Motopädie: Wenn Verhaltensauffälligkeiten behandelt werden müssen

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17 % der Kinder und Jugendlichen im Alter von 11 bis 17 Jahren beschreiben sich nach Ihrer Selbsteinschätzung als allgemein auffällig in Bezug auf vielerlei Verhaltensbereiche. Mit einer frühzeitigen Motopädie können diverse Verhaltensauffälligkeiten in den unterschiedlichsten Bereichen rechtzeitig behandelt werden.

Psychische Probleme und weitere lassen sich bereits bei einem Kind von 2 Jahre signifikant reduzieren. Alles rund um das Thema Motopädie erfährst Du in diesem Artikel.

Motopädie: Eine ganzheitliche Methode

Bei der Motopädie handelt es sich um eine stärkenorientierte Methode der Behandlung von diversen Auffälligkeiten bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Dabei liegt der Fokus nicht ausschließlich auf Verhaltensauffälligkeiten, sondern ebenso auf Auffälligkeiten im Bereich der Leistung und Wahrnehmung.

Berücksichtigt werden psycho-, sozio- und sensomotorische Problematiken. Die Behandlung an sich basiert auf einer Wechselwirkung zwischen den einzelnen Körperbewegungen und der menschlichen Psyche, wobei der zentrale Ansatz die Bewegung darstellt. Hier sei der Begriff Psychomotorik zu erwähnen.

Psychomotorik als Grundlage für die Motopädie

Die Psychomotorik geht davon aus, dass psychische Vorgänge wie zum Beispiel die Emotionalität aber auch die individuelle Struktur der Persönlichkeit einen signifikanten Einfluss auf die Bewegungsabläufe des Einzelnen haben. Beispielsweise zählen die Mimik, die Sprache aber auch das Gehen zu den psychomotorischen Abläufen.

In diversen Schulen der Psychomotorik wird explizit der Zusammenhang zwischen der Entwicklung von Wahrnehmung und Motorik und des psychischen Erlebens eines Menschen, insbesondere die seelisch-psychisch-emotionale Entwicklung betont.

Berücksichtigt werden zudem die materielle und soziale Umwelt. Als Konzept wird die Psychomotorik innerhalb der Motopädie, aber auch in der Motopädagogik, in der Mototherapie, sowie in der Bewegungspädagogik und der Bewegungstherapie genutzt.

Motopädie von Sportpädagogen und Psychiatern entwickelt

Als Begründer der Motopädie gelten der Sportpädagoge Ernst J. Kiphard sowie die beiden Kinder- und Jugendpsychiater Helmut Hünnekens und Elisabeth Hecker. Wobei die Entstehung auf die 1950er Jahre zurückzuführen ist.

Die motopädische Arbeit kann schwerpunktmäßig therapeutisch-rehabilitierend oder pädagogisch-präventiv gestaltet sein. Als Schwerpunkte kommen die Mototherapie und die Motopädagogik in Betracht.

Motopädagogik als Disziplin der Motopädie

Als Anwendungsgebiet der Psychomotorik handelt es sich bei der Motopädagogik um ein spezielles Arbeitsgebiet im pädagogischen Kontext. Zur Realisierung der angestrebten Ziele bedient sich die Motopädagogik der Bewegung. Im Fokus stehen diverse persönlichkeitsbildende Konzepte.

So findet beispielsweise eine Schulung des Gleichgewichts statt. Des Weiteren sammeln Kinder Material- und Sozialerfahrungen. Auch eine Förderung der Kreativität kann über die Motopädagogik erfolgen.

Ferner beruft sich das Anwendungsgebiet auf diverse Bewegungserfahrungen, die die Wahrnehmung signifikant schulen. Geschult werden dabei unter anderem visuelle und auditive Wahrnehmungen.

Motopädagogik: Bewegungsentwicklung und Persönlichkeit stehen in Zusammenhang

Prinzipiell handelt es sich bei der Motopädagogik um ein ganzheitliches Konzept, dass die Bewegungsentwicklung in einem engen Zusammenhang mit der gesamten Persönlichkeit sieht. Für die Entwicklung von Kindern ist die Bewegung unentbehrlich.

Eltern, Erziehern und Lehrern fallen zunehmend mehr motorische Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern auf. Sind diverse Bewegungsabläufe auffällig, kann die Motopädagogik als hervorragender Ansatz für die Schulung genutzt werden.

