Lotusgeburt: Ein besonderer und umstrittener Geburtstrend

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Die Lotusgeburt ist ein ziemlich neuer Trend bei der Entbindung. Während viele Eltern sie befürworten, wird sie von Ärzten kritisiert. Das Besondere bei dieser Geburt ist, dass die Nabelschnur nicht durchtrennt wird.

Nach der Entbindung bleibt die Plazenta am Baby. Sie wird mit Salz und teilweise mit Kräutern präpariert. Das ist mit viel Arbeit verbunden. Die Entbindung ohne Abnabeln soll dem Baby nach Meinung der Befürworter einen besseren Start ins Leben ermöglichen.

Der Blutverlust fällt geringer aus. Der Nabel verheilt schneller und es kommt nicht zu einer Nabelinfektion, wenn die Nabelschnur und die Plazenta von allein abfallen.

Allerdings kann nach Ansicht der Ärzte das Infektionsrisiko für das Kind bei einer Lotusgeburt höher sein, da sich die Plazenta infizieren kann, wenn sie nicht ordnungsgemäß präpariert wird.

Alles was Du über die Lotusgeburt wissen muss, erfährt Du hier.

Grundlegende Fakten zur Lotusgeburt

Der Trend der Lotusgeburt stammt aus den USA, wo sie von Claire Lotus Bay in den 1970er Jahren erstmals praktiziert wurde. Da es sich um die erste westliche Frau handelte, die auf das Abnabeln des Babys verzichtete, war diese Form der Geburt zunächst vor allem in esoterischen Kreisen beliebt.

Einige Naturvölker praktizieren dieses Ritual vermutlich schon länger. Dieses Verhalten wurde 1964 von der Primatenforscherin Jane Goodall zum ersten Mal bei Schimpansen beobachtet.

Die Nabelschnur wird im Anschluss an die Entbindung nicht durchgeschnitten, sondern sie bleibt mit der Plazenta verbunden.

Zusammen mit der Plazenta fällt die Nabelschnur allein ab. Das kann bis zu zehn Tagen dauern. Die Plazenta wird präpariert und in einem dafür vorgesehenen Gefäß aufbewahrt.

Dabei ist es wichtig, das Präparieren konsequent vorzunehmen und die Plazenta regelmäßig zu pflegen, um Infektionen zu verhindern.

Wie läuft die Lotusgeburt ab?

Bei einer normalen Geburt wird die Nabelschnur durchtrennt, sobald das Kind durch die Scheide getreten ist . Es kann jedoch auch bis zu drei Minuten gewartet werden, bis das Abnabeln erfolgt. In dieser Zeit ist das sogenannte Auspulsieren abgeschlossen.

Ein Nährstoffaustausch und ein Blutaustausch zwischen der Plazenta und dem Baby finden dann nicht mehr statt. Bei einer Lotusgeburt wird hingegen überhaupt nicht abgenabelt. Die Umstellung auf die Lungenatmung soll dem Baby damit erleichtert werden.

Das Baby wird in den ersten Minuten im Anschluss an die Entbindung tiefer als die Plazenta gehalten. Der Blutfluss aus der Plazenta zum Kind wird damit unterstützt. Die Hebamme wäscht die Plazenta und wickelt sie in ein sauberes Tuch.

Der Mutterkuchen muss nun präpariert werden. Das Baby wird wie gewohnt versorgt und angezogen.

Die richtige Kleidung des Babys

Da das Baby nicht abgenabelt wird, kommt es auf die richtige Kleidung des Babys an. Bei einer Lotusgeburt gilt es, Verletzungen durch Ziehen an der Plazenta oder der Nabelschnur zu vermeiden. Strampelanzüge bedecken den gesamten Bauch.

Bilder zur Geburt zeigen, wie die Kleidung des Babys nach der Lotusgeburt aussehen könnte.

Geeignet sind Bodys, ein Babytragetuch oder  Strampelanzüge mit Knopfleiste, aber auch Höschen und Jäckchen. Du kannst Deinem Baby normale Kleidung anziehen, wenn der Nabel abgeheilt ist.

