Anlauttabelle und dem Deutschunterricht mit Schreiben nach Gehör sind.

Sind automatisierte Fehler abtrainierbar?

Prinzipiell lässt sich die richtige Orthographie auch später lernen. Doch es ist ein Fakt, dass bereits automatisierte Fehler nicht einfach so abtrainiert werden können. Denn um ein Wort richtig zu schreiben, muss sich Dein Kind des Fehlers bewusst sein.

Doch diese Erkenntnis schließt sich aus, wenn zumindest die ersten beiden Jahre einfach vom Schreiben nach Gehör Gebrauch gemacht wurde. Mit viel Übung, jeder Menge Engagement der Lehrer und Aufopferung der Eltern lässt sich eine lebenslange Schreibschwäche dennoch vermeiden.

In Anbetracht der Tatsache, dass die Präzision in der Muttersprache heute bedeutsamer denn je ist, ist dieser Funken Hoffnung jede Mühe wert.

Warum sich Schreibfehler hartnäckig halten

Bei Gewohnheiten im Schreiben verhält es sich nicht anders wie bei anderen Ritualen. Liebgewonnene Gewohnheiten gehen in Fleisch und Blut über, so dass sie im Unbewussten und nicht bewusst geschehen.

Wenn Dein Kind zum Beispiel in der Grundschule immer Hunt statt Hund geschrieben hat, kannst Du ihm nur schwer verdeutlichen, dass diese Schreibform ein Fehler ist. Dein Kind versteht Deine Worte und nimmt die Änderung vor. Doch im nächsten Diktat wird das t wieder hinter den drei Buchstaben HUN stehen und aus dem Hund Deiner Familie wird ein HUNT.

Die Beibehaltung der Gewohnheiten ist in der Psyche des Menschen begründet. Wir entwickeln Rituale, um den Alltag zu meistern und täglich wichtige Aufgaben nicht immer neu lernen zu müssen. Nun ziehe eine Überleitung und Du weißt, warum das richtige Schreiben lernen bereits in der Grundschule von essenzieller Bedeutung ist.

Warum Korrigieren wichtig ist

Der erste Elternabend steht an und Du sprichst das heikle und Dich seit Schulbeginn beschäftigende Thema an. Einige Eltern, vor allem aber die Lehrerin sieht Dich mahnend an. Du darfst Dein Kind nicht verbessern, auch wenn sich Dir bei der ein oder anderen Schreibweise förmlich die Zehnägel nach oben rollen.

„Willst Du Dein Kind verunsichern?“ Das ist eine Frage, die Dir gestellt wird und die Du automatisch mit einem Kopfschütteln quittieren wirst. Natürlich willst Du Dein Kind nicht verunsichern. Doch sollst Du einen offensichtlichen Fehler stehen lassen, damit er nach vier Jahren immer noch auf der Agenda steht und korrigiert werden muss?

Viele Eltern schließen sich dem Schreiben nach Gehör nicht an und verbessern ihr Kind spätestens bei den Hausaufgaben und heimischen Schreibarbeiten. Das ist nicht verkehrt, sondern der einzig richtige Umgang mit dem Unsinn der Anlauttabelle und dessen Folgen.

Ist eine Verbesserung der Rechtschreibung in Sicht?

Ja, die Verbesserung ist tatsächlich in greifbarer Nähe. Denn nach den Verboten in Hamburg und Schleswig-Holstein, nutzen immer weniger Bundesländer das Schreiben nach Gehör. Auch in Thüringen und in Sachsen-Anhalt lernen die Kinder an den meisten Schulen durch Korrektor das richtige Schreiben. Es bleibt also Hoffnung, dass in naher Ferne alle Kinder wieder richtig schreiben lernen und ihre Wortbildung nicht auf die Anlauttabelle fokussieren.

Schreiben nach Gehör: In einigen Bundesländern bereits verboten

Wie bereits angeschnitten, wird an Schulen in Schleswig-Holstein und Hamburg nicht mit Schreiben nach Gehör unterrichtet. Diese Praktik ist strikt und einfach verboten, so dass die Grundschüler wieder wie ihre Eltern Lesen und Schreiben lernen.

Wie sich bereits kurze Zeit nach dem Verbot zeigte, beherrschen angehende Gymnasiasten aus Hamburg und Schleswig-Holstein die Orthographie bedeutend besser als Kinder, die zum Beispiel in Sachsen zur Schule gehen und in der deutschen Schrift nach Gehör unterrichtet werden.

Ist das nicht Grund genug, um unseren Kindern wieder richtig lesen und Schreiben beizubringen? Immerhin gibt es heute genug andere Probleme, die die Schreibkompetenz beeinträchtigen und sich zum Beispiel negativ auf die Groß- und Kleinschreibung, sowie auf die Zeichensetzung auswirken.

Im Land großer Dichter und Denker ist das Rechtschreibeniveau auf ein Minimum gesunken. Längst haben uns andere Länder in der Pisa Studie überholt. Das heißt nicht, dass skandinavische Kinder intelligenter als Dein Nachwuchs sind. Das sagt nur aus, dass unser Schulsystem gerade im Deutschunterricht dringend eine Überholung und die Tendenz „Back to the roots“ braucht.

Warum es in Mathe nur ein Ergebnis und in der Rechtschreibung keine Korrektur gibt

Der einfachste Kontext lässt sich zur Mathematik erstellen. Hier gibt es nur ein korrektes Ergebnis, für dessen Berechnung der Schüler eine gute Note bekommt. Ist das Ergebnis falsch, sinkt die Note. Diese Ausrichtung muss auch in der Orthographie wieder Gang und Gäbe sein.

Denn auch in der deutschen Sprache gibt es nur eine richtige, dafür aber eine ganze Bandbreite falscher Aussprachen und Schreibweisen. Ein Blick in den Duden ist ausreichend, um Kindern das Schreiben zu lernen. Die Anlauttabelle ist keinesfalls für eine gute Schulbildung in der deutschen Sprache geeignet.

Deutschland braucht eine neue Rechtschreibreform

Die letzte Rechtschreibreform liegt noch nicht allzu lange zurück. Heute schreibt man Schifffahrt mit 3f, wofür Du früher in der Schule eine Note Abzug bekommen hättest. Davon abgesehen, wurden Dir ab der ersten Klasse sämtliche Rechtschreibfehler angekreidet und mit einer Verbesserung am Seitenrand der Klassenarbeit vermerkt.

Sicherlich hättest Du Dich als Kind über das Schreiben nach Gehör gefreut. Doch perspektivisch, das musst Du heute zugeben, hat Dir die strenge Korrektur in der Grundschule geholfen. Du beherrscht die Orthographie, weil Du sie schon immer richtig gelernt hast.

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