Was Du schon immer über die Plazenta wissen wolltest

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Das Leben jedes Menschen beginnt mit ihr: der Plazenta. Sie ist das wohl mysteriöseste Organ des Menschen und liegt momentan voll im Trend.

Vom Mutterkuchen, wie die Plazenta auch genannt wird, versprechen sich manche Frauen zusätzliche Energie, Schutz vor Depressionen und eine Steigerung der Milchmilchmenge – und essen das temporäre Organ nach der Geburt auf.

Vielleicht suchst auch Du gerade Antworten auf die Frage, was die Plazenta eigentlich ist, welche Funktionen sie hat, welche Komplikationen es gibt und ob es sich lohnt, sie aufzuessen. Die Antworten auf diese und weitere Fragen gibt es hier.

Definition Plazenta

Die Plazenta ist neben der Nabelschnur, der Amnionhöhle und den Eihäuten Teil der pränatalen Schutz- und Versorgungsstrukturen des Neugeborenen. Die Plazenta ist ein temporäres Organ, das sich zu Beginn der Schwangerschaft in der Gebärmutter bildet und an der Gebärmutterwand anhaftet.

Grundsätzlich kann die Plazenta unterschiedliche Positionen haben, je nachdem wo die Einnistung stattfindet. Meist ist dies im oberen Teil der Gebärmutter der Fall. Obwohl sie auch Mutterkuchen genannt wird und meist der Mutter zugerechnet wird, besteht die Plazenta auch aus embryonalen Zellen.

Die Plazenta trennt und verbindet Mutter und Kind während der Schwangerschaft, indem sie den Stoff- und Gasaustausch ermöglicht, für den Abtransport von Abfallprodukten des Kindes sorgt und mittels der sogenannten Plazentaschranke viele Gift- und Schadstoffe aus dem mütterlichen Blut herausfiltert, ehe sie zum Kind gelangen können.

Das erklärt, warum beispielsweise Alkohol und viele Medikamente während der Schwangerschaft tabu sind. Aber auch andere Stoffe schaffen es, die Platzentaschranke zu passieren.

So werden Erreger, die trotz Plazentaschranke zum Neugeborenen gelangen können, unter der Abkürzung STORCH zusammengefasst (STORCH umfasst Syphilis (Treponema pallidum), Toxoplasmose, Chlamydien, Coxsackie-Virus, Hepatitis-B-Virus, Hepatitis-C-Virus, HI-Virus, Listerien, Parvovirus B19, Streptococcus agalactiae, Varizella-Zoster-Virus und Zika-Virus sowie Röteln, Cytomegalie und Herpes simplex). Aber auch etwa Feinstaub wurde bereits in der Plazenta nachgewiesen.

Daneben produziert die Plazenta zahlreiche Hormone, die unter anderem für die Aufrechterhaltung der Schwangerschaft und die Anpassung des mütterlichen Organismus an die Schwangerschaft sorgen.

Läuft bei der Entwicklung des Mutterkuchens etwas schief, kann das ernsthafte Auswirkungen haben und sogar für Mutter und Kind lebensbedrohlich werden. Schwangerschaftserkrankungen wie Gestations­diabetes, Präeklampsie oder Schwangerschaftshochdruck werden mit Problemen der Plazenta in Verbindung gebracht.

Zudem gibt es Indizien darauf, dass Probleme mit der Plazentafunktion bei der Mutter später zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen und beim Kind im Erwachsenenalter zu Erkrankungen wie Bluthochdruck, Typ-2-Diabetes oder Schlaganfall führen könnten.

Im Anschluss an die Geburt des Kindes kommt es zu einer Plazentaablösung. Kommt es zu keiner vollständigen Ablösung, ist eine Ausschabung notwendig, da sonst die Gefahr einer Nachblutung besteht.

Kommt es während der Schwangerschaft zu einem Sturz oder Schlag auf den Bauch, kann das zum vorzeitigen Ablösen der Plazenta führen – ein für Mutter und Kind lebensgefährlicher Notfall.

Der Name Plazenta leitet sich vom lateinischen Wort placenta ab, das Kuchen bedeutet. Daraus lassen sich auch die Begriffe Mutterkuchen oder Fruchtkuchen herleiten. Die Schreibweise placenta wird auch auf Englisch verwendet.