Was Du bei einer Lotusgeburt beachten solltest

Neben der richtigen Kleidung für Dein Baby kommt es bei einer Lotusgeburt noch auf andere Dinge an, die Du beachten solltest:

  • Präparieren und Aufbewahren des Mutterkuchens
  • Verletzungen des Babys durch Ziehen am Nabel bei Bewegungen wie Wickeln, Stillen oder Waschen vermeiden
  • Auf Infektionen des Babys achten und bei Infektionen sofort den Kinderarzt konsultieren
  • Auf besondere Hygiene in der Umgebung des Babys achten, damit es nicht zu Infektionen kommt
  • Baby nicht herumreichen und von anderen Personen halten lassen.

Wie wird der Mutterkuchen bei einer Lotusgeburt präpariert?

Damit es nicht zu Infektionen kommt, muss der Mutterkuchen im Anschluss an die Geburt richtig präpariert werden. Auch wenn die Blutzirkulation über die Plazenta eingestellt wurde, muss die Plazenta erhalten bleiben.

Die Sauerstoff- und Nährstoffversorgung des Babys soll gesichert werden, auch wenn das Baby gestillt werden muss und zur Lungenatmung übergegangen ist. Befürworter der Lotusgeburt weisen darauf hin, dass sich im Mutterkuchen noch ein Viertel des Blutes befindet.

Dem Baby soll damit ein hoher Blutverlust erspart werden. Der Mutterkuchen muss von Blutklumpen gereinigt werden. Dazu wird er zumeist unter fließendem Wasser abgespült. Das Baby muss dabei in der Nähe gehalten werden. Die Plazenta wird in ein Sieb gelegt und muss abtropfen.

Nach 24 Stunden wird sie zum ersten Mal gesalzen. Zusätzlich kann sie mit ätherischen Ölen und Kräutern behandelt werden, damit sie besser riecht. Einige Befürworter der Lotusgeburt empfehlen Lavendelblüten, da sie entzündungshemmend wirken.

Das Trocknen des Mutterkuchens soll beschleunigt, der bakterielle Fäulnisprozess aufgehalten werden. Fortan muss die Plazenta täglich nachgesalzen werden. In den ersten Tagen gibt die Plazenta Flüssigkeit ab. Die Tücher und das Salz sollten alle 12 bis 24 Stunden gewechselt werden.

Du solltest sie auch auf mögliche Fäulnisstellen und üble Gerüche kontrollieren. Die Plazenta kann in einer Tasche oder in einem Tongefäß aufbewahrt werden. Bezugsadressen für Taschen und andere Behälter sowie Nähanleitungen für Plazentataschen findest Du im Internet.

Der Raum, in dem sich Baby und Plazenta befinden, muss stets sauber sein, damit es nicht zu Infektionen kommt.

Weiterhin kommt es darauf an, dass die Nabelschnur nicht gespannt wird, damit es nicht zu Verletzungen am Nabel kommt.

Das Abheilen des Nabels bei der Lotusgeburt

Bei einer Lotusgeburt fällt die Nabelschnur nach spätestens 10 Tagen ab. Der Nabel ist dann abgeheilt. Die Plazenta mit der Nabelschnur kann entsorgt werden. Viele Eltern entsorgen die Plazenta jedoch nicht einfach so.

Bei der Lotusgeburt kommt es, wenn die Plazenta richtig versorgt wird, nicht zu einer Nabelinfektion. Du musst Dich nicht um die Nabelpflege kümmern. Ist der Nabel verheilt, kannst Du Dein Baby in einer Babybadewanne baden.

Vorteile der Lotusgeburt

Befürworter der Lotusgeburt sind der Meinung, dass das Baby mit einer Extraportion Sauerstoff versorgt wird, wenn es nicht abgenabelt wird. Sie glauben, dass eine Lotusgeburt dem Baby die Lungenatmung erleichtert. Der Blutverlust nach der Geburt soll für das Baby geringer sein.

Das Baby bekommt dabei mehr Eisen, die vorhandenen Eisenvorräte des Babys werden geschützt. Das Immunsystem des Babys soll gestärkt werden. Die Lotusgeburt soll für das Baby ähnlich wie eine Bluttransfusion funktionieren.