Warum die Motopädagogik so wichtig ist

Das Konzept der Motopädagogik ist in vielerlei Zusammenhängen relevant. Kinder, die beispielsweise Probleme haben, längere Zeit auf einem Stuhl zu sitzen, werden im Schulalltag große Schwierigkeiten haben, dem Lehrer über den gesamten Unterricht zu folgen.

Innerhalb der Motopädagogik lernen die Kinder, sich auf sich selbst zu konzentrieren. Leidet ein Kind dagegen unter Gleichgewichtsstörungen, die deutlich auffällig sind, wird es später aller Wahrscheinlichkeit nach sehr große Schwierigkeiten haben, gerade auf der Linie zu schreiben.

Die Motopädagogik kann präventiv eingesetzt werden, um erkannte Verhaltensauffälligkeiten zu reduzieren und dem betroffenen Kind ab 2 Jahre für die Zukunft zu helfen.

Mototherapie als Disziplin der Motopädie

Bei der Mototherapie handelt es sich um eine entwicklungsfördernde psychomotorische Therapie. Im Fokus steht stets die individuelle Entwicklung des Kindes. Eine wesentliche Grundlage der Mototherapie ist das Zusammenwirken von Bewegung, Wahrnehmung, Handlung und Erleben.

Mit Hilfe der Mototherapie können Kinder Ängste überwinden, das eigene Selbstvertrauen stärken und individuelle Schwierigkeiten erfolgsversprechend bearbeiten. Ist die Entwicklung eines Kindes ins Stocken geraten, kann sie mithilfe der Mototherapie wieder aktiviert werden.

Mototherapie für Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten

Prinzipiell eignet sich die Mototherapie für Kinder, die in verschiedenen Bereichen auffällig sind. Die sich beispielsweise unruhig, ungeschickt, ängstlich, gehemmt oder gleichgewichtsgestört in der Bewegung verhalten. Ferner werden Kinder angesprochen, die kein oder ein übersteigertes Schmerzempfinden haben.

Auch bei ADS und ADHS kann die Mototherapie als Teildisziplin der Motopädie sehr effektiv und erfolgreich sein. Ferner lassen sich mit dieser Therapieform Konzentrationsprobleme oder Teilleistungsschwächen behandeln.

Für wen ist die Motopädie geeignet?

Die Motopädie spricht einen recht breiten Patientenkreis an. Prinzipiell ist die Behandlung für jedes Kind gut geeignet. Psychologische Fakten belegen, dass die Therapieform besonders gut für Kinder geeignet ist, die:

  • Auffällig oft hinfallen oder ihre Balance nur schlecht finden und sich oft stoßen
  • Besonders unruhig, ungeschickt und gehemmt in ihren Bewegungsabläufen sind und sich diesbezüglich auch unsicher fühlen
  • Einen steifen oder ungelenken, vielleicht auch zu schlaffen Muskeltonus haben
  • Rasch ermüden und häufig ein Gefühl von Kraftlosigkeit haben
  • Regelmäßig nicht zur Ruhe kommen, sich schlecht konzentrieren und ihre Aufmerksamkeit nicht lange aufrecht erhalten können
  • Häufig die Orientierung verlieren und Probleme haben, mit anderen Kindern in Kontakt zu treten
  • Keinerlei Bereitschaft zeigen, Regeln zu akzeptieren und sich an diese zu halten
  • Verhaltensauffälligkeiten in den Bereichen Ängstlichkeit und Unsicherheit haben und sich auffällig schüchtern verhalten
  • Probleme haben, diverse Umweltreize ansprechend aufzunehmen und dementsprechend zu reagieren
  • Anforderungen innerhalb einer Kita oder innerhalb der Schule nicht gerecht werden können und in diesem Kontext eine mangelhafte Lern- und Leistungsbereitschaft zeigen

Wie erfolgt die Motopädie?

Bist Du der Meinung, dass die Motopädie im Zusammenhang mit Verhaltensauffälligkeiten bei Deinem Kind die beste Lösung ist, ist der erste Weg zum Kinderarzt. Dem Kinderarzt solltest Du umfangreich erklären, wo die Probleme Deines Kindes liegen und ihn um eine Überweisung zu einem erfahrenen Motopäden bitten.

Alternativ besteht die Möglichkeit, die Motopädie über eine nahegelegene Frühförderstelle abzuwickeln. Es empfiehlt sich, hier möglichst rechtzeitig einen Antrag auf Förderung zu stellen. Oftmals haben Frühförderstellen aufgrund mangelnder Kapazitäten Wartelisten.

