Clusterfeeding: Was steckt hinter diesem Begriff?

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Zu den Quellangaben

Clusterfeeding – über dieses Wort stolpern viele stillende Mütter im Verlauf der ersten Lebensmonate ihres Babys. In den Abendstunden und wenn Babys krank sind, tritt das unentwegte und nicht enden wollende Stillen auf.

Was verbirgt sich hinter dem Phänomen? Was passiert bei einem Baby, das einen Wachstumsschub durchläuft? Ist das sogenannte Clustern normal? Auf was muss man achten, falls ein Baby am clustern ist und nicht zunimmt? Wenn Du Dein Kind stillst, machst Du viel richtig.

Mit einigen Informationen kannst Du Dich beruhigen und gut auf die Bedürfnisse Deines Kindes reagieren. In diesem Artikel möchten wir Dir einige sinnvolle Hinweise geben, die Dir helfen in der anstrengenden „Dauerstillphase“ die Nerven zu behalten.

Clusterfeeding: Die kleine Raupe Nimmersatt

Viele Mütter und Väter sind beunruhigt und verunsichert, wenn ihr Kind auf ein Mal wieder öfter an der Brust stillen will. Sorgen tauchen auf, wie: „Bekommt es genug zu trinken?“ und „Vielleicht reicht meine Milch nicht!“.

Wichtig ist, dass Ihr wisst, dass es ein normales Verhalten ist, das die allermeisten Babys zeigen. Clusterfeeding kennen viele Eltern von ihren Kindern. Es ist eine Phase und geht vorbei. Entscheidend ist, dass Du dem Wunsch Deines Babys nachgibst und ihm das gibst, was es braucht.

Was bedeutet Clusterfeeding?

„Cluster“ ist ein Wort aus dem englischen Sprachraum und bedeutet so viel wie „Häufung“. „Feeding“ heißt „füttern“. Mit Clusterfeeding ist gemeint, dass ein Baby sehr oft und in kurzen Zeitabständen stillen möchte beziehungsweise gefüttert werden möchte. Umgangssprachlich hat sich auch Clustern eingebürgert.

Die wissenschaftliche Erklärung für das Clustern

Das Phänomen Clusterfeeding ist wissenschaftlich nicht ausreichend untersucht. Viele Hebammen kennen es aus der Praxis. Meist werden drei bis vier Gründe für das Clusterfeeding genannt.

  • Der Magen Deines Babys ist noch klein
  • Dein Baby regt beim Clusterfeeding die Milchproduktion an
  • Babys sind nicht lange satt
  • Dein Baby stillt sein Nähebedürfnis

Clusterfeeding: Je kleiner der Magen desto größer der Hunger

Babys haben einen winzigen Magen. Um satt zu werden, benötigen sie zunächst eine geringe Menge an Milch. Muttermilch wird zügig verdaut und verlässt den Magen bald darauf Richtung Darm. Der Effekt ist: Das Baby hat schnell wieder Hunger.

Es muss erneut stillen. In den ersten Lebenswochen- und Monaten verdoppeln Babys ihr Körpergewicht. Sie legen einen Sprint in Sachen Gewichtszunahme hin. Um die Energie dafür aufzubringen, ist eine enorme Menge an Nährstoffen nötig.

Die Nährstoffe werden in der Muttermilch bereitgestellt. Wenn ein Baby stillt, holt es sich genau die aktuell benötigte Menge an Nährstoffen. Beim Clusterfeeding passiert dies in kürzeren Abständen.

Anregung der Milchproduktion und Clusterfeeding

Wissenschaftler, Ärzte und Hebammen vermuten, dass Clusterfeeding einen weiteren nützlichen Effekt für das Baby hat. Die Drüsen in den Brüsten werden angeregt beim Stillen mehr Milch zu produzieren je öfter ein Baby saugt.

In einem Wachstumsschub beim Baby beziehungsweise Kleinkind steht somit mehr Muttermilch zur Verfügung. Die getrunkene Gesamtmenge ist größer als in Phasen, in denen kein Schub ansteht. Es werden mehr Nährstoffe zur Verfügung gestellt. Das dient der Gewichtszunahme des Babys.