Welche Funktionen hat die Plazenta?

Während der Schwangerschaft übernimmt die Plazenta zahlreiche endokrine Funktionen für das Kind und fungiert anstelle von Lunge, Leber und Niere. Antikörper, Nährstoffe und Sauerstoff werden zum Kind durchgelassen, während Abfallprodukte abtransportiert werden.

Aus medizinischer Sicht übernimmt die Placenta dafür folgende Funktionen:

Hormonproduktion

Zu den wichtigsten von der Plazenta produzierten Hormonen zählen HCG, Östrogen und Progesteron.

Gas- und Stoffaustausch

Mediziner unterscheiden mehrere Transportmodi, darunter den aktiven und passiven Transport. Zum passiven Transport zählen die einfache Diffusion und die erleichterte Diffusion. Zum aktiven Transport die Pinozytose.

Über den aktiven Transport wird das Kind mit Aminosäuren, anorganischen Ionen, Fettsäuren, Hormonen, Peptiden und Vitaminen von der Mutter versorgt. Mittels Pinozytose zudem mit Antikörpern (IgG), Lipiden und Proteinen.

Über den passiven Transport werden Bilirubin, CO2, Glucose, Harnstoff, Kreatinin, Lactat, O2 und Wasser, aber auch zahlreiche Medikamente, zwischen Mutter und Kind geteilt.

Hinweis: Die fettlöslichen Vitamine A, D, E und K, die meisten Proteine und Antikörper (außer IgG) können die Plazentaschranke kaum oder gar nicht passieren. Daher bekommen Neugeborene direkt nach der Geburt Vitamin K verabreicht, da es für die Blutgerinnung wichtig ist.

Aufbau und Aussehen: Wie sieht die Plazenta aus?

Den Mutterkuchen gliedern Mediziner in drei Bereiche, die für Laien von außen jedoch nicht sichtbar sind:

  • Die Basalplatte, überwiegend mütterlicher Anteil
  • Der intervillöser Raum mit Zottenbäumen, wird auch fetomaternale Zone genannt
  • Die Chorionplatte, vorwiegend kindlicher Anteil

Die gesunde Plazenta ist scheibenförmig, hat einen Durchmesser von 15 bis 20 Zentimetern, ist zwei bis vier Zentimeter dick und wiegt etwa 500 Gramm. Ihre Oberfläche wirkt schwammig, weich und kann an frische Leber erinnern.

Die Placenta riecht mineralisch. Störungen der Plazenta sind manchmal sichtbar, etwa durch Löcher oder Verkalkungen. Für die Geburtshelfer ist der Zustand der Plazenta aufschlussreich, daher wird der Mutterkuchen gründlich untersucht.

Was passiert nach der Geburt mit der Plazenta?

Nach der Geburt wird von den Geburtshelfern überprüft, ob sich der Mutterkuchen komplett von der Gebärmutter gelöst hat. Ist dies der Fall, gibt es zwei Optionen:

Option 1:

Die Mutter kann die Plazenta mitnehmen. Sie ist rechtlich ihr Eigentum und sie kann damit machen, was sie will. Wenn Du Deinen Mutterkuchen nach Hause nehmen möchtest, klappt das am besten gekühlt in einem auslaufsicheren Gefäß.

Option 2:

Die Klinik entsorgt die Plazenta, sofern die Mutter/Eltern keine Ansprüche darauf erheben.

In vielen Kulturen gibt es bestimmte Bräuche rund um den Mutterkuchen. Dazu zählt etwa die Nachgeburtsbestattung oder das Vergraben der Plazenta, um darauf einen Baum (Lebensbäumchen) zu pflanzen.

In der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) wird die Placenta getrocknet, pulverisiert und in Kapseln abgefüllt, um anschließend als eine Art Nahrungsergänzungsmittel eingenommen zu werden.

Und auch in der westlichen Welt überlegen Frauen, ihre eigene Plazenta zu essen. Die Plazentophagie, wie das Verspeisen der Plazenta genannt wird, haben Prominente zum Trend gemacht.