Einige Ärzte meinen jedoch, dass eine längere Verbindung zwischen Plazenta und Baby nicht notwendig ist. Nach der Geburt soll das Baby entspannter sein und leichter an Gewicht zunehmen. Auch das Risiko, dass das Baby an Gelbsucht erkrankt, soll geringer sein.

Einige Befürworter meinen sogar, dass das Baby nach einer Lotusgeburt einen höheren IQ hat und eine bessere Feinmotorik entwickelt. Das ist jedoch nicht wissenschaftlich bewiesen.

Auch für die Mutter soll die Lotusgeburt Vorteile haben. Die Mutter kann laut der Befürworter die Geburt besser verarbeiten, da das Kind nicht durch einen Schnitt von der Plazenta getrennt wird.

Welche Risiken hat die Lotusgeburt?

Bei einer Lotusgeburt sind die möglichen Risiken nicht zu vergessen. Ein wissenschaftlicher Nutzen der Lotusgeburt für das Baby wurde bislang noch nicht festgestellt. Die meisten Ärzte und Kliniken warnen vor diesem Geburtsritual.

Sie sehen das Risiko vor allem in der erhöhten Infektionsgefahr durch die Plazenta, da es sich um totes Gewebe handelt. Die Plazenta ist mit Blut gefüllt. Bakterien können sich darauf ansiedeln, die auf das Baby übergreifen.

Du solltest bei den ersten Anzeichen auf eine Infektion sofort den Arzt konsultieren. Eine Stammzellentnahme aus der Nabelschnur ist bei einer Lotusgeburt nicht möglich.

Eine Lotusgeburt ist mit einem erhöhten Aufwand für die Hygiene verbunden. Sie sollte daher unter ärztlicher Kontrolle erfolgen.

Das ist nicht so einfach, da die meisten Ärzte davon abraten.

Was ist besser? Lotusgeburt oder frühes Abnabeln?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) steht der Lotusgeburt kritisch gegenüber. Sie empfiehlt jedoch ein verzögertes Abnabeln maximal nach drei Minuten. Der Blut- und Nährstoffaustausch zwischen Plazenta und Kind endet, wenn die Nabelschnur auspulsiert ist.

Die von den Befürwortern der Lotusgeburt genannten Vorteile basieren lediglich auf einem späteren Abnabeln. Ergebnisse über ein späteres Abnabeln und die Vorteile liegen vor.

Der Vorteil besteht darin, dass die spätere Trennung des Kindes vom Mutterkuchen wie eine autonome Bluttransfusion für das Baby wirkt.

Die Menge an roten Blutkörperchen im Blut des Kindes wird gesteigert. Allerdings liegen keine Hinweise darauf vor, dass Kinder, die später abgenabelt wurden, einen höheren IQ haben. Die Hirnblutungsrate bei Frühchen sinkt beim späteren Abnabeln um 50 Prozent.

Bei Müttern, die unter Blutarmut leiden, ist eine bessere Blutversorgung des Babys gewährleistet. Eine spätere Abnabelung und das Auspulsieren der Nabelschnur werden empfohlen, während eine Lotusgeburt ein fraglicher Trend ist.

Wo ist eine Lotusgeburt möglich?

Die meisten Krankenhäuser lehnen eine Lotusgeburt ab. Nicht nur die kritische Haltung der Ärzte gegenüber der Lotusgeburt ist ein Grund dafür. Aufgrund der höheren Keimdichte in der Luft im Krankenhaus ist das Risiko für eine Infektion zu hoch.

Die Lotusgeburt ist jedoch bei Hausgeburten und in einigen Geburtshäusern möglich.

Entscheidest Du Dich für eine Lotusgeburt, solltest Du Dich nach einer erfahrenen Hebamme umschauen, die Dir dabei zur Seite steht.

Ist eine Lotusgeburt auch bei einem Kaiserschnitt möglich?

