Wenn Geschwister streiten

Streit zwischen Kids ist etwas ganz normales. Auch Erwachsene sind sich nicht immer einig und tragen ihre Meinungsverschiedenheiten in Form von Diskussionen oder Streits. Es ist okay, nicht immer der gleichen Meinung wie andere zu sein. Außerdem ist es in Ordnung, für die eigenen Bedürfnisse einzustehen.

Wenn Geschwister streiten, können sie mitunter recht ausfällig werden. Sie schimpfen miteinander und nehmen sich kein Blatt vor den Mund. Warum das so ist und wie man im Streit zu einem Kompromiss kommt, das ist unser heutiges Thema.

Besonderheiten beim Geschwister-Streit

Wenn man mit einem Spielkameraden spielt, ist das etwas ganz anderes, als Streit mit den Geschwistern. Denn Nachbarn, Freunde und Schulkameraden können einfach gehen, wenn es ihnen zu blöd wird. Mit den Geschwistern wohnt man unter demselben Dach oder möglicherweise sogar im selben Zimmer. Da ist es schwer, sich einfach aus der Affäre zu ziehen. Deshalb wird so lange verbittert gestritten, bis einer von beiden zufrieden ist. Im besten Fall findet man zu einer gemeinsamen Lösung und kann sich nach dem Streit wieder gut miteinander vertragen.

Meistens geht es in solchen Streitigkeiten darum, die Aufmerksamkeit der Eltern zu bekommen. Wir alle wollen bestmöglich behandelt werden und möglichst viele Vorteile für uns haben. Geschwister sind gleichzeitig immer Konkurrenten. Denn: Man möchte Spielsachen, Taschengeld und die Eltern selbst nicht teilen. Schließlich könnte man dadurch selbst weniger davon haben.

Streit als Lernprozess

Kids lernen unglaublich viel beim Streiten. Sie verstehen sich selbst und andere besser. Schüchterne Kids können im Streit plötzlich mutig werden, während Vorlaute auf einmal den Kürzeren ziehen. Im Streit lernst du, deine Meinung vor anderen zu vertreten. Du bekommst ein Gespür dafür, deine Gefühle so auszudrücken, dass dich dein Gegenüber gut verstehen kann. Umgekehrt lernst du dabei, dich besser in andere hineinzuversetzen.

Du musst dich damit auseinandersetzen, dass jedes Kind anders ist. Das bedeutet auch, dass es zwischen dir und deinen Geschwistern Unterschiede gibt. Das ist anfangs nicht ganz leicht zu vertragen. Vielleicht hast du dabei das Gefühl, dass dich niemand richtig versteht. Dieses Gefühl ist aber ganz normal. Jeder muss da durch.

Neben einer großen Portion Einfühlungsvermögen lernst du, dich nicht übergehen zu lassen. Du verstehst, dass du nicht immer gleich nachgeben darfst, wenn du dich im Recht fühlst. Eine Lösung, die für alle in Ordnung ist, muss gefunden werden. Es wäre schade, wenn einer der Beteiligten vorher das Handtuch wirft, weil es ihm zu blöd wird.

Streiten ohne Schiedsrichter

Insgeheim erwartest du vielleicht, dass deine Eltern eingreifen und dir zu Hilfe eilen. Du möchtest, dass ein Erwachsener den Schiedsrichter spielt und dir aus deiner unangenehmen Lage heraus hilft. Das bringt dich und deine Geschwister aber nicht wirklich weiter. Denn ihr müsst euren Streit selbst austragen, um zu einer Lösung zu kommen.

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Dabei gewalttätig zu werden ist leicht. Manch ein Kind wird sehr schnell jähzornig und ungeduldig. Dabei können nicht nur Jungs handgreiflich werden. Auch manche Mädels neigen dazu, den anderen zu schlagen, zwicken oder anderweitig zu massakrieren.

Bestimmt kennst du das, wenn man sich ordentlich in die Haare gekommen ist und wenig später wieder miteinander spielt, als sei nichts gewesen. Das ist typisch für Kids. Und das ist auch gut so. Deshalb ist es aber auch wichtig, dass deine Eltern nicht immer gleich eingreifen. Ihr wisst in Wahrheit sehr gut, wie man sich wieder miteinander verträgt, ohne dass die Eltern ein Machtwort sprechen müssen.

Streit-Tipps für dich und deine Geschwister

1) Streiten ist OK
Sei dir bewusst, dass es nicht grundsätzlich schlecht ist, zu streiten. Auch, wenn es sich unangenehm anfühlt, gehört es doch zum Leben dazu, Konflikte auszutragen.
Stelle dir selbst die Frage, warum du streitest und worum es dir geht.