Plazentophagie: Plazenta essen – eine gute Idee?

Im Tierreich ist es gang und gäbe, die eigene Nachgeburt zu fressen. Es ist nicht auszuschließen, dass diese Praxis früher auch beim Menschen üblich war. Wenn Frauen heute das Verlangen verspüren, ihre Plazenta zu essen, versprechen sie sich viele Vorteile: Es soll fitter machen, den Milchfluss anregen und Depressionen verhindern.

Der Mutterkuchen lässt sich ähnlich wie Fleisch braten, oder zerkleinert in Kuchen oder einem Smoothie zubereiten. Auch zu unscheinbaren Kapseln lässt sich die eigene Plazenta verarbeiten – für den Preis von einigen Hundert Euro.

Doch der gesundheitliche Effekt der Plazentophagie ist umstritten. Randomisierte Studien, wie es in der Medizin üblich ist, gibt es bisher nicht. Und Mediziner warnen gar vor den Risiken des Trends.

Sophia Johnson, Ärztin und Forscherin am Placentalabor des Universitätsklinikums Jena, versteht, dass sich Frauen nach der Einnahme der Plazenta subjektiv besser fühlen. Dennoch bleibt bisher ungeklärt, ob der Effekt hormonbedingt oder nur ein Placebo ist.

Johnson, die eine Weiterbildung im Bereich Homöopathie absolviert hat, beabsichtigt nicht, Frauen grundsätzlich vom Essen ihrer Placenta abzuhalten, allerdings möchte sie aufklären. Vom Verzehr der Plazenta rät sie Müttern ab, die selbst oder deren Kind im Verlauf der Schwangerschaft unter einer Infektion litten.

Dann bestünde weiterhin Infektionsgefahr. Außerdem können sich Schadstoffe und Schwermetalle im Mutterkuchen anreichern. Wer beispielsweise in einer belasteten Umgebung wohnt, könnte davon betroffen sein.

Kein Schnitt bei der Lotusgeburt

Normalerweise folgt direkt auf die Geburt das Durchschneiden der Nabelschnur, um das Neugeborene von der Plazenta zu trennen. Bei der Lotusgeburt wird bewusst auf den Schnitt verzichtet. Baby und Mutterkuchen bleiben verbunden, bis es zu einer natürlichen Abnabelung kommt.

Das dauert in der Regel zwischen drei und zehn Tagen. In dieser Zeit bleibt die gewaschene und in ein Tuch gewickelte Placenta an der Seite des Kindes. Um den Mutterkuchen zu konservieren, wird dieser täglich mit Salz, Kräutern und ätherischen Ölen eingerieben.

Trotzdem besteht Infektionsgefahr. Daher wird die Lotusgeburt von Kliniken nicht angeboten und sollte immer von einer erfahrenen Hebamme begleitet werden.

Plazenta praevia: Fehllage der Plazenta

Der Mutterkuchen entsteht dort, wo sich die Eizelle einnistet. Meist ist das im oberen Teil der Gebärmutter, an der Vorderwand (auch Vorderwandplazenta genannt) oder Rückwand. Beides ist unproblematisch, beeinflusst allerdings, ob man das Kind früher oder später spürt.

Doch nicht immer ist die Plazenta in einer günstigen Lage. Bei etwa 0,5 Prozent der Schwangeren kommt es dazu, dass die Placenta nicht so liegt, wie sie soll. Mediziner nennen das Plazenta praevia und unterscheiden je nach Position vier Fehllagen.

Die Ursachen für solche Fehllagen der Plazenta können unterschiedlich sein: rasche Schwangerschaftsfolge, frühere Fehlgeburten, Ausschabungen, Operationen oder Kaiserschnitte.

Wichtig zu wissen: Die Plazenta praevia wird erst nach der 24. Schwangerschaftswoche diagnostiziert, da bis dahin die Plazenta noch nach oben wachsen kann. Trotz der Diagnose Plazenta praevia kann die Schwangerschaft ohne Komplikationen verlaufen.

Allerdings ist eine engmaschige ärztliche Überwachung während der Schwangerschaft und eine Geburt per Kaiserschnitt notwendig.

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