Der Wachstumsschub beim Baby

Wusstest Du, dass Babys nicht kontinuierlich wachsen, sondern schubweise? Der Wachstumsschub beim Baby tritt in den ersten 14 Lebensmonaten insgesamt achtmal auf. Dein Baby erlebt in dieser Zeit Unruhe, weint viel mehr als sonst, schläft schlechter und hat wesentlich mehr Hunger.

Es ist bedürftiger nach Näh, will viel getragen werden und auch mehr stillen. Oftmals fällt ein Infekt und eine Erkältung mit der Schubphase zusammen. Dass ein Wachstumsschub beim Baby stattgefunden hat, merkst Du meist im Nachhinein daran, dass Dein Baby eine neue Fähigkeit zeigt.

Der Wachstumsschub beim Baby ist bei allen Babys ungefähr im gleichen Entwicklungszeitraum. Manches Baby durchlebt den Wachstumsschub etwas früher, ein anderes später.

Dein Baby weiß, wann es satt ist!

Das Hormon Cholecystikin (CCK) steuert den Hunger Deines Babys. Während Dein Baby am Clustern ist und stillt, steigt die Hormonkurve an. Satt ist Dein Kind nach circa 20 Minuten. Das Sättigungsgefühl ist die Wirkung des Hormons und hält weitere 10 bis 20 Minuten an.

Dann beginnt das Spiel von vorn und Dein Baby hat erneut Hunger. Es kann einige Zyklen dauern, bis Dein Baby satt ist und zufrieden einschläft. Nach eineinhalb Stunden wacht Dein Baby möglicherweise erneut auf, weil die Muttermilch komplett verdaut ist.

Oftmals schlafen junge Babys erschöpft vom Trinken an der Brust ein, weil es anstrengend ist. Du kannst es versuchen, Dein Baby mit einem leichten Stupsen und Kitzeln hinter dem Ohr beziehungsweise am Hals zu einem stringenteren Trinken zu bewegen.

Oftmals hilft das nicht viel. Wenn Dein Baby müde ist, wird es früher oder später an Deiner Brust einschlafen. Clustern ist der Mechanismus des Körpers Deines Babys, mit dem es sich auf die Schlafphase vorbereitet und mit dem es einen Vorrat anlegt. Obwohl das Clustern die Vorräte auffüllt, können die meisten Babys nicht durchschlafen.

Durchschlafende Babys sind selten

Ärzte und Hebammen wissen, was durchschlafen bedeutet. Damit ist gemeint, dass ein Kind es schafft, circa vier bis sechs Stunden am Stück zu schlafen und dann trotzdem nach Milch verlangt. Lass Dich nicht unter Druck setzen von Müttern und Omas, die Dich fragen „Schläft Dein Kind durch?“.

Durchschlafende Babys und Kleinkinder sind nicht der Normalfall. Erschöpfung und Schlafmangel gehören für die meisten Eltern in den ersten Lebensjahren eines Kindes zum Regelfall. Der Wachstumsschub beim Baby ist für die Eltern eine anstrengende Phase.

Clusterfeeding ist eine große Herausforderung für Dich als Mutter. Niemand kann es Dir abnehmen. Bist Du erschöpft bist und weißt nicht weiter, ist es gut, Dir Hilfe zu holen. Das Füttern von Premilch kann Dich entlasten.

Clusterfeeding heißt Nähe zu sammeln

Dein Baby stillt und stillt. Du weisst nicht mehr, wie lange Du am Stillen bist? Du hast die Zeit um Dich herum vergessen? Nicht nur Nahrung und Sättigung gibst Du Deinem Kind. Du gibst ihm mit dem Stillen Liebe und Geborgenheit.

Beim Stillen wird Oxytocin, das sogenannte Bindungshormon, gebildet und sorgt für eine enger werdende Bindung zwischen Dir und Deinem Baby. Der Körper und das Gehirn des Babys sind einem Umbauprozess unterworfen.