2) Dein eigener Standpunkt
Ein Streit führt selten zu einer Lösung, wenn den Beteiligten eigentlich gar nicht klar ist, warum sie streiten. Denn sehr schnell gerät alles aus der Bahn. Irgendwann beschimpft man sich nur noch gegenseitig und ist richtig sauer. Und das, obwohl es anfangs nur um eine Kleinigkeit ging.
Darum ist es wichtig, über den eigenen Standpunkt Bescheid zu wissen. Erinnere dich immer wieder daran, was du möchtest. Bringe das immer wieder zum Ausdruck und gehe nicht auf Beschimpfungen oder Bemerkungen ein, die mit dem Streit nichts zu tun haben.

3) Ich-Botschaften
Wir sind so gebaut, dass wir mit Abwehr auf Vorwürfe reagieren. Wenn wir beschuldigt oder beschimpft werden, können wir nicht mehr gut auf den anderen eingehen. Denn in erster Linie möchten wir uns dann verteidigen. Das Finden einer guten Lösung tritt in den Hintergrund und man wird sehr emotional. Ein Vorwurf führt zum nächsten und der Streit gerät außer Kontrolle.

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Das lässt sich vermeiden, indem man einfach ausdrückt, was man möchte. Anstatt Sätze wie „DU bist immer so nervig!“ oder ähnliches zu bringen, konzentriere dich auf deine eigenen Bedürfnisse. Besser wäre ein Satz wie: „Ich fühle mich gestört, wenn du immer in mein Zimmer platzt, ohne anzuklopfen.“. Bringe zum Ausdruck, wie du dich fühlst. So kann dein Gegenüber viel besser auf dich eingehen, weil er sich nicht gegen einen Vorwurf verteidigen muss. Versuche, dabei beim Thema zu bleiben und keine alten Geschichten hervor zu kramen.

4) So streiten Erwachsene: Aktives Zuhören

Aktives Zuhören ist mehr als „normales“ Zuhören. Während dein Gegenüber spricht, versetzt du dich – so gut es geht – in ihn hinein. Du versuchst, ihm zu folgen und den Faden nicht zu verlieren. Sobald dein Streitpartner nichts mehr zu sagen hast, fasst du zusammen, was er gesagt hat. So teilst du ihm mit, wie du das verstanden hast, was er oder sie gesagt hat. Das zeigt deinem Gegenüber, dass du zuhörst und an einer guten Lösung interessiert bist, die beide zufriedenstellt. Er oder sie wird dann viel offener auf dich zugehen. Aktives Zuhören kann in etwa so aussehen:

„Ich verstehe. Du meinst also, dass du dich nicht wohl fühlst, wenn immerzu jemand in dein Zimmer platzt, richtig?“ Dann fährst du fort mit deinen Einwänden und Wünschen.

Achte dabei darauf, auch deine Körpersprache einzusetzen. Dein Gegenüber vertraut dir unterbewusst mehr, wenn du eine ähnliche Körperhaltung wie er einnimmst. Unterbewusst heißt, dass er es nicht so richtig bemerkt, sein Gehirn aber auf die Veränderung reagiert. Dadurch fühlt er sich möglicherweise besser, ohne zu wissen, warum.

Aktives Zuhören bedeutet auch, Fragen zu stellen. Tu das nicht nur dann, wenn du dir nicht sicher bist. Frage einfach nach, ob dein Gegenüber dies oder jenes so gemeint hat, wie du es verstanden hast. Das räumt Missverständnisse schnell aus dem Weg und hilft euch dabei, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. So kommt man schneller und zielgerichteter zu einem Kompromiss.

Ein Kompromiss ist übrigens eine Lösung, die für beide Streitparteien in Ordnung geht. Bei einem Kompromiss muss man selber immer ein kleines Stückchen weit verzichten, dafür sind aber beide zufriedengestellt und man muss nicht mehr weiter streiten. Ein Kompromiss bedeutet also ein wenig nachzugeben um das zu bekommen, was man sich wünscht.

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5) Sachlich bleiben
Versuche, möglichst fair zu bleiben. Es bringt nichts, den anderen zu beschimpfen oder zu belügen. Über kurz oder lang führen Lügen zu weiteren Streitereien und machen die Lage nur noch schlimmer. Darum solltet ihr ehrlich miteinander umgehen.

Bleibt bei der Wahrheit, ohne euch gegenseitig Vorwürfe zu machen. Wenn du bemerkst, dass dein Gegenüber angespannt ist, frage nach, warum. Lass es nicht zu, dass er oder sie wütend wird. Denn das macht es sehr schwierig, zu einer Lösung zu kommen. Wenn man wütend ist, wird man sehr emotional. Wenn man emotional ist, konzentriert man sich auf Gefühle, anstatt auf Fakten. Die Wut beherrscht den Streit und man sieht rot. Man könnte den anderen in der Luft zerreißen und ist nicht mehr bereit, ein wenig nachzugeben. Wütende Menschen fühlen sich schlecht behandelt und werden aggressiv. Das führt zu nichts. Deshalb sollte man diese Situation von vorneherein vermeiden.