Es kann durchaus sinnvoll sein, bereits ein Kind mit 2 Jahre anzumelden. Entscheidend ist, dass du keinen Physiotherapeuten suchst, sondern wirklich einen Motopäden, der über eine entsprechende Fachausbildung verfügt.

Der Motopäde

Sofern Du einen Motopäden für Dein Kind gefunden hast, erfolgt vorab eine ausführliche Anamnese. Der Behandler greift hierfür auch auf die bisherigen Befunde und Berichte der Ärzte zurück.

Ferner wird er Dir einige Fragen zu Deinem Kind und den auftretenden Problemen stellen, sodass er sich ein umfangreiches Bild machen kann. Relevant sind hierbei auch psychische Probleme wie Ängste. Im Anschluss an die Anamnese entscheidet der Motopäde, welche Behandlung für Dein Kind in Frage kommt.

Gruppen- oder Einzeltherapie in der Motopädie

Hier sei anzumerken, dass sowohl Einzeltherapien wie auch Gruppentherapien in der entsprechenden Altersklasse möglich sind. Unter Umständen können Gruppensitzungen bei der Lösung von psychosozialen Problemen hilfreich sein.

Ferner gibt es sportmotorische, neuromotorische und psychomotorische Verfahren, die der Motopäde als geeignet auswählen kann. Nicht selten liegt ein Fokus auf der Erlebnis- und Ausdruckstherapie. Bei dieser werden Gruppenspiele durchgeführt, die zu einer signifikanten Stärkung der Motorik beitragen. Mit entsprechendem Motorik-Spielzeug kannst auch Du die Fähigkeiten deines Kindes fördern.

Entspannung dank Motopädie

Auch Entspannungsmethoden können über die Motopädie vermittelt werden. Erwähnenswert sind in diesem Kontext die Meditation oder autogenes Training. Motopäden können ferner die Möglichkeiten der progressiven Muskelentspannung, diverse Atemübungen und weitere Entspannungsmethoden vermitteln. Die Palette unterschiedlicher Angebote innerhalb der Motopädie ist breit und stützt sich vor allem auf psychologische Fakten.

Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern nicht selten

Viele Eltern geben sich die Schuld für etwaige Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern. Du musst Dir aber bewusst machen, dass Dich keine Schuld trifft. Hierzu einige Zahlen und psychologische Fakten, die belegen, dass Verhaltensauffälligkeiten unter Kindern gar nicht so selten sind.

Laut dem Robert Koch Institut empfinden sich 17 Prozent der Kinder und Jugendlichen im Alter von 11 bis 17 Jahren selbst als allgemein auffällig. 14,2 % der Kinder und Jugendlichen geben an, dass Sie in mindestens einem Bereich auffällig sind.

Laut einer Studie des BMBF, BMG geben 27,9 % der Eltern von Kindern und Jugendlichen bis 17 Jahren an, dass ihre Kinder allgemein auffällig sind. 17,5 % der Eltern sagen, dass ihre Kinder in mindestens einem Bereich Verhaltensauffälligkeiten zeigen. Befragt wurden Eltern von insgesamt 17.641 Kindern.

Auf Basis von knapp 800.000 Abrechnungsdaten der DAK zeigt sich, wie häufig psychische Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen vorkommen. Demnach leiden 190 von 1.000 Jungen unter behandlungsbedürftigen Entwicklungsstörungen. Bei den Mädchen sind es nur 123,8 von 1.000.

Die obigen Zahlen zeigen eindeutig, dass Verhaltensauffälligkeiten im Kindes- und Jugendalter keine Seltenheit sind. Mithilfe der Motopädie kannst Du Deinem Kind helfen, Auffälligkeiten abzubauen und zu einem selbstbewussten Menschen zu werden.

Fazit: Verhaltensauffälligkeiten mit Motopädie entgegenwirken

Die Motopädie ist eine hervorragende Möglichkeit, Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern effektiv entgegenzuwirken. Sie umfasst unterschiedliche Teildisziplinen und verschiedene Techniken sowie Therapieformen, die zur Entwicklung eines Kindes beitragen.

Die Behandlung ist einerseits über erfahrene Motopäden, andererseits über spezielle Frühfördereinrichtungen möglich. Des Weiteren sind Behandlungen innerhalb von Gruppen oder als Einzeltherapie möglich. Die Motopädie kann in Form der Motopädagogik auch präventiv angewandt werden.

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