Das verunsichert Dein Kind. Jetzt ist es umso wichtiger, dass Du Deinem Kind viel Nähe gibst. Die einfachste und schönste Art für Dein Baby Nähe zu bekommen, ist das Stillen. Das kannst Du Deinem Baby ansehen: Gibt es einen schöneren Anblick, als den Deines an der Brust eingeschlafenen Babys?

Clusterfeeding – reicht die Milch nicht?

Dieser Gedanke drängt sich schnell auf. Du beobachtest Dein Kind, wie es unentwegt säugt und trinkt und dennoch aufwacht und weint? Du legst es erneut an und es scheint doch nicht satt zu werden? Es mag Dir schwerfallen, das zu glauben: Es liegt in den allermeisten Fällen nicht daran, dass Du zu wenig Milch hast.

Die Brustdrüsen sind keine Milchvorratskammern. Die Muttermilch wird im Moment des Stillens produziert. Es kann insofern nicht zu wenig vorhanden sein. Solltest Du Dir unsicher sein, ob die Gewichtszunahme beim Baby ausreichend ist, frage Deine Hebamme beziehungsweise Deinen Kinderarzt.

Ein alter Mythos: Stillabstände

Vielen Müttern wurde früher fälschlicherweise erzählt, dass Babys nur in gewissen Abständen zu trinken hätten. Es wurde noch vor wenigen Jahrzehnten das Ammenmärchen erzählt, Babys dürften nur in gewissen Abständen trinken. Die Gefahr der Überfütterung drohe.

Dieses falsche Narrativ schwirrt noch in vielen Köpfen herum. Menschliche Babys kommen im Vergleich zu vielen Tierarten „unfertig“ auf die Welt. Die Muttermilch ist auf ihre Bedürfnisse bestens abgestimmt. Eine Gefahr der Überfütterung mit Muttermilch ist nicht möglich. Für die Gewichtszunahme beim Baby ist häufiges Stillen vorteilhaft.

Gewichtszunahme beim Baby: Muttermilch versus Pulvermilch

Anders als bei Folgemilchprodukten passt sich die Zusammensetzung des Wundertrunks Muttermilch an die Bedürfnisse der Kleinen an. In Phasen von Wachstumsschüben, wenn ein Baby viel stillen will und Clusterfeeding an der Tagesordnung ist, ist die Milch fetthaltiger und dickflüssiger.

Das sieht man an der Farbe, die in der Zeit gelblich bis orange ist. In der Hitze des Sommers braucht ein Baby eine größere Menge an Flüssigkeit. Die Milch ist deswegen weiß bis wässrig-transparent. Wenn Du stillst und Du beim Clusterfeeding durchhältst, kannst Du trotzdem zu Deiner Entlastung Premilch anbieten.

Der Vorteil ist: Dein Partner kann Euer Baby füttern. Du kannst in dieser Zeit eine Pause einlegen, einen Spaziergang machen oder eine Stunde schlafen. Für die Gewichtszunahme beim Baby kann das allerdings von Nachteil sein.

Clusterfeeding und Zufüttern: Ja oder nein?

Durch das vermehrte Saugen schüttet Dein Körper das Hormon Prolaktin aus. Es ist für die Milchbildung zuständig, wirkt aber nicht unmittelbar. Prolaktin hat eine vorbereitende Wirkung.

Erst am nächsten Tag steht durch das häufigere Saugen am Vortag mehr Milch am Folgetag zur Verfügung. Clusterfeeding erfolgt meistens in den frühen Abendstunden. Viele Babys legen im Anschluss eine längere Schlafphase von vier bis fünf Stunden ein.

Es kann kontraproduktiv sein, wenn Du in dieser abendlichen „Dauerstillphase“ zufütterst. Dein Baby würde weniger stark die Hormonproduktion anregen und die Milchproduktion würde sich verringern.

Im Wachstumsschub beim Baby muss die Milchproduktion hoch sein. Zufüttern hat Auswirkungen auf das Stillen und führt in vielen Fällen schleichend zum Abstillen.