6) Missverständnisse klären

Nicht selten beginnen Konflikte damit, dass jemand etwas falsch verstanden hat. Meistens bemerkt man das gar nicht. So beginnt ein Streit, der eigentlich gar nicht notwendig wäre.

Durch Nachfragen („Habe ich es richtig verstanden, dass du …?“) kann man ein Missverständnis aufklären. Meistens lösen sich Konflikte dann ganz von selbst auf. Denn man sieht ein, dass man nur aufeinander böse war, weil man etwas falsch verstanden hat.

7) Eigene Fehler eingestehen

Lange Streitereien führen oft dazu, dass man sich gegenseitig die Schuld für etwas in die Schuhe schiebt. Keiner von beiden möchte sich die eigenen Fehler eingestehen und zeigt mit dem Finger auf den anderen. Wie du bereits gelernt hast, werden Menschen schnell wütend, wenn sie Vorwürfe bekommen. Darum dreht man sich dann im Kreis, während man sich gegenseitig die Schuld für etwas gibt.

Hier hilft es nur, sich die eigenen Fehler ein Stück weit einzugestehen. Das alleine reicht noch nicht aus. Man sollte dem anderen erklären, dass man dies oder jenes bestimmt nicht richtig gemacht habe. Vielleicht gibt dann auch der andere zu, dass er nicht immer richtig gehandelt hat.

Gib dir einen Ruck und sei mutig! Denn zu den eigenen Fehlern stehen zu können zeugt von einem starken Charakter. Nur Feiglinge können nicht zu ihren Fehlern stehen.

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8) Alles hat seine Zeit

Manchmal muss man eine Pause einlegen. Je länger man streitet, umso weniger zielführend kann der Streit werden. Sobald man beginnt, emotional oder wütend zu werden, wird der Streit immer schlimmer und unangenehmer. Wenn nichts mehr hilft sollte man mit dem Streiten aufhören und etwas Abstand nehmen. In dieser Zeit kann man noch einmal in Ruhe über alles nachdenken und sich eine neue Meinung bilden. Außerdem hilft eine Pause dabei, angestaute Wut abzubauen und beim nächsten Mal wieder sachlicher an den Streit heran zu gehen.

Es ist okay, wenn man dann eine Zeit lang nicht miteinander spricht. Erklärt euren Eltern, dass ihr noch etwas klären müsst und mit eurem Streit noch nicht fertig seid.

Denkt immer daran, eine Pause einzulegen, wenn der Streit zu anstrengend wird oder schon sehr lange dauert.

Arbeitsblatt zum Text

1) Erkläre die schwierigen Wörter aus dem Text.
Was bedeutet…

  • Ich-Botschaft
  • aktives Zuhören
  • emotional
  • Kompromiss
  • unterbewusst

2) Warum ist ein Streit zwischen Geschwistern anders, als ein Streit zwischen Freunden, Schulkollegen oder Nachbarn?

3) Rollenspiel: Finde einen Partner, mit dem du das Rollenspiel durchführen kannst. Entscheidet euch jeweils für eine der unten angegebenen Rollen. Führt ein Streitgespräch in dem jeder seinen Standpunkt klar macht und den Streit für sich entscheiden möchte. Achtet darauf, euren Rollen treu zu bleiben und euch vorzustellen, ihr seid wirklich diese Personen.

Situationsbeschreibung: Zwei Kids, Max und Sarina, gehen miteinander in dieselbe Klasse. Sie vertragen sich normalerweise ganz gut und spielen oft miteinander. Max vermisst seine neuen Buntstifte. Am Vortag hatte er sie Sarina geliehen. Deshalb wird Sarina von Max beschuldigt, die Buntstifte behalten zu haben. Sarina sagt aber, dass sie die Buntstifte zurück gegeben hat.

Dieses Kind spielt Max:
Dieses Kind spielt Sarina:

Beantwortet nach eurem Gespräch die folgenden Fragen:

  • Konntet ihr zu einer Lösung gelangen? Wie lautet euer Kompromiss?
  • Welche Schwierigkeiten sind während des Streitens aufgetaucht?
  • Habt ihr euch die Tipps aus dem Artikel zunutze gemacht? Wenn ja, wie?
  • Seid ihr sachlich an den Konflikt heran gegangen? Welche Argumente wurden verwendet?
  • Hat einer von euch während des Streits irgendwann wütend oder emotional reagiert? Beschreibt diese Situation und warum es so weit kam.

Foto: Jeanne Provost / bigstockphoto.com

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