Bei einem Kaiserschnitt ist eine Lotusgeburt zwar möglich, doch wird sie kaum praktiziert. Die meisten Kliniken ermöglichen keine Lotusgeburt.

Bei einem Kaiserschnitt kommt es auf ein schnelles Lösen der Plazenta aus der Gebärmutter an, damit die Gebärmutter und der Bauchschnitt schnell wieder verschlossen werden können.

Du solltest Dich genau erkundigen, in welcher Klinik ein Kaiserschnitt mit Lotusgeburt möglich ist, wenn Du diese Geburt planst.

Welche Sets gibt es für die Lotusgeburt?

Im Internet findest Du verschiedene Sets für die Lotusgeburt. Solche Sets bestehen aus einer Tasche für die Plazenta, die zumeist aus Baumwolle besteht, sowie aus Meersalz und einigen Kräutern zur Konservierung.

Zusätzlich sind häufig Mullwindeln und andere Tücher enthalten, in denen die Plazenta aufbewahrt werden kann.

Was tun mit der Plazenta, wenn die Nabelschnur abgefallen ist?

Einige Eltern essen die Plazenta, wenn die Nabelschnur abgefallen ist, während andere das als unappetitlich empfinden. Einige Befürworter der Lotusgeburt meinen, dass die Plazenta reich an Nährstoffen ist und das Immunsystem stärken kann. Wissenschaftliche Belege gibt es dafür jedoch nicht.

Die Plazenta kann auch getrocknet, zu Pulver verarbeitet und dann mit der Nahrung eingenommen werden. Im Internet findest Du verschiedene Rezepte, beispielsweise für Smoothies.

Das Essen der Plazenta nach der Lotusgeburt ist jedoch umstritten. Viele Eltern graben die Plazenta im Garten ein und pflanzen ein Bäumchen darauf. Bilder zur Geburt, in Verbindung mit einem Bäumchen auf der eingegrabenen Plazenta, sind eine schöne Vorstellung.

Lotusgeburt: Fazit

Die Lotusgeburt wird von Ärzten kritisiert, da sie ein erhöhtes Infektionsrisiko für das Baby bedeuten kann. Auch die WHO steht der Lotusgeburt kritisch gegenüber. Die Nabelschnur wird bei der Lotusgeburt nicht durchgeschnitten. Zusammen mit der Plazenta soll sie innerhalb von zehn Tagen vom Baby abfallen.

Damit es nicht zu Infektionen kommt, muss die Plazenta mit Salz präpariert werden. Befürworter der Lotusgeburt sind der Meinung, dass das Baby besser mit Blut versorgt wird. Das ist jedoch auch gewährleistet, wenn die Abnabelung innerhalb von drei Minuten nach der Entbindung erfolgt.

Bei einer Lotusgeburt kommt es nicht zu einer Nabelinfektion. Du musst Dich nicht um die Nabelpflege kümmern. Krankenhäuser ermöglichen die Lotusgeburt zumeist nicht.

Sie ist jedoch in Geburtshäusern und bei Hausgeburten möglich und sollte unter der Aufsicht einer erfahrenen Hebamme erfolgen.

Du solltest Dich in erster Linie frühzeitig informieren, welche Geburtsarten für Dich in Frage kommen. Wie wäre es zum Beispiel mit einer Wassergeburt?

Quellen

https://www.hallo-eltern.de/baby/lotus-geburt/
https://www.netdoktor.de/schwangerschaft/lotusgeburt/
https://www.gofeminin.de/schwangerschaft/lotusgeburt-s2262620.html
https://www.wunderweib.de/lotusgeburt-wenn-die-plazenta-am-baby-bleibt-14092.html
https://www.kinderinfo.de/schwangerschaft/lotusgeburt/
https://www.greenbirth.de/de/geburts-abc/a/375-abnabeln-nach-kaiserschnitt.html
https://www.babyclub.de/magazin/geburt/lotusgeburt.html
https://www.echtemamas.de/lotus-geburt-so-sieht-der-trend-in-der-praxis-aus/
https://www.lotusgeburt.com/drei-moeglichkeiten-wie-du-die-plazenta-deines-kindes-einnehmen-kannst/

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