Der Schnuller: Segen und Fluch beim Thema Gewichtszunahme

Die Versuchung liegt nahe, wenn Du vom Clusterfeeding und Deinem clusternden Baby sehr erschöpft bist: Ein Schnuller. Im Wachstumsschub vom Baby ist der Schnuller als Beruhigung eine logische Alternative.

Du solltest Dir überlegen, ob Du einen Schnuller einsetzen willst. Benutzt Du ihn, damit Dein Baby nicht oft trinkt? Hat es ihn zwischendurch kurzfristig zur Beruhigung, bevor Du Dich zu stillen setzen kannst?

Wichtig ist, dass der Schnuller nicht zum Einsatz kommt, um Dein Kind beim Stillen hinauszuzögern. Das beeinflusst die Milchproduktion negativ, denn wenn Dein Baby am Schnuller saugt und nicht an Deiner Brust wird das Hormon Prolaktin bei Dir nicht ausgeschüttet. Wenn ein Wachstumsschub beim Baby ansteht, benötigt es mehr Milch.

Tipps für die Clusterfeeding-Phase

Achte auf einen ausgeglichenen Flüssigkeitshaushalt. Du wirst spüren, dass Du wesentlich durstiger bist als sonst. Stillende Mütter sollten an allen Stillorten ein Glas oder eine Flasche Wasser griffbereit stehen haben. Ausreichend, ausgewogen und in kleinen Mengen über den Tag verteilt essen. Beim Stillen wirst Du spüren, dass Du einen großen Appetit entwickelst.

Das ist gut und richtig so. Die Stillzeit ist keine Zeit, um eine Diät anzufangen. Eine ausgewogene Ernährung mit vielen Vollkornprodukten, Gemüse, Obst und Hülsenfrüchten wird Dir dabei helfen, den Stillmarathon gut zu überstehen. Ablenkung: Niemand kann über Stunden nur seinem schlafenden Baby zuschauen und es anhimmeln.

Du bist keine schlechte Mutter, wenn Du Deinen Geist ablenken willst. Wie wäre es mit einer Zeitschrift oder einem spannenden Buch/Hörbuch, während Du stillst? Lass Dir von niemandem einreden, Du würdest zu viel stillen.

Du machst das absolut richtig. Wenn Du unsicher bist, ob Dein Baby genug zunimmt, frage lieber früher als später Deine Hebamme oder Deinen Kinderarzt.

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Babyphone

Mit einem Babyphone kannst Du Deine Zeit flexibel nutzen, nachts beruhigt schlafen und weißt trotzdem jederzeit, dass es Deinem Baby gut geht.

Stillkissen

Ein gutes Stillkissen hat einige Vorteile, denn es hilft Dir nicht nur beim Stillen, sondern auch beim Einschlafen und eignet sich auch als Nestche.

Wickeltaschen

Eine Wickeltasche bietet Dir viel Stauraum, damit Du auch unterwegs alles Dabei hast, was Du für Dein Baby brauchst – von der Wickelauflage bis hin zum Fläschchen.

Pucksack

Ein Pucksack gibt Deinem Baby das Gefühl von Geborgenheit, wie im Mutterleib, und unterstützt so einen ruhigen und erholsamen Schlaf.

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Fahrradanhänger können in Kombination mit einer Babyschale schon kurze Zeit nach der Geburt benutzt werden. Sie sind nicht nur sicherer als Kindersitze sondern auch komfortabler.

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Babybett

Das erste Bett begleitet dein Kind Jahre lang. Zum Glück gibt es Betten, die mit deinem Kind mitwachsen. Ich habe mich für Dich auf die Suche nach den 5 besten Babybetten gemacht.

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Heizstrahler spenden deinem Kind die nötige Wärme, wenn es beim Wickeln, oder nach dem Baden friert.

Beistellbett

Beistellbetten sind sehr praktisch und bieten sowohl Mutter als auch Baby jede Menge Vorteile, denn für Babys ist es vor allem in den ersten Lebensmonaten beruhigend neben den Eltern schlafen zu können.

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